„Die Politik muss aufwachen!“

Interview zur Aktion „Gedeckter Tisch“: Wirte fordern Öffnungsperspektive

Auch auf der Marktstraße wurde aufgetischt: (v.l.)Sabine Montag (Rezeption) und Lissy Heimgreiter (Service) vom Tölzer Kolberbräu schlossen sich der bundesweiten Aktion an.
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Auch auf der Marktstraße wurde aufgetischt: (v.l.)Sabine Montag (Rezeption) und Lissy Heimgreiter (Service) vom Tölzer Kolberbräu schlossen sich der bundesweiten Aktion an.

Landkreis – Seit einem halben Jahr sind Hotels, Wirtschaften, Bistros und Cafés dicht. Jetzt wird eine Öffnungsperspektive gefordert

Um auf ihre schwierige Situation hinzuweisen, haben am Montag deutschlandweit Wirtsleute einen gedeckten Tisch und teilweise ein gemachtes Bett öffentlichen aufgestellt – es war ein symbolischer Protest, um die Politik auf die momentane Perspektivlosigkeit eine ganzen Brache aufmerksam zu machen. Der Rundschau-Verlag sprach über die Aktion mit Monika Poschenrieder, Kreisvorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga).

Inhaberin des Tölzer Forellenhofs Walgerfranz und Dehoga-Kreisvorsitzende: Monika Poschenrieder.
Frau Poschenrieder, seit November 2020 ist zu, was bedeutet das konkret für die hiesigen Gastronomen?
„Wir haben keine Einnahmen. Allerdings gibt es die staatlichen Hilfen für die Monate ab November. Damit können 75 Prozent des jeweiligen durchschnittlichen Monatsumsatzes aus dem Vorjahr beantragt werden. Allerdings, sind die noch nicht vollständig ausbezahlt worden.
Reicht das Geld?
„Es deckt geradeso die Unkosten. Von den Staatshilfen wird ja auch das Kurzarbeitergeld abgezogen. Und im November als es los ging, hatten viele Betriebe ohnehin zu. Deshalb fallen für sie auch, die Hilfen anteilig geringer aus.“
Müssen viele Betriebe nun schließen?
„Jetzt ist ein Jahr nichts verdient worden. Viele haben Reserven zurückgelegt für Investitionen, diese Rücklagen werden jetzt aufgebracht. Deshalb werden viele Pächter sagen, sie können ihren Pacht-Vertrag nicht verlängern. Und viele müssen die nächsten Jahre ihre Schulden zurückzahlen. Letztendlich werden wir die finanzielle Situation und die Lage erst am Ende des Jahres einschätzen können.“
Da half auch die kurzzeitige Öffnung im Sommer nichts...
„Im Sommer hatte man ein gutes Geschäft. Doch es gab keinen Betrieb zu Ostern und auch das Weihnachtsgeschäft fiel komplett aus. Wir brauchen aber diese wichtige Zeiten, wo die Umsätze fließen. Feiertage sind Einnahmebereiche, um kostendeckend übers Jahr arbeiten zu können.“
Wie ist eigentlich die Idee zur Aktion „Gedeckter Tisch“ zustande gekommen?
„Sie kam vom Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes, um im Vorfeld der Bund-Länder-Gespräche auf die verzweifelte Situation der Betriebe und die momentane Perspektivlosigkeit aufmerksam zu machen. Wir brauchen diesen Schub von der Basis.“
Wie war die Resonanz?
„Hier im Landkreis haben rund 30 Wirte mitgemacht - ein gutes Ergebnis: Auf der Tölzer Marktstraße haben die Leute geschaut und nachgefragt. Es ging aber nicht um die Passanten, sondern um die Auswirkung: dass die Politik auf uns aufmerksam wird und aufwacht!“
Was sind ihre Forderungen und Ziele?
„Wir brauchen eine Eröffnungsperspektive. Hotellerie und Gastronomie benötigen mindestens 14 Tage Vorlauf zum Planen. Zudem wollen die Gäste jetzt schon für Ostern reservieren, sonst fahren sie woanders hin. Gegen das Virus haben wir gute Hygiene-Konzepte.
Wenn Sie in die Zukunft blicken, was sehen Sie?
„Das ist schwierig: Generell darf die Gastronomie erst ab einen Inzidenzwert unter 35 eröffnen. Ich denke, als erstes können wir wohl Ende März die Außenbereiche wieder eröffnen. Für die Betriebe, zu dieser Jahreszeit, nicht leicht, da das Wetter durchwachsen ist. Sie aber das Personal einteilen müssen, als wäre es draußen schon warm. Und wenn es draußen kalt ist, wollen die Gäste rein.“

Das Gespräch führte Daniel Wegscheider

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