Obacht beim Überholen

Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Plakataktion der Kreisverkehrswacht auf Landstraßen

Plakate an Landkreisstraßen
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Plakate an Landkreisstraßen sollen auf Gefahren im Straßenverkehr aufmerksam machen.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
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Landkreis – Sie ereignen sich relativ selten. Doch die Folgen sind umso gravierender: Rund neun Prozent aller Getöteten auf Landstraßen kommen bei Überholunfällen ums Leben.

Um auf die Gefahren hinzuweisen, startet die Kreisverkehrswacht eine Plakataktion im August und September. Die Kreisverkehrswacht Bad Tölz-Wolfratshausen möchte mit der Plakataktion, „Das passt noch. Dachtest du“, die im Rahmen der Kampagne der Landesverkehrswacht Bayern und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates gestartet wurde, auf Verkehrsunfälle hinweisen.

Bei 72.538 Unfällen auf Landstraßen im Jahr 2019 kamen Menschen zu Schaden, wurden getötet, schwer oder leicht verletzt. 5.172 Mal aufgrund von Überholunfällen, sagt die Unfallstatistik des Statistischen Bundesamts (Destatis). Das sind gerade mal rund sieben Prozent aller Unfälle auf Landstraßen. „Allerdings sind die Folgen häufig besonders dramatisch“, berichtet Ilka Fottner, Geschäftsführerin der Kreisverkehrswacht Bad Tölz-Wolfratshausen.

Neun Prozent der Getöteten auf Landstraßen sind nach Angaben von Destatis Opfer von Überholunfällen. „Damit sind Überholunfälle mit die folgenschwersten Unfälle auf Landstraßen“, so Fottner weiter.

Zudem fanden die Fachleute der Unfallforschung der Versicherer (UDV) heraus, dass rund 70 Prozent der Überholunfälle in Kurven passierten. Auch die Sichtweite spielte eine wesentliche Rolle. Ebenfalls 70 Prozent der untersuchten Überholunfälle ereigneten sich auf Strecken mit einer Sichtweite von 600 Metern oder weniger.

Präventive Maßnahmen

Was ist zu tun, um das Risiko von Überholunfällen zu reduzieren? Das Forschungsprojekt „Außerortsstraßensicherheit“ der TU Dresden untersuchte 2013 im Auftrag der Bundesanstalt für Straßenwesen und des Bundesverkehrsministeriums etwa die Wirkung von ortsfesten „Blitzern“ und abschnittsweise angelegten Überholfahrstreifen in Kombination mit Überholverboten.

Dadurch wurde auf den untersuchten Strecken entweder die zulässige Höchstgeschwindigkeit durchgesetzt oder das Überholen gesichert. Der Vorher-Nachher-Vergleich bestätigte die Wirksamkeit der Maßnahmen.

Überholverbote empfehlen auch die Unfallforscher der UDV. Diese sollten in Bereichen mit geringer oder unzureichender Sicht angeordnet werden.Wichtig seien dabei auch Geschwindigkeitsbeschränkungen. So könnte das Unfallrisiko stärker reduziert werden.

„Sofern keine Überholverbote bestehen, die Verkehrslage übersichtlich ist und überholt werden darf, spielen Abstände und die Sichtweite eine entscheidende Rolle“, erklärt Fottner. Beispiel: Wer im Pkw mit Tempo 100 km/h einen Lkw mit 60 km/h sicher überholen möchte, benötigt dafür eine Strecke von 350 Metern. Sicherer sei jedoch eine Sichtweite von etwa 600 Metern.

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