Spontanität zahlt sich aus

Regionales Einkaufen während des Lockdowns: Wir haben „Click&Collect“ ausprobiert

Kreativität in besonderen Zeiten: viele Geschäfte bieten telefonische Beratung und vereinbarte Abholung an.
+
Kreativität in besonderen Zeiten: viele Geschäfte bieten telefonische Beratung und vereinbarte Abholung an.
  • Franca Winkler
    vonFranca Winkler
    schließen

Landkreis – Während des Lockdowns dürfen Geschäftsführer, die keine „Waren des täglichen Bedarfs“ anbieten, auch keine Kunden in den Laden lassen.

Abhilfe verschafft „Click&Collect“ (zu deutsch: online bestellen und vor Ort abholen). Wie praktikabel ist diese Einkaufsmöglichkeit im Alltag? Wir haben es im Selbstversuch ausprobiert.

Meine Tochter wünscht sich eine Fortsetzung der Buchserie „Mortina“. Das scheint ein guter Anfang zu sein, um die sogenannte Click&Collect Variante des Einkaufens zu testen. Also darf sich die achtjährige Nele im Online-Shop der Tölzer Buchhandlung Rupprecht einen Titel aussuchen. Einen Tag später erhalten wir die Nachricht, dass das Buch bereits ab dem nächsten Öffnungstag zur Abholung bereit liegt. Am besagten Tag stehen wir vor dem Geschäft auf der Marktstraße. Da unser Klopfen in dem großen Ladengeschäft keiner bemerkt, rufen wir die Nummer an, die auf einem Hinweisschild an der Eingangstür steht. Sofort kommt eine Verkäuferin und legt die bestellten Artikel auf den Tisch. Bezahlt wird bar – mit EC-Karte wäre auch möglich gewesen. Das war einfach. Doch wie funktioniert das Einkaufen in Geschäften, die keinen Online-Shop anbieten?

Nachdem der Schnee zum Rodeln einlädt, musste noch ein Zipfelbob her. Sport Krätz in Bad Tölz ist nicht im Internet vertreten. Ein Anruf brachte aber Erfolg: Es sei noch ein „Zipfelracer“ für Größere da und für ganz Spontane könne dieser eine Stunde später gleich abgeholt werden. Auch das klappte perfekt organisiert: An der Ladentür bemerkbar machen, Bob bezahlen und ab auf den Rodelberg.

Zu einem weiteren Einkaufserlebnis forderte auch der Kaffeevollautomat mit nervösen Blinken „bitte reinigen“ auf. Unter normalen Umständen wäre die Aktion mit einem fünfminütigen Einkauf des Spezialreinigungsmittels erledigt gewesen. Doch sind solche speziellen Bestellungen im bei „Click&Collect“ auch möglich? Nach kurzem Zögern griff ich zum Hörer. Christoph Marksteiner vom gleichnamigen Fachmarkt in Penzberg bestärkt, „rufen Sie unbedingt an. Jeder Auftrag ist bei uns willkommen“. Den Reiniger habe er vorrätig und könne gleich abgeholt werden.

Zum Abschluss wird der virtuelle und regionale Einkauf spontan getestet: Beim Spaziergang durch die Penzberger Innenstadt entdecken meine Kinder im Schaufenster ein Wissensbuch zum Thema Krankenhaus, das sie gerne hätten. Die Verkäuferin der Buchhandlung Rolles, die eben einer Kundin ihre bestellte Ware herausreicht, spreche ich an. Ob man Schaufensterware auch sofort kaufen könne? Das geht. Keine fünf Minuten später halten die Kinder ihr neues Buch in den Händen.

Unser Fazit: Das Shopping­erlebnis von früher wurde natürlich durch „Click&Collect“ variiert. Kritiker könnten argumentieren, dass die Leidenschaft des Stöberns durch die Regale in den Läden fehlt. Aber es funktioniert trotzdem. Kontaktfreude zahlt sich aus und ganz nebenbei haben wir lokale Geschäfte unterstützt. In Pandemie-Zeiten ein Wermutstropfen für Verkäufer und Käufer. Franca Winkler

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Kommentare