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Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen: Stand zu Ukraine-Flüchtlingen

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Von: Viktoria Gray

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Betten in der Turnhalle Geretsried
Die Betten kamen gerade noch rechtzeitig an: 150 Menschen können in der Turnhalle vorübergehend unterkommen. © Landratsamt

Geretsried/Landkreis – Jüngst stellte das Landratsamt beim Pressetermin die erste offizielle Unterkunft in Geretsried für ankommende Ukraine-Flüchtlinge vor.

Update, 29. März:

Im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen sind mittlerweile rund 900 Geflüchtete aus der Ukraine registriert (Stand: 27. März).„Die größte Herausforderung ist nach wie vor die schnelle Unterbringung der Menschen außerhalb der Turnhallen“, berichtet Landrat Josef Niedermaier.

Die Prüfung der Wohnraumangebote in den Gemeinden gehe voran, doch sei sie bei weitem noch nicht abgeschlossen. „Wir brauchen jeden und vor allem weiteren Wohnraum“, betont Niedermaier weiter. Laut aktueller Prognosen geht der Landkreis davon aus, dass noch mehr Menschen in den Landkreis kommen werden.

Bei der Ankunft der Geflüchteten erfahren die Mitarbeitenden des Landratsamtes, ob es sich um Familien, Alleinreisende oder auch sogenannte Drittstaatler handelt. „Je nach dem müssen wir dann schnell reagieren“, sagt der Landrat.

Einige der Geflüchteten haben auch ihr Haustier mitgenommen. Seit vergangenen Donnerstag können diese beim Veterinäramt (E-Mail: veterinaeramt@lra-toelz.de) per Formular angemeldet werden.

Das Formular steht auch in ukrainischer Sprache zur Verfügung. Die Flüchtenden sollen sich nach der Registrierung bei einem Tierarzt melden, damit dort die Untersuchung und Impfung durchgeführt werden kann. Sollte kein Tierarzt gefunden werden können, kann man sich für Unterstützung an das Veterinäramt wenden.

„Da wir aktuell davon ausgehen, dass der Druck weiter steigen wird, werden nun die Vorbereitungen für eine weitere Erstanlaufstelle in der Mehrzweckhalle in der Akeleistraße in Wolfratshausen getroffen“, gibt der Landrat einen Ausblick auf eine weitere Unterkunft. Wann diese dann zur Verfügung stehen wird, ist noch nicht ganz klar.

Update, 18. März:

In der Turnhalle der Geretsrieder Mittelschule an der Adalbert-Stifter-Straße sollen – wie schon bei der Krise 2015 – vorübergehend 150 Menschen unterkommen. Die ersten Flüchtlinge sind bereits untergekommen. Am Sonntag, 13. März, kam aus München ein Bus mit 52 Personen aus der Ukraine: 31 Erwachsene und 21 Kinder kamen vorerst in der Halle unter.

Ludwig Karsten
Klärte über den aktuellen Stand über die zu erwartenden Ukraine-Flüchtlinge auf: Ludwig Karsten vom Landratsamt. © Viktoria Gray

Derzeit gehe der Freistaat von zwei Szenarien aus. Wie Ludwig Karsten vom Sachgebiet Asylwesen im Tölzer Landratsamt ausführte, rechne man bei Szenario eins mit insgesamt 50.000, bei Szenario zwei mit 100.000 Kriegsflüchtlingen. „Für den Landkreis bedeutet der erste Fall ungefähr 500; beim Zweiten rechnen wir mit ungefähr 1.100 bis 1.200 unterzubringenden Personen“, schilderte Karsten die Lage.

Verteilung der Ukraine-Flüchtlinge im Tölzer Land

Wann, wo und wie viele Geflüchtete auf den Landkreis verteilt werden, entscheide zwar die Regierung, „bisher sei es aber in Abstimmung mit den Beauftragten vom Landratsamt gelaufen“, erklärte Theresa Deselaers. Sie ist Abteilungsleiterin für das Sachgebiet Asylwesen im Tölzer Landratsamt. Man sei noch bei dem Punkt, bei dem der Freistaat bei den Landkreisen Kapazitäten abfragen würde und versuche, sich nach diesen Angaben zu richten.

Theresa Deselaers
Theresa Deselaers vom Sachgebiet Asylwesen im Tölzer Landratsamt. © Viktoria Gray

Die größte Herausforderung sei vorerst die Hilfsangebote zu koordinieren. Und davon gebe es so einige. „Wir haben schon ganz viele Wohnungsangebote von privaten Leuten bekommen“, sagte Deselaers. Etwas überraschend, da in der Region seit Jahren eigentlich Wohnungsnot herrscht. Die Angebote seien aber „von unterschiedlichster Art“, wie Deselaers weiter ausführte. Viele Leute würden etwa „tatsächlich einen Schlafplatz in der eigenen Wohnung, oder ein Zimmer dort anbieten“, ergänzte ihr Kollege Karsten. Auch war die Rede von leeren Ferienwohnungen.

In die Karten spielt den Organisatoren vor allem, dass bei der Flüchtlingskrise 2015 die ankommenden Menschen ebenso in der Geretsrieder Turnhalle untergebracht wurden. „Wir mussten nur die entsprechenden Pläne von damals herausholen und auf die Erfahrungen der Vergangenheit zurückgreifen. Das erleichtert uns erst mal unheimlich die Arbeit“, betonte Karsten.

Corona-Regeln und Verpflegung in der Geretsrieder Turnhalle

Nun gibt es in der Halle 150 Plätze. Ankommende würden als erstes immer auf Corona getestet. „Wir haben nach wie vor eine Pandemie“, warf Landratsamt-Sprecherin Marlis Peischer ein. Flüchtlinge mit negativem Testergebnis könnten dann direkt in die Unterkunft und für jene mit einem positiven Test, sei eine „gewisse Anzahl an Quarantäne-Plätzen“ vorbereitet. Die Turnhalle hat man mit Betten und Trennwänden ausgestattet. Gemeinschaftssanitäranlagen sind in der Halle vorhanden, wurden aber dementsprechend aufbereitet. Die Essensversorgung laufe über ein Catering.

Vorgesehen ist, dass die Leute in Geretsried „erst mal ankommen können“, betonte Deselaers. Zwei bis drei Tage könnten sie dann in der Halle bleiben, bis eine Registrierung erfolge und die Flüchtlinge auf passende Unterkünfte umverteilt werden können.

Schul- und Vereinssport wird ins Geretsrieder Gymnasium ausgelagert

In andere Räumlichkeiten umverteilt werden muss vorerst auch der Schulsport für die Schüler der Mittelschule. „Man spricht sich terminlich mit den anderen Schulen ab“, erläuterte Geretsrieds Bürgermeister Michael Müller. So sollen die Schüler derweil ihren Sportunterricht in der Halle des Gymnasiums abhalten. Auch der Vereinsport, der sonst in der Halle der Mittelschule stattfindet, muss sich erst mal umdisponieren. „Die Vereine waren sehr verständnisvoll“, sagte Müller dazu.

Die Unterkunft an der Adalbert-Stifter-Straße ist freilich nur als vorübergehende Lösung vorgesehen. Eben das bereitete Landrat Josef Niedermaier Sorgen, der krankheitsbedingt per Face-Time am Handy zugeschaltet war: „Wir sind überwältigt von der großen Hilfsbereitschaft. Meine große Bitte ist aber jetzt, dass wir auch nachhaltige Hilfen schaffen.“ Was an Ressourcen da sei, dürfe nicht sofort verpuffen. „Hilfe werde auch noch in drei bis vier Wochen gebraucht.“ Eine weitere Unterkunft wird derzeit übrigens in der Turnhalle des Gymnasiums in Bad Tölz vorbereitet.

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