„Es kostet viel Energie“

Tafeln im Teil-Lockdown

Die Tafeln liefern auch Lebensmittel an bedürftige Mitbürger.
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Hilfsangebot: Die Tafeln liefern auch Lebensmittel an bedürftige Mitbürger, die nicht mehr selbst und alleine ihren Wohnsitz verlassen können.

Landkreis – Die Tafeln im Landkreis helfen bekanntermaßen bedürftigen Bürgern. Nun geraten die Ehrenamtlichen in den Fokus, denn oft engagieren sich Personen die aufgrund ihres Alters zur sogenannten Risiko-Gruppe gehören.

Um diese Helfer keinen Gefahren auszusetzen, kommt es bei den Tafeln nun zu einem Teil-Lockdown. Die Tölzer Tafel bietet noch ihre Ausgabe an, die Lenggrieser und die im Nordlandkreis hat dagegen ihren Betrieb bis Ende November vorerst eingestellt. Die verschärften Corona-Regeln schränken nicht nur soziale Kontakte ein, sondern können auch soziale Arbeiten beeinflussen. Laut dem Deutschen Tafel-Verband gilt die Verteilung von Lebensmitteln nicht als „Freizeitangebot“ und ist somit nicht von der Infektionsschutz-Verordnung betroffen, die im derzeitigen „Lockdown-Light“ geschlossen sind. Dennoch bedeuten die strikten Hygieneregeln und Schutzmaßnahmen einen höheren zeitlichen und personellen Aufwand – den sich manch ehrenamtlich betriebene Organisation schlicht nicht stemmen kann.

Lenggrieser Tafel

So ergeht es derzeit der Lenggrieser Tafel. Die dortige Tafel-Sprecherin Birgitta Opitz erklärt, dass die Ausgabe an der BRK-Bereitschaft am Bahnhofplatz seit Anfang November zu ist. Und das bleibe auch so, mindestens so lange wie die Corona-Lage sich nicht entspanne, erklärt sie weiter. „Wir haben viele Helfer im kritischen Alter und wollen deshalb niemanden gefährden.“ Nichtsdestotrotz werden die Bedürftigen vergessen. Und so stecken die Ehrenamtlichen jede Woche Lebensmittelgutscheine in die Briefkästen der Menschen, die eine „Sozialcard“ besitzen. Berechtigt sind dazu Bürger die Arbeitslosengeld II oder beziehen oder Minimalverdiener sind. Die Gutscheine haben einen Wert von 20 Euro (Familien bekommen 40 Euro), die in Lenggrieser Geschäften, beim Bäcker und Metzger, eingelöst werden können. Finanziert werden sie durch Spenden und dem Verein „Nur a bisserl Zeit“.

Tafeln in Geretsried und Wolfratshausen

Geschlossen sind seit Anfang November auch die Ausgaben in Geretsried an der Jeschkenstrasse und im Wolfratshauser Jugendhaus „La Vida“. „Eigentlich hatten wir ja gehofft, dass es nicht so weit kommt. Doch leider kam es anders“, sagt Claudia Brenner, die stellvertretende Vorsitzende und Pressesprecherin des Vereins Geretsrieder-Wolfratshauser-Tafel. Der Vorstand habe einstimmig beschlossen, „dass wir uns der Entscheidung der Politik schweren Herzens anschließen“.

Darüber hinaus sei es auch aus organisatorischen Gründen nicht zu leisten, ergänzt Brenner. Und weiter: „Es ist unheimlich anstrengend, die Kunden stets darauf hinzuweisen, dass sie die den Mindestabstand einhalten. Es kostet viel Energie“, betont sie. Verteilt werde derzeit im kleinen Team per Hauslieferung an Kunden, die niemanden haben und alleine nicht ihre Wohnung verlassen können.

Tölzer Tafel

Die Ausgabe der Tölzer Tafel hat dagegen nicht geschlossen, allerdings ihre Ausgabe und die Anzahl der Helfer reduziert. So findet sie am Samstag derzeit nur an der Südschule (18 Uhr) statt, die Ausgabe an der Lettenholzschule ist nicht in Betrieb. „Leider ist es nun nicht mehr möglich, die Abnehmer in der Aula der Südschule warten zu lassen“, erklärt Tafel-Sprecher Reinhold Pohle.

Damit die Tafelkunden nicht zu lange im Freien stehen müssen, wurden nun mehrerer Gruppen mit unterschiedlichen Ausgabezeiten gebildet: Kunden, die normalerweise in der Lettenholzschule abholen, können bereits ab 16.45 Uhr zur Südschule kommen. „Alle Abnehmer erhalten bereits gepackte Kisten mit Lebensmitteln“, berichtet Pohle.

Tafel in Kochel

Zu guter Letzt hält auch die Tafel Loisachtal in Kochel am See ihre Stellung: dort werden jeden Montag (11.30 Uhr) im „Monaco-Keller“ an der Badstraße Lebensmittel an bedürftige Mitbürger verteilt. Auch dort teilen sich die Helfer in drei Gruppen auf, um dadurch mögliche Warteschlangen zu entzerren. Weiteren Schutz bieten laut dem Tafel-Sprecher Thomas Schneider sogenannte Spuckscheiben an der Ausgabe, 1,5-Meter-Markierungen für den Mindestabstand sowie zweier Desinfektionsspender im Eingangsbereich. „Wir haben uns ins Zeug gelegt“, lobt Schneider seine Helfer. Daniel Wegscheider

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