„Besser früher weniger, als später alles“

Landkreis überschreitet Schwellenwert der Corona-Ampel: jetzt gelten verschärfte Infektionsmaßnahmen

Arzt hält Coronatest in den Händen
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Die Coronazahlen steigen wieder stetig an.

Landkreis – Der Herbst tüncht Blätter bunt, aber auch die derzeitige Corona-Lage färbt Landkreise und Städte: Die Corona-Ampel springt durch den rasanten Anstieg an neuen Covid-19-Patienten vielerorts, da sie den Schwellen- und Signalwert überschreiten, auf Gelb und Rot.

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat den ersten Inzidenzwert von 35 bereits am Mittwoch überschritten – somit gelten nun verschärfte Infektionsschutzmaßnahmen. Einen Tag später, am Donnerstag, meldete das Robert Koch Institut einen Tageshöchstwert an Neuinfektionen in Deutschland – die 10.000er-Marke wurde überschritten. Die Corona-Zahlen steigen wieder massiv an: bundesweit und in Bayern.

„Corona ist voll zurück. Wir sind einem Lockdown näher, als viele glauben“, betonte Ministerpräsident Markus Söder bei seiner Regierungserklärung am Mittwoch. „Wir dürfen Corona nicht ständig kleinreden, sondern müssen die Pandemie bekämpfen und eindämmen“, so der CSU-Chef weiter. Deshalb führte die Bayerische Staatsregierung nun als letzten Lösungsweg die Farbe „Dunkelrot“ ein: bei einer Inzidenzzahl von über 100; mit der Einschränkung von maximal 50 Personen auf Veranstaltungen und einer Sperrstunde ab 21 Uhr. „Wir müssen Kontakte reduzieren, um die Welle zu brechen. Besser früher weniger, als später alles“, so Söder.

Im Landkreis lagen die Fallzahlen bei 44,6 (Stand: 22. Oktober) Infizierten pro 100.000 Einwohner mit steigender Tendenz. Laut der Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung greift beim gelben Signalwert der Corona-Ampel folgendes: private Feiern und Kontakte werden auf maximal zehn Personen oder zwei Haushalte begrenzt. Zudem gilt eine Sperrstunde sowie Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen von 23 bis 6 Uhr. Des Weiteren besteht Maskenpflicht auf Plätzen und Gebäuden, wo Menschen dichter und länger zusammenkommen. Übersteigt der Sieben-Tage-Inzidenz die 50er-Marke wird beim Kontaktverbot die Personenanzahl halbiert und die Sperrstunde beginnt eine Stunde früher. Die Maskenpflicht wird weiter ausgedehnt und gilt dann zusätzlich zur gelben Regelung in Schulen am Platz in allen Jahrgangsstufen sowie Hochschulen.

Dass der Landkreis den Schwellenwert übersteigt, war Landrat Josef Niedermaier (FW) bereits beim Blick auf die Nachbarlandkreise klar: „Nun ist es passiert. Ich rufe die Bürger eindringlich dazu auf, sich an die nun geltenden Maßnahmen zu halten“, betonte er. „Sie sind das Mittel, das wir dem Virus entgegensetzen können und auch müssen, wenn wir Schlimmeres abwenden wollen.“

Gesundheitsamtsleiter Dr. Stephan Gebrande kritisiert zudem eine unschöne gesellschaftliche Entwicklung: „Da im Landratsamt Hinweise vorliegen, dass infizierte Personen ausgegrenzt werden, wird zum Schutz der Betroffenen weiterhin auf eine tägliche auf Gemeinden bezogene Fallzahlmeldung verzichtet.“ Allerdings werde das Landratsamt weiterhin über aktuelle Entwicklungen informieren und dazu wöchentlich die Fallzahlen bezogen auf die Gemeinden und Städte im Landkreis veröffentlichen.

Landkreiskliniken sind vorbereitet – Wenig Corona-Patienten in Behandlung

Aufgrund der aktuellen Corona­lage mit täglich steigenden Infektionszahlen gilt seit Freitag an der Kreisklinik Wolfratshausen wieder ein absolutes Besuchsverbot. „Diese Maßnahme dient dem Schutz der Patienten, Besucher sowie auch der Mitarbeiter“, berichtet Geschäftsführer Ingo Kühn.

Kreisklinik Wolfratshausen verhängt aufgrund der Coronlage wie bereits im Frühjahr ein Besuchsverbot.

„Die Klinik bittet hierfür um Ihr Verständnis und bedankt sich für die Einhaltung zum Wohle der versorgungsbedürftigen Angehörigen, der Mitarbeiter der Kreisklinik sowie der Bevölkerung““, so Kühn weiter. In Ausnahmefällen wie bei Palliativpatienten sei nach der persönlichen Rücksprache mit dem behandelnden Arzt allerdings ein Besuch des Patienten möglich.

Derzeit befinden sich in der Kreisklinik Wolfratshausen zwei Covid-19-Patienten auf Normalstation (Stand: 22. Oktober). Treten schwerere Corona-Krankheits-Symptome auf, stehen aktuell 14 Intensivbetten für eine weitere Behandlung zur Verfügung.

Auch die Asklepios Stadtklinik Bad Tölz verfolgt die aktuelle Entwicklung sehr genau, wie Kliniksprecher Christopher Horn mitteilt. Aktuell werden zwei bestätigte Covid-19-Patienten und zwei Verdachtsfälle stationär behandelt (Stand: 21. Oktober). Diese müssen nicht intensivmedizinisch versorgt werden.

An der Tölzer Stadtklinik sind Besuche im Krankenhaus nur eingeschränkt und unter Einhaltung des Hygienekonzeptes möglich.

Auf einen möglichen Anstieg von stationären Corona-Fällen sei die Klinik vorbereitet, berichtet Horn. „Entsprechende Bereiche zur Behandlung von Covid-19-Patienten und für Verdachtsfälle sind weiterhin eingerichtet. Bei Bedarf können diese Bereiche auch erweitert werden.“ Im Einklang mit den Vorgaben der Behörden werden an der Asklepiosklinik weiterhin auch geplante Operationen und andere Behandlungen durchgeführt. Auch zu Coronazeiten sollten die Untersuchungen und Behandlungen für andere Erkrankungen nicht aufgeschoben werden, so Horn. „Es ist wichtig, dass wir uns auch weiter um die Patienten kümmern, die eine Krankenhausbehandlung benötigen, die zwar nicht lebensnotwendig ist, aber trotzdem das Leid und die Beschwerden des Betroffenen deutlich reduziert.“

An der Asklepios sind Besuche im Krankenhaus nur eingeschränkt und unter Einhaltung des Hygienekonzeptes möglich: so darf ein Besucher pro Patient ins Krankenhaus. Der Zutritt für alle Besucher zur Stadtklinik und zur Klinik für Neurologische Rehabilitation im Gesundheitszentrum ist ausschließlich über den Haupteingang möglich. Besucher müssen einen Fragebogen ausfüllen und am Empfang abgeben. Der Zutritt mit Symptomen ist nicht zulässig. Besucher mit Erkältungssymptomen wie Husten, Schnupfen, Durchfall, Fieber sollen dem Krankenhaus fernbleiben. Daniel Wegscheider

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