Grüne werben für Expressbusse

Landkreis: Ortsverbände hoffen, dass 9-Euro-Ticket Fahrgäste anlockt

Expressbus
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Der Beuerberger Kreisrat Jakob Koch (l.) und die Wolfratshauser Grünen stiegen an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen in den Expressbus.

Landkreis – Die Nutzung der zwischen Starnberg, Wolfratshausen, Geretsried und Bad Tölz beziehungsweise zwischen Wolfratshausen und Furth verkehrenden Expressbusse lässt nach Ansicht der Grünen zu wünschen übrig.

Bei einer Fahrt von Wolfratshausen nach Bad Tölz mit anschließender Debatte setzten sie sich für den Erhalt des günstigen ÖPNV-Angebots ein. Nachdem die Wolfratshauser Grünen-Stadträte Hans Schmidt und Jennifer Layton, der Beuerberger Kreisrat Jakob Koch sowie weitere Grünen-Mitglieder bereits in Wolfratshausen zugestiegen waren, stießen an der B11-Haltestelle vor dem Geretsrieder Rathaus noch Mitglieder des Geretsrieder Ortsverbands hinzu, sodass der Bus mit gut zwei Dutzend Fahrgästen – darunter beispielsweise ein 13-jähriger Schüler und einige Berufspendler – gut gefüllt war. Dass diese hohe Auslastung eher ungewöhnlich ist, weiß die grüne Reisegruppe.

„Manchmal sitze ich fast alleine im Bus, dabei sind der Tarif und die Taktung doch sehr angenehm“, erklärte Andreas Sander. Als Rechtsanwalt vertritt er oft Mandanten am Wolfratshauser Amtsgericht und bevorzugt bei der An- und Abfahrt die ÖPNV-Variante. Etwa 35 Minuten nach der Abfahrt von Wolfratshausen erreichte der Expressbus seine vorletzte Haltestelle. Das kühle Kellergewölbe der nur wenige Meter entfernt gelegenen Tölzer Mühlfeld-Brauerei bietet sich bei hochsommerlichen Temperatuten für einen Vortrag von Jakob Koch mit anschließender Debatte an. „Wir müssen alle Möglichkeiten ausschöpfen, damit dieser tolle Bus erhalten bleibt“, schickte Hans-Georg Anders voraus. Thomas Maurer, Ortssprecher der Tölzer Grünen, gab ihm recht. Sein Sohn sei kürzlich sogar in Schiedsrichterausrüstung mit dem Bus zu einem Fußballspiel nach Geretsried angereist. Mit dem vom Bundesrat eingeführten 9-Euro-Monatsticket werden solche Fahrten sogar noch günstiger. „Da hat man schon bei einer Hin- und Rückfahrt mit dem Expressbus fast die Ausgaben eingespielt“, rechnete Marius Schlosser vor. Er arbeitet im Büro des Holzkirchner Bundestagsabgeordneten Karl Bär und plädierte für eine langfristige Reduzierung des Autoverkehrs bei gleichzeitiger Bevorzugung des Bus- und Schienenverkehrs.

Weniger Tickets: Kreis muss Defizit stemmen

Koch verwies in seinem Vortrag auch auf das Erreichen ambitionierter Klimaziele, die mit geringerem Flächenverbrauch und sozialer Teilhabe einhergehen. Der junge Kreisrat rechnet damit, dass die Einwohnerzahl im Landkreis in den kommenden 16 Jahren von derzeit 127.000 auf 137.000 steigt. Davon nutzen etwa 63 Prozent mindestens ein Auto. „Der ÖPNV muss die Daseinsvorsorge für Mobilität im gesamten Landkreis sicherstellen und soll mittelfristig eine attraktive und Nachhaltige Alternative zum motorisierten Individualverkehr bilden“, wünscht sich Koch. Freilich räumte er die finanzielle Belastung des Landkreises ein. So liegen die Betriebskosten des Expressbusses jährlich bei 2,45 Millionen Euro, rund 1,6 Millionen Euro zahlt der Freistaat. Über den Ticketverkauf werden in diesem Jahr wahrscheinlich etwa 300.000 Euro eingenommen, wodurch der Kreis 2022 ein Defizit von rund 558.000 Euro stemmen muss. „Dieses Geld fehlt im Kreishaushalt leider an anderen Stellen“, bedauert Koch. Sein Fazit: Nur bei einer höheren Nutzung durch die Fahrgäste wird der Expressbus auf Landkreisebene zum Erfolgsmodell. Um das Angebot auch bei den im Landkreis lebenden Ausländern noch bekannter zu machen, regte Lena Gneist die Erstellung von Piktogrammen und mehrsprachige Hinweisschilder an. Peter Herrmann

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