Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen verleiht vier Umweltpreise 2017

Seit Jahrzehnten für die Umwelt

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Landrat Josef Niedermaier (re.) mit Laudatoren und Preisträgern (v.li.): Pater Karl Geißinger, Oliver Hoffmann, Matthias Fischer, Pater Heiner Heim (alle ZUK/Brücke Oberland), Marion Löwenfeld, Josef Birzele, Katharina Horvat, Miriam Stiel (alle Jugendsiedlung Hochland), Erich Rühmer, Claus Leierseder (beide Isartal-Verein) sowie Ursula und Hans Benno Suttner (Holzmarkt).

Bad Tölz - Das jahrzehntelange Engagement für die Umwelt stand im Vordergrund bei der Auswahl der Träger des Umweltpreises 2017. Dieser wurde jüngst von Landrat Josef Niedermaier im großen Sitzungssaal des Landratsamtes Bad Tölz im Rahmen eines Festakt an vier Betriebe und Organisationen verliehen.

Die in zweijährlichem Turnus vom Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen vergebene Auszeichnung ging an, den Holzmarkt Suttner im Dietramszeller Ortsteil Untermühltal, an den Isartalverein für das Projekt zur Beweidung der Isarauen, an das Benediktbeurer Zentrum für Umwelt und Kultur (ZUK) für das Projekt „Hoffnungsstark“ und schließlich noch an die Jugendsiedlung Hochland für

20 Jahre vorbildliche Bildungsarbeit in der „Umweltstation“. Zudem gestaltete der Münsinger Künstler Hans Neumann einen neuen „Umweltpreis“. Die Skulptur aus Bronze mit einem hölzernen Sockel zeigt eine Vogelmutter, dir ihr Junges füttert. Die Vogelmutter und ihr Junges sitzen auf einem Zweig mit Blättern.

Voll besetzt war der Große Sitzungssaal im Tölzer Landratsamt mit zahlreicher regionaler Prominenz aus Wirtschaft, Politik und ehemaliger Preisträger, als Landrat Josef Niedermaier im Rahmen seiner Begrüßung anmerkte: „Es sind vor allem die vielen kleinen Dinge wichtig, die wir für unsere Umwelt tun.“ Dann durfte der Münsinger Künstler Hans Neumann einen Scheck über 1.000 Euro in Empfang nehmen, der den neuen „Umweltpreis“ geschaffen hatte: Eine Skulptur aus Bronze mit einem hölzernen Sockel, der eine ihr Junges fütternde Vogelmutter auf einem Bäumchen mit Zweigen zeigt. Die Gussform der alten Trophäe war nämlich zu Bruch gegangen.

Holzmarkt Suttner

Der Ursprung des heutigen „Holzmarkts Suttner“ mit angegliedertem Sägewerk, Holzhandel und-Großhandel sowie dem Holz-Fachmarkt reicht ins Jahr 1893 zurück, als der Zimmermann Josef Suttner das Sägewerk mit angegliederter Landwirtschaft erwarb. Er hatte übrigens mit seiner Gattin Rosina insgesamt 20 Kinder. Heute führen in vierter Generation Hans Benno jun. samt Gattin Ursula das Unternehmen. „Und die fünfte Generation wächst auch schon heran, die aber altersbedingt schon im Bett ist“, scherzte Laudator Michael Häsch, Kreisrat und zweiter Bürgermeister der Gemeinde Dietramszell. Er erinnerte daran, dass ein Festmeter Holz, der im Bau verwendet wird, „etwa eine Tonne CO2 bindet. Und hier werden alljährlich 15 000 Festmeter des umweltfreundlichen und nachwachsenden Rohstoffs Holz verarbeitet und veredelt.“ Zudem kommt das Holz größtenteils aus der Region und werde in der Regel im Umkreis von lediglich 100 Kilometern verkauft und geliefert. Zudem betreibt der Holzmarkt Suttner zwei kleine Wasserkraftwerke, nutzt über ein Hackschnitzel-Heizwerk Biomasse zur Trocknung und Heizung der Gebäude und arbeitet zudem „energieautark“ über eine der größten Fotovoltaik-Anlagen der Region.

Isartalverein

Der im Jahr 1902 gegründete Verein mit seinen derzeit rund 1900 Mitgliedern leistet mit zahlreichen Projekten und Maßnahmen einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung des Isartals. Besonders würdigte Laudator Michael Grassl, Bürgermeister von Münsing und Sprecher der Landkreis-Rathauschefs, das Projekt zur Beweidung in der Pupplinger Au mit Murnau-Werdenfels-Rindern sowie in den Isarauen zwischen Lenggries und Bad Tölz mit Schafen und Eseln. Damit solle die einzigartige Artenvielfalt an Flora und Fauna im Uferbereich wieder hergestellt werden, die durch diverse Flussbau-Maßnahmen in der Vergangenheit unterdrückt wurde. Er betonte: „Der einzigartige Wildfluss ist keine Eventarena. Wir brauchen hier einen respektvolleren Umgang mit unseren Lebensräumen.“ Besonders lobte Grassl hierbei das große Engagement des Ersten Vorsitzenden Erich Rühmer. Der sagte: „Ständig zunehmender Verkehr, Siedlungsdruck, Mountainbiker, Schlauchboot-Fahrer. Das alles stört etwas, weil es darunter immer an die zehn Prozent gibt, die sich nicht an die Regeln halten wollen.“

Zentrum für Umwelt

und Kultur (ZUK)

Im Projekt „Hoffnungsstark“ nimmt sich das ZUK seit 2007 sozial benachteiligter Kinder, Jugendlicher und junger Erwachsener an, die straffällig geworden sind. Sie werden, statt zur Verbüßung ihrer Strafe ins Gefängnis zu gehen, im ZUK zu körperlichen Arbeiten in der Natur eingesetzt, lernen gegenseitige Rücksichtnahme und Teamwork. Die jungen Männer sind seitens ihrer Sozialisation naturfern und mit wenig entwickeltem Bewusstsein für ökologische und soziale Verantwortung aufgewachsen. In einem von Laudator Pater Heiner Heim, Vorsitzender des ZUK-Trägervereins, gezeigten Video berichten die jungen Männer, die mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind, wie sehr sie die Naturerfahrung verändert hat. Die zusammen mit dem Verein „Brücke Oberland“ kreierten Maßnahmen dauern in der Regel vier bis fünf Monate. Freilich erklärte ZUK-Rektor Pater Karl Geißinger, der den Umweltpreis in Empfang nahm: „Leider gibt es in unserem Landkreis mehr Minderjährige, die mit ihrem Leben nicht so zurechtkommen.“ Denen würde das Projekt zumeist sehr helfen und verdiene daher jede Unterstützung.

Jugendsiedlung Hochland

Unter Motto „Vielfalt schätzen – Schöpfung bewahren – Menschen bewegen“ war die seit 20 Jahren bestehende Umweltstation in der Königsdorfer Jugendsiedlung Hochland eine der ersten bayernweit. „Hier wird mit verschiedenen Maßnahmen und Projekten vorbildliche Umwelt-Bildungsarbeit geleistet“, betonte die Laudatorin Marion Löwenfeld, die Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Natur. Und Umweltbildung in Bayern. Dabei richte sich das Angebot der Umweltstation an junge Menschen, die Natur erfahren und sich mit einer nachhaltigen Zukunftsgestaltung auseinandersetzen wollen. Auch bei der Infrastruktur und der Betriebsführung des gesamten Hochland-Lagers stehen Ökologie und Nachhaltigkeit im Vordergrund. So ist dann auch Josef Birzele, der Chef der Jugendsiedlung, der Umweltpreis entgegen nahm, überzeugt: „Die sicherste Art, die Zukunft vorher zu sagen, ist, sie selbst zu gestalten.“ Ewald Scheitterer

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