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„Schülern keine Ängste antrainieren!“

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Versuchte Vorurteile über Flüchtlinge zu entkräften: Thomas Bigl vom Landratsamt. Über 100 Besucher kamen zum Informationsabend in die Aula des Schulzentrums an der Adalbert-Stifter-Straße. © ph

Geretsried – Der Einladung zu einem Info-Abend über die Asylbewerberunterkunft am Schulzentrum folgten am Donnerstag über 100 Eltern und Schüler. Thomas Bigl, Sachgebietsleiter des Ressorts Sozialwesen am Landratsamt, versuchte dabei, Vorurteile zu entkräften und zu Hilfsbereitschaft aufzurufen.

Die Organisatoren – namentlich die stellvertretende Schulleiterin der Realschule Christine Venus-Michel und die drei Lehrerinnen Eva Greif, Anita Bittner und Gabriele Rau – hatten sich am Donnerstagabend einiges einfallen lassen. So sorgten ein besinnliches Geigensolo des Q 11-Gymnasiasten Christian Schäfer und die Chorklasse 6c der Realschule gleich am Anfang für eine ruhige-sachliche Atmosphäre, die trotz einiger kritischer Fragen bis zum Ende anhielt. Nachdem die Abiturientin Lisa Napiletzki allgemeine Gedanken zur Flüchtlingskrise vortrug und unter anderem die deutschen Waffenexporte in Krisengebiete anprangerte, bezog sich Thomas Bigl in einem pointenreichen Vortrag auf die Situation vor Ort. Der Sachgebietsleiter des Ressorts Sozialwesen im Landratsamt warnte zunächst davor, vorschnell von einer Entspannung der Flüchtlingssituation zu reden. Derzeit würden dem Landkreis zwar keine neuen Asylbewerber zugewiesen werden. „Aber das kann sich schnell wieder ändern. Und dann wollen wir vorbereitet sein“, unterstrich Bigl. Wie bei anderen Informationsveranstaltungen im Landkreis versuchte er auch diesmal, Vorurteile zu entkräften. So zahle das Landratsamt den Flüchtlingen entgegen zahlreicher böser Gerüchte weder Smartphones noch teure Turnschuhe. Auch die Zunahme an Straftaten könne nicht belegt werden. Walter Siegmund, Dienststellenleiter der Geretsrieder Polizei, nickte an dieser Stelle zustimmend. Im weiteren Verlauf des Abends musste er sich dazu nicht mehr äußern. Thomas Bigl lobte in diesem Zusammenhang die Unvoreingenommenheit vieler Kinder, die offen auf Flüchtlinge zu gehen. Bei Teenagern erlebe er es dagegen manchmal, dass sie Vorurteile der Eltern übernehmen. „Trainieren Sie ihren Kindern keine Ängste an!“, appellierte Bigl. Den Menschen, die den Asylbewerbern helfen wollen, riet er eine sinnvolle Unterstützung. „Nehmen Sie ihnen nicht alles ab, sondern tragen sie auch zur Selbstständigkeit der Flüchtlinge bei, indem Sie vieles erklären. Lassen Sie sie nicht langfristig hilfsbedürftige Empfänger zurück“, forderte der Landratsamt-Vertreter.

Suzan Jarrar, Leiterin des Geretsrieder Helferkreises, hält sich ohnehin an diese Maxime. Sie berichtete zusammen mit dem 18-jährigen Syrer Mohammad, der ein Jahr nach seiner Ankunft bereits gut Deutsch spricht, von vielen gelungenen Aktionen. Einer Schülerin gefiel das so gut, dass sie fragte, wie sie und andere junge Menschen konkret helfen können. Jarrar regte vor allem eine Hausaufgabenhilfe oder gemeinsame Sportveranstaltungen mit jungen Flüchtlingen an. Von einer intensiven Betreuung einer ganzen Familie riet sie jedoch ab. Schülermutter Marei Tomsu wollte dagegen wissen, warum der Durchgang zwischen der Asylbewerberunterkunft und der Schule derzeit nur eingeschränkt möglich sei. „An der Nordseite geht es nicht“, räumte René Beysel vom Landratsamt ein, „das liegt aber auch am bevorstehenden Bau der neuen Zweifachturnhalle, der voraussichtlich erst in zwei Jahren abgeschlossen sein wird“. Ansonsten sei die Unterkunft wie eine normale Wohnanlage konzipiert. „Da wird kein hoher Zaun drumherum errichtet“, versprach Beysel. Der Sachgebietsleiter der Hauptverwaltung des Landratsamtes nannte am Donnerstagabend auch Daten und Zahlen zur Flüchtlingsunterbringung am Schulzentrum. Demnach entsteht neben den Sportflächen am nördlichen Rand des Schulzentrums an der Adalbert-Stifter-Straße ein Holzbau, der Platz für 251 Flüchtlinge bietet. „Das Gebäude soll Anfang/Mitte Juli fertig sein und kurz darauf belegt werden“, kündigte Beysel an. Die Nutzung ist auf fünf Jahre befristet. Bürgermeister Michael Müller ergänzte, dass diese Art der Unterbringung nur eine vorübergehende Lösung sein könne. „Es kann keine dauerhafte Lösung sein, Menschen in Container unterzubringen. Schließlich wohnt auch keiner von uns in einem Container“, erklärte der Rathauschef. Hermann Deger, Schulleiter des Gymnasiums, lobte in seinem Schlusswort die Hilfsbereitschaft von Schülern, Lehrern und Anwohnern: „Es gibt hier viel Unterstützung für Asylbewerber. Das Boot ist stark genug, um noch breiter zu werden.“    ph

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