Eine Glaskugel fürs neue Amt

Langjährige Bürgermeisterin Margit Menrad übergibt Rathaus an ihre Nachfolgerin

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Eine zünftige Amtsübergabe mit gebührendem Corona-Abstand: die alte Bürgermeisterin Margit Menrad (links) und ihre Nachfolgerin Verena Reithmann. 

Icking – Blasmusik, Dirndl und Lederhose am 1. Mai vor dem Rathaus in Icking – so mancher Autofahrer rieb sich beim Vorbeifahren ungläubig die Augen. Doch was von der Ferne wie eine Maifeier aussah, entpuppte sich als zünftige Schlüsselübergabe der alten an die neue Bürgermeisterin – in gebührendem Sicherheitsabstand, versteht sich.

Margit Menrad überreichte nicht nur den echten Rathausschlüssel, sondern auch einen aus Schokolade – und den kleinen Uhrenschlüssel für den historischen Zeitmesser aus Irschenhausen, der vor dem Sitzungssaal einen Ehrenplatz hat. Was den Blick in Ickings Zukunft betrifft, wollte Menrad ihre Nachfolgerin nicht im Dunkeln tappen lassen. „Die kannst du sicher immer wieder brauchen, wenn du Fragen hast“, scherzte sie, als sie Verena Reithmann zum Schluss noch eine Glaskugel aushändigte. Sie klärte auch darüber auf, warum ihr Mann – der frühere Landkreis-Sprecher Hans-Ulrich Menrad - ihren Ruhestand kaum mehr abwarten konnte. „Er ist froh, dass er jetzt sein Bier trinken kann, ohne dass immer die Bürgermeisterin dabei ist.“ Große Pläne für die ersten Wochen in Pension habe sie nicht, außer dass sie sich all die ungelesenen Bücher vornehmen wolle, verriet Menrad dem Gelben Blatt. „Erstmal runterkommen“, sagte sie. „Es ist schön, wenn der Wecker in der Früh nicht klingelt.“

14 Jahre lang hat die aus Baden-Württemberg stammende und seit 1990 in Icking lebende Margit Menrad die Geschicke der Isartalgemeinde geleitet. Sie konnte eine Vielzahl an Projekten erfolgreich verwirklichen: wie die Sanierung des Rathauses, schnelles Internet in allen Ortsteilen, Haus des Kinders und der Krippe, Bau des Kreisverkehrs, Umgestaltung der B 11, Nahversorgung, Planung für Mobilfunk an möglichst verträglichen Standorten, Photovoltaik auf den gemeindeeigenen Gebäuden, aber auch kulturelle und soziale Programme wie den „Ickinger Konzertzyklus“ und den Senioren-Mittagstisch oder den Einkaufsbus. Der Bürgerentscheid über die Zukunft der „Huberwiese“, die Geothermie in Attenhausen, die Diskussion über Größe und der Lage des Supermarkts sowie über den geplanten Bau von Flüchtlingshäusern in Dorfen waren aber auch große Herausforderungen, in der es galt, die gespaltene Bürgerschaft wieder zu befrieden und zusammenzuführen. Zum Abschied gab es herzliche Worte und einen bunten Blumenstrauß von Verena Reithmann, der neuen Amtsinhaberin, die ebenfalls aus den Reihen der seit 1990 den Bürgermeister stellenden Wählergruppierung UBI stammt. Die 53-jährige Juristin, die drei erwachsene Kinder hat und mit ihrem Mann im Ortsteil Dorfen lebt, wurde 2014 in den Gemeinderat gewählt. Jetzt schon nimmt sie eine Ausnahmestellung unter all ihren Amtskollegen ein – ist sie doch die einzige Frau unter 21 Bürgermeistern im Landkreis. ha

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