Das Leben eines Isartal-Chapter-Bavaria / Zweitägiges Bikerfest „Rock´n´Race

„Easy Rider“ in Oberbayern

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Biker unter sich: (v.l.) Karlheinz Wedhorn und Jürgen Reindl von den Isartal Chapter Bavaria vorm Vereinsheim, der Harley-Galerie in Gelting. Martina Wedhorn ist Schatzmeisterin und die „Lady of Harley“: Somit ist sie auch für die fünf weiblichen Fahrerinnen bei den Isartal Chapters verantwortlich.

Bad Tölz/Gelting – Die Sonne steht tief, taucht die Terrasse der Harley-Davidson-Galerie in Gelting in goldbraunes Licht. Nur das Chrom der rund ein Dutzend Harley-Motorräder davor schimmert silbern. Es riecht nach Benzin und Leder.

Heute treffen sich die Biker der Isartal-Chapter-Bavaria wieder in ihrem Stammladenlokal von Wolfram Rummel, der sogenannte Sponsoring Dealer aus der Gruppe. Einmal im Monat treffen sich die Biker hier um über zukünftige Projekte zu sprechen. Als nächstes steht am Samstag/Sonntag, 11./12. August, das Harley-Treffen „Rock’n’Race“ am Tölzer Moraltpark an.

Harley Davidson ist eigentlich ein amerikanischer Traum und Lebensphilosophie: Das Unternehmen wurde 1903 in der amerikanischen Stadt Milwaukee, im Bundesstaat Wisconsin von William S. Harley (1880–1943) und Arthur Davidson (1881–1950) gegründet. Die Harley-Davidson Motor Company zählt somit zu den ältesten Motorradherstellern der Welt.

Meine Lederjacke gehört zu mir

Karlheinz Wedhorn ist einer der rund 70 Isartal-Chapters. Der 58-jährige Tölzer Fotograf parkt seine Road King, schultert stolz seine Lederjacke: Darauf sind zahlreiche Aufnäher von den USA-Staaten wie Maryland, Utah, Colorado oder New Mexiko zu sehen. „Strecken, wo ich Harley gefahren bin“, erklärt Wedhorn. Unter den zahlreichen Ansteckern, blitzt auch ein Route 66-Emblem hervor – freilich die amerikanische Kultstraße, die, wie Wedhorn meint, „jeder einmal gefahren sein muss“. Und mit Jeder, meint er natürlich Motorradfahrer auf einer Harley Davidson.

Jede Jacke der Biker erzählt ihre ganz eigene Geschichte, keine gleicht der anderen. Jeder Sticker und jeder Stecker hat eine Bedeutung: Gruppenzugehörigkeit, Funktion, Militär- und Eventabzeichen oder einfach nur bereiste Orte. „Ein ganzes Leben auf der Jacke“, fasst Wedhorn Sinn und Zweck der Lederkluft zusammen und grinst.

Die Geschichte der Chapters begann im Jahr 1998, als Rummel die Harley-Davidson-Galerie in München gegründet hat und diese ein Jahr später nach Gelting verlegte. 1998 hob der „Sponsoring Dealer“ zusammen mit einer Handvoll engagierter Fahrer dann die Bikerzunft aus der Taufe. „Wir sind kein Verein“, betont Wedhorn, sondern „eine freiwillige Zusammenkunft“. Die sogenannten Hogis – von „H.O.G.“ für „Harley Owners Group“, eine gesponserte Organisation der Harley-Davidson Coperation. Man kennt und trifft sich weltweit.

Aber: „Harley ist keine bloße Marke, sondern ein Lebensgefühl“, berichtet Wedhorn über seine Leidenschaft. Und ja, es gebe auch die kitschigen Momente: „Sonnenuntergang, rauchige Bikerbars und Steaks“, sagt er, über die Klischees, die auch ihn reizten, noch spät berufen aufzusatteln. Wedhorn hatte sein motorisiertes Erweckungserlebnis zusammen mit seiner Frau Martina (55). Die beiden fuhren einmal mit ihrem Auto die Blombergstraße hinauf – als es plötzlich donnerte und röhrte. Dabei wurden sie von einer Gruppe Harley-Fahrern überholt. Wedhorn erinnert sich an „glänzenden Chrom und coole Typen“. Danach ging der Blick hinüber zu Martina mit der Frage: „Warum machen wir das eigentlich nicht?“ Am nächsten Tag haben sich die beiden dann bei der Fahrschule für den Motorradführerschein angemeldet. Im Alter von 40 Jahren.

Isartal Chapter-Kumpel Jürgen Reindl hat dagegen schon früh seine Biker-Berufung gefunden – erst als junger Mann beim Straßenrennsport, später als gemütlicher Harleyfahrer auf seiner Break­out. Mitte der 1950er-Jahre habe es in Deutschland zwei große Szenen gegeben: Rocker und Hippies. Reindl sah sich zu jener Zeit irgendwo dazwischen, berichtet der heute 63-jährige Wolfratshauser. Aber als er den Kultfilm „Easy Rider“ (1968) sah, wusste er, zu welcher Gruppe es ihn drängt. „Es ist ein Zusammenschluss Gleichdenkender, es gibt keinen Standesdünkel.“ Egal ob man Schichtarbeiter oder Chefarzt sei.

Landwirte und Ladies aber keine jungen Leute

Auch bei den Isartal Chapters sind die Berufsgruppen bunt gemischt: Darunter ein Landwirt, Finanzmakler oder eine Schauwerbegestalterin. Die weiblichen Fahrer werden „Ladies of Harley“ genannt, der Club zählt davon fünf. Insgesamt verteilen sich die Isartal-Fahrer auf die gesamte Region zwischen Dachau, Garmisch-Partenkirchen und Tegernsee. Der Jüngste ist Mitte 30, der älteste Fahrer 81 Jahre. Die Isartal Chapters haben keinen jungen Nachwuchs. „Motorräder sind nach hinten getreten. Zuerst kommt das Auto, dann die Freundin“, meint Wedhorn über diese Entwicklung in der Szene. Und Reindl berichtet über seinen 21-jährigen Sohn. „Er hat zwar schon das Harley-Feeling, kann sich aber keine leisten.“ Die günstigsten Harleys starten ab 8.000 Euro, die Standartmodelle liegen zwischen 25.000 bis 30.000 Euro.

Die Harley in der Wüste und im Schnee

Die Kilometerzahlen, die ein Isartal-Chapter pro Jahr auf seiner Harley zurücklegt, liegen bei rund 20.000 Kilometern. Es sind rund 40 Touren in der Saison, die von April bis November geht. Gesehen haben die Biker schon viel: Von Füssen, Gardasee, nach Spanien, Norwegen, Frankreich und Amerika ratterten die Chapters Kilometer (oder Meilen) bei ihren Ausflügen herunter. Oftmals führen die Strecken auch neben der Straße her, berichtet Reindl, wie „Off-Road im Monument Valley“. Und bei einer anderen USA-Tour durch den bergigen Südwesten schlug plötzlich das Wetter um. Kein Problem für einen Biker: „Die Harley fährt auch im Schnee“, schmunzelt er.

Reindl war zwei Jahre sogenannter Prescout, also Anwärter, bevor er in den Bikerkreis aufgenommen wurde – das ist so Brauch. Die Devise: Mitmachen und dabei sein. Man darf sich nicht zu schade sein, „die Hände schmutzig zu machen und muss mit anpacken“, sagt Reindl. Danach erhielt auch er den großen Rückenaufnäher der „Isartal-Chapter-Bavaria“ für seine Lederjacke. Mitmachen kann eigentlich jeder, der einen Motorradführerschein hat und freilich eine Harley besitzt. Dazu müssen Interessierte einfach beim Stammtisch vorbeikommen, der immer am letzten Freitag im Monat in der Harley-Galerie in Gelting stattfindet.

Oder sie kommen beim Harley Rock´n´Race vorbei. Veranstalter sind die Isartal-Chapter-Bavaria zusammen mit dem Jailhouse Bad Tölz. Das Bikerfest findet am Samstag, 11. August, und Sonntag, 12. August, jeweils ab 10 Uhr auf dem Tölzer Moraltpark statt. Dort wird ein Truck von Harley-Davidson die aktuellen Maschinen zum Probefahren anbieten. Die Aussteller bieten von Kleidung über Ersatzteile bis hin zu ausgefallen Accessoires alles, was das Bikerblut in Wallung bringt. Freilich wird es auch Lederjacken geben: der erste Anschaffungsschritt auf dem Weg zum Lebenslangen Harley-Biker.Daniel Wegscheider

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