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Lebensgefährliche Liftfahrt: Pärchen steigt illegal in die Blombergbahn ein

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Von: Daniel Wegscheider

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Bergstation der Blombergbahn
Die Bergstation der Blombergbahn liegt auf 1.236 Meter. © Symbolfoto/Blombergbahn

Bad Tölz/Wackersberg – So etwas hat Hannes Zintel in seinen 20 Jahren als Betriebsleiter der Blombergbahn nicht erlebt: Zwei Wanderer springen während der Revision in den gesperrten Lift.

Vergangenen Mittwoch (19. Januar) sind zwei Personen verbotenerweise während laufender Wartungsarbeiten über die Absperrung an der Bergstation am Blomberg gesprungen und in den Sessellift gestiegen. Sie brachten sich dadurch selbst in höchste Lebensgefahr.

Unter der Woche im Winter ist die Blombergbahn bekanntermaßen nicht in Betrieb, sie fährt nur an den Wochenenden. Daher staunte auch Hannes Zintel nicht schlecht, als ihn am Mittwochnachmittag um 15.31 Uhr die Leitstelle der Bergwacht alarmierte, „jemand würde im Lift sitzen“, berichtet der Inhaber der Blombergbahn. „Ich habe es erst gar nicht verstehen können.“ An der Bahn wurden zu der Zeit Kontrollfahrten zur Seilsicherung durchgeführt.

Überwachungskamera filmt Pärchen, das über den Zaun und in den Lift der Blombergbahn springt

Die Überwachungskamera an der Bergstation zeigt jedoch deutlich, wie um 15.02 Uhr zuerst eine Frau über den dortigen Zaun springt und sich in den ankommenden Doppelsessel schwingt. Ein paar Sekunden später folgt ihr männlicher Begleiter und macht es ihr gleich.

Laut Polizei handelt es sich bei dem Paar um eine 58-Jährige aus Litauen; der 24-jährige Mann ist wohnhaft in Bad Heilbrunn. Wie gefährlich die ohnehin schon prekäre Situation ist, schildert Zintel: Sie saßen nämlich nicht richtig und gesichert im Sessel, sondern „nur auf dem zugeklappten Sessel“. Die Frau sogar „nur auf der nackten Metallstange“, betont er weiter.

Die beiden Wanderer waren aufgrund ihrer „unzureichenden Ausrüstung bei ihrer Ankunft am Gipfel leicht unterkühlt“, berichtet indes Polizeihauptkommissar Lars Werner. Daraufhin seien sie in die Sesselbahn gestiegen. Die Warnschilder „an der menschenleeren und versperrten Bergstation“ ignorierten beide.

Wanderer unterkühlt zurück vom Blomberg im Tal

Es sollte für die beiden Wanderer, die den Lift am Blomberg geentert hatten, aber noch schlimmer kommen. Im Zuge der Wartungsarbeiten fährt der Sessellift immer nur kurzzeitig. Bedeutet: „Es wird 30 Meter gefahren, dann wird die Anlage wieder für zehn bis 15 Minuten gestoppt“, erklärt Blomberg-Betreiber Hannes Zintel. „Nur stückchenweise ist der Lift in Betrieb.“

Das bekamen dann auch die 58-jährige Frau und der 24-jährige Mann zu spüren. „Als die Bahn nach kurzer Zeit stehen blieb, wartete die Urlauberin aus Litauen noch eine halbe Stunde und setzte dann einen Notruf mit ihrem Mobiltelefon ab“, berichtet Lars Werner von der Polizeiinspektion Bad Tölz. Per Leitstelle wurde dann der Liftbetreiber verständigt, der daraufhin den Sessellift sofort wieder einschaltetet „und die beiden bereits leicht unterkühlten Personen ins Tal brachte.“

Zintel betont auch hier, wie Lebensgefährlich die Situation gewesen war. „Sie hatten Glück, dass sie an ihrer Position Handyempfang hatten.“ Auch der Wanderweg sei von dort aus weit weg. So wären wohl jegliche Hilferufe ungehört verhallt. Der Lift hätte erst am nächsten Tag wieder seinen Betrieb aufgenommen.

Blombergbahn-Betreiber erstattet Anzeige wegen Hausfriedensbruch

Nach der Rückkehr im Tal wurden beide vom Rettungsdienst untersucht, zeigten aber keine besonderen Auffälligkeiten. Indes haben sowohl Polizei als auch ein Sicherheitsbeauftragter von der Regierung für Seilbahnbetriebe Zintel versichert, er habe all seine Pflichten zur Sicherheitseinhaltung erfüllt. Der Liftbetreiber hat seinerseits bereits Anzeige wegen Hausfriedensbruch erstattet.

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