Idealisten auf der Alm

Auszeichnung für fünf Isarwinkler, die insgesamt 105 Sommer auf dem Berg Weidetiere betreuten

Nutztiere in den Bergen
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Nutztiere in den Bergen

Lenggries – Dank und Ehre gehen an vier rüstige Senner sowie einer Sennerin aus dem Isarwinkel: Sie bewiesen hoch oben „Herzblut“ und „Wetterfestigkeit“.

„Topf und Deckel müssen sich finden“ – so lautet die Überschrift eines humorig geschriebenen Beitrags aus der neuen Almbauern-Zeitung, in dem Autorin Susanne Krapfl vom Amt für Landwirtschaft in Holzkirchen ein Virus beschreibt, das „keinen Schrecken verbreitet und für das es auch keine Impfung braucht.

Das bislang noch wenig erforschte Almvirus, das nur saisonal auftritt.“ Es befalle gleichermaßen Männer und Frauen, die im Sommer für drei bis vier Monate als Hüter auf eine entlegene Alm gehen und dann so auf den Geschmack kommen, dass sie dieses Erlebnis jedes Jahr wieder suchen.

Es ist keineswegs so, dass diese Leute immer aus der Landwirtschaft kommen. „Alljährlich melden sich bei uns viele Interessenten, die das einfach gerne einmal im Leben ausprobieren wollen“, schreibt Susanne Krapfl. Wer sich darauf einlasse, der sollte naturverbunden sein und zu einem einfachen Leben ohne manchen heute selbstverständlichen Komfort bereit sein. Und er sollte bei Wind und Wetter draußen in der Natur mit Verantwortungsbewusstsein und Herzblut für das Wohl der Weidetiere sorgen, sich mit dem Gelände gut vertraut machen und auch ausdauernd und trittsicher sein. „Sonst tut man sich wirklich schwer“, betont sie.

Fünf Almleute, die zusammen 105 Almsommer auf Almen im Isarwinkel zugebracht haben, sind vor einiger Zeit vom Almwirtschaftlichen Verein geehrt und mit Urkunden ausgezeichnet worden.

Seit sage und schreibe 30 Sommern versorgt der Gaißacher Markus Brandhofer (jetzt Sachsenkam) das Weidegebiet der Grammersbergalm mit dem Griesmann Niederleger, das sich über einen Höhenunterschied von 600 Metern erstreckt und täglich entsprechend weite Wege erforderlich macht. Richard Hohenreiter aus Lenggries-Anger betreut seit 25 Jahren die ebenso weitläufige Moosenalm am Schafreuter.

Langjährige Almleute geehrt: Markus Brandhofer Grammersbergalm (30 Jahre)
Langjährige Almleute geehrt: Richard Hohenreiter Moosenalm (25 Jahre)

Die weiteren Geehrten sind Resi Beilhack aus Gaißach (20 Jahre Ludernalm im Vorkarwendel und Seekaralm oberhalb von Lenggries), Maria Baumgartner aus Schlegldorf (15 Jahre Lärchkogel- und Ludernalm) und der auswärtige Anton Kristof (15 Jahre Oswaldhütte).

Langjährige Almleute geehrt: Resi Beilhack Ludernalm (20 Jahre)
Langjährige Almleute geehrt: Maria Baumgartner Lärchkogl-Ludern (15 Jahre)
Langjährige Almleute geehrt: Anton Kristof Oswaldhütte (15 Jahre)

Weil es aufgrund der Corona-Pandemie keine Ehrung im offiziellen Rahmen geben konnte, hat Bezirksalmbauer Hans Probst aus Lenggries die Geehrten persönlich aufgesucht und ihnen die Urkunden überreicht. „Unsere Almwirtschaft ist ein wertvolles Agrarkulturerbe. Um es bewahren zu können, sind solche Idealisten wie die fünf Geehrten für uns unverzichtbar.“ Rainer Bannier

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