„Wir sind nicht Tölz“

Lenggries Bürgermeister Stefan Klaffenbacher berichtet über seine junge Amtszeit

Bürgermeister Stefan Klaffenbacher an seinem Schreibtisch im Lenggrieser Rathaus.
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Bürgermeister Stefan Klaffenbacher an seinem Schreibtisch im Lenggrieser Rathaus.

Lenggries – Am 14. September hat Stefan Klaffenbacher erstmals als neuer Bürgermeister von Lenggries das Rathaus betreten. Heute, hundert und einen Tag später, zieht er im Interview ein erstes Fazit über seine noch junge Amtszeit.

Wir sprachen mit dem 34-Jährigen über bereits vor der Saison ausverkaufte Tourenski, schwierige Corona-Zeiten und das Glück einer liebenden Familie.

Herr Klaffenbacher, zuallererst: Gut, dass es ihnen wieder gut geht. Sie hatten sich ja mit dem Coronavirus infiziert. Wie haben sie ihre Quarantäne überstanden?
„Bei mir ist die Krankheit wie bei einer Krippe verlaufen und so habe ich die Quarantäne gut überstanden. Während dieser Zeit habe ich von Zuhause aus weitergearbeitet und wurde im Rathaus von meinen Stellvertreter, Franz Schöttl, vertreten.“
Nun sind Sie seit knapp drei Monaten Bürgermeister von Lenggries: bereuen Sie ihre Entscheidung oder sind damit zufrieden?
„Die Entscheidung bereue ich nicht, es taugt mir. Ich habe hier im Gemeinderat wie auch in der Verwaltung eine gute Truppe beisammen. Es ist ein schönes und angenehmes zusammenarbeiten.“
Sie sind selbständiger Landwirt, gelernter Maschinenbaumeister und Bürgermeister: vertragen sich die drei Jobs miteinander?
„Meinen Job als Maschinenbaumeister habe ich ja an den Nagel hängen müssen. Und in unserer Landwirtschaft haben wir kein Milchvieh mehr, deshalb bin ich nicht so an die fixen Stallzeiten gebunden, außerdem erhalte ich viel Unterstützung von meiner Familie. Die Agrarpolitik ist ein großer wirtschaftlicher Zweig und sie prägt unsere Gemeinde, da bin ich als Landwirt nahe dran an den Themen und auch Problemen.“
Als Sie im September zur Wahl angetreten sind, stand ihre Familie hinter ihrer Entscheidung. Haben sie trotz ihrer Rathaus-Tätigkeiten noch genügend Zeit für Kinder und Frau?
„Die Zeit ist schon eingeschränkter als vorher. Aber man muss sie sich auch nehmen. Mir ist wichtig gemeinsam zu frühstücken und mittags fahre ich immer nach Hause sofern es der Terminkalender zulässt. Abends klappt es nicht immer, dass ich die Kinder noch sehe. Die Familie ist mir sehr wichtig“
Als Wahl-Ziele nannten Sie damals „Lenggries voranzubringen“. Was haben Sie in den drei Monaten für die Gemeinde bisher erreicht?
„An der Ortskernsanierung sind wir dran und die Planung dafür ist schon ziemlich weit. Dann werden die Straßen erneuert und die Parkplätze besser ausgewiesen - aktuell wird schon etwas wild geparkt bei uns. Bei der Kaserne habe ich einige gute Gespräche mit möglichen Investoren geführt. Allerdings gibt es noch keinen Plan für einen möglichen Hotelbau. Auch bin ich momentan mit dem Tourismusverein im intensiven Kontakt. Wir suchen für die Tagesausflüger eine gesunde Lösung, dass muss besser gelenkt werden.“
Die Jugend wünscht sich ein mietbaren Partyraum, einen weiteren Spielplatz sowie einen Skate-Park. Hat sich dabei schon etwas ergeben…
„Der Partyraum ist coronabedingt momentan kein Thema. Wir haben schon zwei Spielplätze, da sind wir gut aufgestellt: einer beim Kreisverkehr Hotel Alpenrose und am Kyreinweg. Ich bin selbst mit meinen Kindern oft dort und ich sehe keinen Bedarf für einen dritten. Für den Skate-Park haben wir derzeit noch nichts in Planung, hier müsste erst ein Bedarf abgeklärt werden – wir sind keine Stadt wie Tölz. Vielleicht ergibt sich was auf dem Kasernengelände.“
Thema Tourismus: Die Wintersaison steht an, aber der bayerische Ministerpräsident Markus Söder sorgt sich um Infektionsherde an Liften und Berghütten. Wie sehen Sie das?
„Das wird für uns ein Riesenproblem: Die Leute kommen ja trotzdem zu uns, denn viele weichen auf andere Sportarten aus. Bei uns sind Tourenski-Ausrüstungen teilweise ausverkauft. Dann wird jeder Berg bestiegen, das Wild gestört und auch das Unfallrisiko steigt. Unsere Bergwacht wird viel Arbeit haben. Beim Skibetrieb hätten wir vieles selbst lenken können, mit einem ausgearbeiteten Hygienekonzept. Ich hoffe, die Leute sind vernünftig und bleiben Zuhause.“
Was sind ihre Ziele und Pläne für das kommende Jahr. Können Sie uns einen Ausblick geben was für die Gemeinde Lenggries ansteht?
„Das Pflegeheim Lenggries, da wollen wir in die Umsetzung gehen. Derzeit wird der Bebauungsplan aufgestellt, damit wir langsam und sicher mit dem Bau beginnen können. Neben der Ortskernsanierung müssen wir schauen, wie es mit dem Tourismus weitergeht. Zudem soll der Schnellradweg Richtung Tölz nächstes Jahr umgesetzt werden sowie der Radweg, hier der zweite Bauabschnitt, von Lenggries in die Jachenau. Bei letzterem müssen jetzt die Planungen und Gutachten ebenso wie der Grunderwerb abgeschlossen werden.“
Abschließend: Was wünschen sie sich für 2021?
„In erster Linie Gesundheit für die Bürger und uns alle. Dass ist das Wichtigste. Dann die Pandemie überstehen, und in einen normalen Tagesablauf zurückkehren zu können. Momentan ist nichts möglich. Es ist eine schwierige Zeit.“

Das Interview führte Daniel Wegscheider

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