Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Falkenhütte vor dem Neustart: Sie sind die neuen Pächter

Neue Pächter und Wirte der Falkenhütte im Karwendel sind: Claudia Rackwitz-Hartmann (39) und ihr Ehemann Robert Rackwitz (42) mit ihren beiden Töchtern Emilia und Lilli.
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Neue Pächter und Wirte der Falkenhütte im Karwendel sind: Claudia Rackwitz-Hartmann (39) und ihr Ehemann Robert Rackwitz (42) mit ihren beiden Töchtern Emilia und Lilli.

Lenggries – Die dreijährige Umbauphase an der Falkenhütte ist fast vorüber. In wenigen Tagen steht der Neustart an. Mit diesen neuen Pächtern.

Der Umbau hat drei Jahre gedauert und 6,4 Millionen Euro gekostet – doch nun rückt der große Moment näher: Am Freitag, 28. August, bewirten die neuen Pächter Claudia Rackwitz-Hartmann und Robert Rackwitz erstmals Tagesgäste in der renovierten Falkenhütte im Karwendel. Auch Übernachtungen sind dann möglich. „Wir freuen uns narrisch auf den Startschuss“, sagt die neue Pächterin, die um Nachsicht bittet, wenn im Probebetrieb noch nicht alles rund läuft.

Der Begriff Hütte klingt klein und beschaulich. Doch klein ist die Falkenhütte beileibe nicht. In normalen Zeiten bietet sie Schlafplätze für 138 Gäste. Aufgrund der Corona-Richtlinien ist derzeit die Obergrenze bei 82 Gästen erreicht. Auf der Terrasse können bis zu 250 Wanderer entspannen. In den Gasträumen ist Platz für weitere 150 Ausflügler. Der Koch rechnet damit, dass er an Wochenenden pro Tag rund 600 Mahlzeiten zubereiten muss und an Werktagen um die 250.

Wirtin joggt zur Hütte hinauf

Einen Betrieb in dieser Größenordnung auf 1.848 Metern Höhe muss man erst mal stemmen. „Da oben gab es ja nichts mehr“, sagt Rackwitz-Hartmann. „Keinen Teller, keinen Topf, keinen Zahnstocher, keine Getränke, kein Salz und keinen Pfeffer.“ So um die 20-mal sei ihr Mann bereits ins Tal gefahren, um Auto und Anhänger mit Material aller Art zu füllen.

Wunderschön gelegen ist die Falkenhütte im Karwendel, die gut von Hinterriß aus zu erreichen ist.

Sie selbst packt dann immer ihre Laufschuhe aus und joggt in aller Herrgottsfrühe mit ihrer größeren Tochter die 800 Höhenmeter rauf zur Hütte – wo sie noch mit allerlei technischen Problemen zu kämpfen hat: In der Küche und der Kühlung läuft noch nicht alles so, wie es soll. Das Satelliten-Telefon funktioniert nur bei schönem Wetter, W-LAN gibt es noch nicht. Das Buchungssystem des Alpenvereins ist ebenfalls noch nicht einsatzbereit.

Die Konsequenz: Die Wirtsleute müssen 70 bis 100 E-Mail-Anfragen pro Tag einzeln beantworten. „Anfang August wäre ich fast durchgedreht“, sagt Rackwitz-Hartmann.

Nur an Werktagen noch freie Schlafplätze

Längst sind an den Wochenenden bis zum Saisonende alle Übernachtungsplätze ausgebucht. Nur an Werktagen gibt es noch die Chance auf eine freie Schlafgelegenheit. Aufgrund der Fülle an sonstigen Aufgaben hat die Pächterin den Schriftverkehr mittlerweile komplett an ihre Schwester abgegeben. „Die ist unser Goldschatz – ohne sie würde es nicht mehr gehen.“

Derzeit zieht das Personal in der Falkenhütte ein. Dazu gehören neben der vierköpfigen Pächterfamilie drei Köche und vier Servicekräfte, die die Familie aus ihrer zweiten Gaststätte, der Enzianhütte in Fieberbrunn, mitbringt. Neu hinzu kommen zwei Putzfrauen und eine weitere Servicekraft.

Einige Male veranstalteten die Wirte schon ein Probeessen für Freunde: „Das hat super geklappt. Es bleibt aber spannend, ob unter Volllast alles so funktioniert wie gedacht“, sagt Rackwitz-Hartmann. Nervös sei sie deshalb nicht: „Wir haben so viel zu organisieren, dass wir überhaupt nicht zum Nachdenken kommen.“

Kommt der Schnee, müssen sie zusperren

Übernachtungsanfragen kann sie nur bis zum 11. Oktober annehmen. Danach müsse man erfahrungsgemäß dem Wintereinbruch rechnen: „Wenn der erste Schnee fällt, müssen wir zusperren, weil wir keine Waren mehr anliefern können“, erläutert Rackwitz-Hartmann. „Die Leute im Tal verstehen das oft nicht und sehen nur den goldenen Herbst.“

Ruhig wird es für die Familie auch nach dem Saisonende auf der Falkenhütte nicht. Bevor der Weg dorthin unpassierbar wird, muss das Inventar wieder im Tal sein, denn es wird in der Wintersaison in der Enzianhütte benötigt. Diese befindet sich mitten im Skigebiet von Saalbach-Hinterglemm, wo die Saison am 1. Dezember startet.

Von der Größenordnung her ist die Enzianhütte eine ganz andere Hausnummer: Die bietet Platz für 1.000 Menschen, um die sich 32 Angestellte kümmern. Ab 16 Uhr ist Ramba-Zamba beim Après-Ski angesagt – das Kontrastprogramm zur stillen Falkenhütte. Patrick Staar

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