Von Lenggries zum Großvenediger

Gleitschirmpilot Markus Kunz gewinnt Brauneckmeisterschaft im Streckenfliegen 2020

Das sogenannte Lenggrieser Gletscherdreieck führt die Piloten nahe heran an bis zu 3.500 Meter hohe vergletscherte Berge (hier: Stubaier Gletscher).
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Das sogenannte Lenggrieser Gletscherdreieck führt die Piloten nahe heran an bis zu 3.500 Meter hohe vergletscherte Berge (hier: Stubaier Gletscher).

Lenggries – Bereits seit zwei Jahren gibt es einen neuen Flugwettbewerb am Brauneck, der vom Verein der Lenggrieser Gleitschirmflieger ins Leben gerufen wurde.

Dabei werden die beiden weitesten Flüge jedes Piloten gewertet. Hier konnten sich unter 100 Piloten Markus Kunz, Georg Bube und Jacek Wuwer die ersten drei Plätze sichern.

Die eigentliche Herausforderung des Wettbewerbes liegt jedoch wo anders: Es gehe darum wer der erste Pilot sein wird, dem es gelinge, vom Lenggrieser Hausberg aus ein mehr als 200 Kilometer großes Dreieck mit dem Gleitschirm fliegt, berichtet Marcel Dürr vom Lenggrieser Gleitschirmclub. „Und vor allem, es wieder bis zum Startpunkt zurück zu schaffen. Diese Aufgabe wurde noch niemals gelöst und das Preisgeld von 700 Euro wartet Jahr für Jahr auf den Erstbezwinger.“

Streckenfliegen mit dem Gleitschirm bedeutet, die Piloten nutzen die thermische Kraft der Sonne, um in der warmen aufsteigenden Luft an Höhe zu gewinnen, und diese danach in ihre Gleitstrecke umzusetzen. „Im Idealfall findet der Pilot die nächste Thermik-Quelle, ehe seine Höhe aufgebraucht ist. Sonst steht er am Boden“, erklärt Dürr. Mit einer Geschwindigkeit von knapp 40 Kilometern pro Stunde und einem nur wenige Kilogramm schweren Nylonschirm „sind sie dabei Wind und Wetter ausgesetzt wie kaum ein anderer Flugsportler“.

Um die ideale Route vom Brauneck aus für diese anspruchsvolle Aufgabe zu finden, daran tüfteln die Piloten schon seit vielen Jahren. Eine vielversprechende Variante sei das sogenannte Lenggrieser Gletscherdreieck, das erstmalig vom damaligen deutschen Meister Marcel Dürr aus Freising im Jahr 2017 geflogen und knapp verpasst wurde: Dem heute 42-Jährigen Berufspiloten und Hobbygleitschirmflieger fehlten lediglich 30 Kilometer bis nach Lenggries zurück. Die Route führt zuerst in die Gegend von Landeck und dann quer durch die wilden Gletscherlandschaften von Ötz- und Stubaital bis ins hintere Zillertal ehe dann der schwierige Rückweg Richtung Lenggries beginnt.

Markus Kunz (46) aus Bad Tölz war im Juni vergangenen Jahres eben diese Route geflogen und landete nach neuneinhalb Stunden in einem abgelegenen Seitental am Fuße des Großvenedigers. 211 Kilometer hat er seit seinem Start am Brauneck zurückgelegt.

Der Rückweg ist neben dem Flug selbst, ebenfalls ein Abenteuer: Der Schirm sei schnell eingepackt, die 20 Kilogramm geschultert, berichtet Kunz. Zuerst musste er 15 Kilometer zu Fuß bis zur nächsten Straße laufen, danach 150 Kilometer per Anhalter weiter. Um 1.30 Uhr war Kunz wieder zu Hause in Bad Tölz angekommen.

Das große Ziel, das Dreieck komplett zu schließen, konnte dieses Jahr wieder nicht erreicht werden, aber die Streckenpiloten sind sich sicher: „Irgendwann werden wir nicht mehr zurück trampen müssen, sondern sanft in Lenggries einschweben“, so Dürr schmunzelnd. dwe

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