„Fotos von mir mag ich nicht“

Musiker und Sänger Sebastian Horn spricht über seinen ersten Film „Dreiviertelblut Weltraumtouristen“

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Der Lenggrieser Sebastian Horn (l.) ist zusammen mit Musikerkollege Gerd Baumann (r.), in der Dokumentation „Dreiviertelblut Weltraumtouristen“ von Marcus H. Rosenmüller zu sehen.

Lenggries/Landkreis – Sebastian Horn ist nicht nur im Oberland bekannt. Der 49-jährige Lenggrieser ist Gründungsmitglied bei den Bananafishbones, seit 2012 singt er bei Dreiviertelblut und hatte auch beim Münchner Nockherberg seine Auftritte. Am Donnerstag, 6. August, erscheint nun die Doku „Dreiviertelblut Weltraumtouristen“ in den Kinos. Im Interview spricht Horn über Dialekt, Inspiration und einen besonderen Apfelbaum.

Herr Horn, Sie singen mit Dreiviertelblut live vor Publikum: In der Doku sehen wir Sie auch in einigen philosophischen Momenten, und auch einigen Spielszenen: Gefällt ihnen neben dem Bühnenauftritt auch der Film?

Film ist auf jeden Fall eine neue Erfahrung: sich selbst, so groß auf der Leinwand zu sehen, ist beeindruckend, aber auch etwas eigenartig. Ich verstehe durchaus Schauspieler, die sich ihre eigenen Filme nicht anschauen können. Schon ungewohnt. Ich bin jetzt auch nicht spiegelverliebt und Fotos von mir mag ich auch nicht. Da stehe ich lieber auf der Bühne.

Sebastian Horn

Bleiben wir beim Film: In der Doku Dreiviertelblut begleiten wir Sie und Gerd Baumann bei Auftritten wie im Circus Krone und in der Philharmonie mit den Münchner Symphonikern. Regisseur war Marcus H. Rosenmüller, wie war die Arbeit mit ihm?

Ich habe ja schon ein paar mal mit Rosenmüller zusammengearbeitet. Ich kenne niemanden, der so entspannt ist und eine gute Energie auf dem Set verbreitet. Er ist unzerstörbar und ein positiver Mensch.

Der Film wirkt auf mich teilweise expressionistisch, ist in schwarz-weiß gehalten und es gibt einige skurrile Augenblicke. Hatten Sie und Baumann Einfluss auf die Dramaturgie des Films?

Gar nicht. Es gab kein Drehbuch, es gab keinen Plan. Rosenmüller hat vor fünf Jahren angefangen, unsere Konzerte mit der Kamera zu begleiten. Mit mir ist er auch zusammen auf den Berg zum Schwammerlsuchen gegangen und hat dabei gefilmt.

Apropos Berg: anfangs sitzen Sie und Gerd Baumann in einer verschneiten Hütte im Wald. Ihr sprecht dort über Zeit, Vergänglichkeit und Geschwindigkeit, die in ihren Liedern oft Thema sind: Ihr greift auch politische Themen wie im Song „Der Sturm“ auf, dort geht es um Pegida und Trump. Wie entwickelt ihr eure Texte?

Die Grundaussagen sind ja alle schon da. Ich muss sie nur aus mir herausholen. Das kann ich am Besten, wenn ich alleine im Wald unterwegs bin oder im Auto hocke und meine Ruhe habe, und nix anderes um mich außen herum ist. Danach muss man die Idee halt noch ausarbeiten.

Also, ist der Wald eine Inspirationsquelle für Sie?

Das ist schon seit meiner Kindheit und Jugend so. Dort ist so viel Schönes, um einen herum: da gibt es Schwammerl, Blumen, Bäume. Dass ist für mich die schönste Ablenkung und dadurch kommt man dann auch auf andere Gedanken.

Im Film sagen Sie: „Meine Texte sind eine Reduktion, auf meine Welt, die ich nachvollziehen kann, und versuche darüber zu singen“. Erklären Sie.

So etwas macht einen Dichter aus: er kann einen Roman auf 20 Zeilen reduzieren. Also, lange Texte über etwas in wenigen Worten verfassen: Die dabei aber das gleiche Gefühl hervorrufen oder sogar ein noch stärkeres.

Im Film berichten Sie auch, über die „Mia san mia“-Mentalität zwiegespalten zu sein...

Ich bin ein totaler Fan von Leonhardi und von Menschen, die bayerische Kultur feiern. Ein bisschen Probleme habe ich mit Leuten, die sich das dann Aneignen und so tun, als sei das schon immer ihres gewesen und andere haben dort nix verloren. Ich bin der Meinung: jeder Mensch darf überall hin auf der Welt. Manche müssen ihre Heimat sogar verlassen. Und wenn man denen auch noch Prügel zwischen die Haxen schmeißt, obwohl sie eh schon g‘schlagen sind, dann ist dass nicht meine Welt.

Bei den Bananafishbones singen Sie englisch, bei Dreiviertelblut in oberbairischer Mundart. Was macht für Sie den Unterschied aus?

Ich liebe Dialekt mit seinen verschiedenen bairischen Färbungen. Außerdem ist bairisch wesentlich einfacher zu singen, weil es aus der gesprochenen Sprache kommt und keine Schriftsprache ist.

Als Kind hatten Sie einmal ein meditatives Erlebnis.Was war da los?

Wenn ich das selber noch wüsste. Mit etwa sechs Jahren bin ich in unseren Garten unterm Apfelbaum gehockt und auf einen Schlag habe ich mich eins mit allem gefühlt. Da war ich so glücklich wie noch nie in meinem ganzen Leben, aber eine hundertstel Sekunde später war alles wieder vorbei.

Abschließend: Wer sollte sich Euren Film anschauen?

Jeder. Alleine um die Kinos zu unterstützen, was sehr wichtig ist. Wir haben in Tölz eines der geilsten Programmkinos in der Welt, das ist soviel wert. Dort habe ich schon sehr viele tolle Filme gesehen. Leute geht‘ s ins Kino und unterstützt damit die Leute.

Aber auch Euch..

Ja unseren Film sollte man sich auch anschauen (lacht).

Das Gespräch führte Daniel Wegscheider

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