Lenggrieser Faschingszug glänzt mit verschmitzter Kritik am lokalen Leben

Spaßige Konkurrenz fürs Rheinland

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Viel zu sehen gab es beim Lenggrieser Faschingszug.

Lenggries - Die Maschkera im Isarwinkel ließen sich nicht lumpen - knapp 6.000 von Ihnen zog es zum Gaudiwurm nach Lenggries.

Am Ende waren es dann sogar 58 Wagen und Gruppen, die sich in einer großen Acht durch die Gemeinde stauten. Und um bei Zahlen zu bleiben: 5.000 bis 6.000 Besucher hatte der veranstaltende Verein „Mia sans“ erwartet und obwohl das natürlich schwer zu schätzen ist, mindestens 7.000 sind es am Ende wohl geworden, vermutlich eher noch mehr. Hinterlassen hat der Faschingszug neben einem wahren Konfettiberg vor allem die Erkenntnis, dass die Isarwinkler ebenso kreativ sein können, wie die „Konkurrenz“ aus dem Rheinland. Selbstredend gab es die großen Aufbauten zu zahlreichen Themen, aber was den besonderen Charme dieses Faschingszuges ausmachte, waren die kleinen, liebevoll gestalteten Gefährte wie ein Anhänger auf dem ein großer knautschiger Stoffbär saß und einem Schild mit den Worten: „Mann mit Motorsäge sucht Frau mit Wald“. Besser kann man den landwirtschaftlich geprägten Isarwinkel kaum auf den Punkt bringen und gleichzeitig die unsäglichen Fernsehsendungen à la „Bauer sucht Frau“ auf die Schippe nehmen. Einfach aber gelungen auch die „Seegeister vo Oid Foi“, die wohl auf Grund des abgelassenen Sylvensteinsees dem Morast entsteigen konnten. Apropos Fall: Ein großer Wagen kurz nach den Seegeistern war ebenfalls „zum Gedenken an die geflutete Heimat“ gestaltet, und zwar als Riesenaquarium in dem gefeiert wurde, aber in dessen doppelt verglasten Außenwänden echte Fische schwammen. Begeistern konnten auch einige Kleinst-Quads, die als fahrende Marienkäfer dekoriert waren. Gesteuert wurden sie von etwa sechsjährigen Kindern mit künstlichen Bärten, die höchst konzentriert bei der Sache waren. Schade, dass eines von den Fahrzeugen mit Defekt ausgerechnet vor der Schmiede liegen geblieben war.

Sehenswert waren auch viele Besucher mit ihren Verkleidungen. Zwei kamen als aufwändig gestaltete Bäume daher, als Mensch kaum zu erkennen. Harry Potter lebt, zahlreiche Kinderkostüme erinnerten an die Figuren aus den Joanne Rowling-Geschichten. Aber natürlich ging es auch um lokale Themen und internationale Politik mit teils sensationell gestylten Wagen. Da war der G7-Gipfel auf Schloss Elmau, Merkel und Obama fröhlich im Hauptwagen, Putin schmollend im Hänger mit Gefängnischarakter. Mehrfach musste der selbsternannte Wetterprophet Sepp Haslinger als Opfer herhalten: „Vom Wetterfrosch zum Knallfrosch“ war noch die eher freundliche Formulierung, mit der er bedacht wurde. Aber auch Selbstironisches war zu sehen: „Am Brauneck heißt die Zukunft nicht Skilaufen, sondern Beachparty mit Eimersaufen.“ Mehrere Wagen widmeten sich dem Thema Isarwelle und der verpassten Chance, frühzeitig die richtigen Weichen gestellt zu haben. So prangte auf einem Traktor das Schild: „Therme Erding 60 Kilometer“ und durchgestrichen „Bäderwelt Isar-Loisachtal“. Andere mokierten sich über die offensichtliche Prüderie im Gemeinderat und provozierten mit gelungen gewagten Kostümen zum Thema Nacktheit. Viele genervte Ansätze gab es auch zum Thema Rafting auf der Isar. So sausten permanent Schlauchbote oder Surfbretter durch die Marktstraße und der wohl gelungenste Reim zum Thema lautete: „Rafter, Griller, nackte Schwimmer, irgendwen findst ja immer, die Isar ist nunmal der Hit, nur nehmt’s doch eier Graffl mit.“ Angriffslustige Beiträge gab es auch zum Leonhardi-Ritt und den Fuchsleichen als Schmuck, zum E-Bike, zu Kindertagesstätten, zur Frauenquote, zum drohenden Kuhglockenverbot oder zum Granit aus China, der billiger kommt, als jener aus dem Bayerischen Wald. An zündenden Ideen hat es nicht gemangelt. Und auch die Organisatoren des Maschkara-Zuges hatten an alles gedacht, denn sogar die Ordner trugen Warnwesten mit der Aufschrift LPD, die Kurzform für „Lenggries Police Department“. nj

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