Mehr Freizeit bei Regen

Lenggrieser Gästekarte-Plus erweitert touristisches Angebot und freie Fahrten mit der RVO-Linie

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Stehen und setzen auf Lenggries-Plus: (v.l.)Werner Weindl (Bürgermeister), Ursula Dinter-Adolf (Tourismusleiterin), Peter Lorenz (Geschäftsführer Brauneckbahn) und Wolfgang Brückl (Bayerwald Media).

Lenggries – Seit sechs Jahren und sechs Monaten gibt es Lenggries Plus: Eine Gästekarte, die viele touristische Leistungen wie freie Eintritte und Rabatte beinhaltet. Jüngst zogen Gemeinde und Tourist-Information Bilanz: Rund ein Drittel aller Lenggrieser Gastgeber nutzen heutzutage das Plus-Angebot. Neu hinzugekommen sind einige „Schlechtwetter-Angebote“, zudem wird ab November die freie Fahrt mit der RVO-Linie ausgebaut.

Freier Eintritt ins Familienbad Isarwelle, Naturfreibad und Lenggrieser Heimatmuseum, aber auch eine kostenfreie Berg- und Talfahrt mit der Brauneck-Bergbahn ist möglich: Dies sind nur einige der Leistungen, die auf der Lenggrieser Gästekarte-Plus enthalten sind. Für Bürgermeister Werner Weindl ist die Zeit seit der Einführung „ein Schnapsjubiläum“: Sechs Jahre und sechs Monate gibt es nämlich die grüne Gästekarte mit dem Zusatz „Plus“ bereits.

Die jetzt zusätzlich eingeführten Leistungen betrachten die Touristiker als eine Art „Schlechtwetter-Angebot“. Heißt: Einmalig können die Gäste beim Vorlegen der Karte nun Einrichtungen wie das Franz Marc Museum in Kochel sowie das Penzberger Campendonk- und Bergwerkmuseum besuchen. Auch ein Gutschein für die Nutzung eines E-Bikes ist jetzt dabei. Zudem werden ab November die RVO-Leistungen ausgeweitet: Neben der kostenlosen Busfahrt von Lenggries nach Bad Tölz und in die Jachenau, ist es dann möglich, auch in den Nachbarlandkreis Miesbach mit Ausflugszielen an den Tegernsee sowie zwischen Landsberg und Füssen (Kreis Ostallgäu) zu pendeln.

„Damit kann man weiter fahren, als man an einen Tag schafft“, meint Tourismusleiterin Ursula Dinter-Adolf. Der Trend zum öffentlichen Verkehrssystem sei dem Zeitgeist geschuldet, erklärt Wolfgang Brückl vom Dienstleistungsunternehmen Bayerwald Media, die das Gästekartenprojekt für die Gemeinde umgesetzt hat: „Die Leute sollen ihr Auto stehen lassen“, sagt er. Das Ziel ist es hierbei, den „motorisierten Individualverkehr abzubauen“. Auch besäßen viele junge Stadtmenschen kein eigenes Auto mehr, ergänzt Dinter-Adolf. „Sie sind froh, wenn sie mit dem Bus mobil sein können.“

Finanziert wird der kostenlose Öffentliche Personennahverkehr über den Kurbeitrag, den jeder Gast zahlen muss. Pro Übernachtung gehen 2,50 Euro Umlage an die 30 beteiligten Leistungsträger. Für Bürger gelten die kostenfreien Fahrten allerdings nicht. Zwar erhalten einheimische Gastgeber im Einzelhandel Rabatte, allerdings zahlen sie selbst keinen Kurbeitrag und können deshalb auch nicht umsonst mit der RVO-Linie fahren, berichtet die Tourismuschefin.

Rückblick: 2012 fiel der Startschuss für ein Projekt, von dem damals noch keiner wusste, wie es sich entwickeln würde. 45 Gastgeber vertrauten zu dieser Zeit darauf sowie 22 Leistungsträger. Doch viele Vermieter beäugten die Gästekarte erst einmal skeptisch, wie sich Weindl an die erste Informationsveranstaltung erinnert. Das Ziel war, damals wie heute, den „Tourismus im Ort zu stärken und attraktiver zu machen“, so Weindl: „Das haben wir erreicht.“ Heute beteiligen sich 62 Gastgeber am Plus-Angebot.

Für den Erfolg sprechen die Zahlen, wie Dinter-Adolf weiter berichtet: Nutzten zur Einführung rund 23.000 die Gästekarte-Plus, habe sich die Anzahl bis 2018 auf 41.380 „fast verdoppelt“. So würden anreisende Touristen heutzutage „bewusst nach Plus“ fragen, erklärt sie . Für Familien sei sie besonders attraktiv, „weil sie damit Geld sparen“. Zudem gebe es einen „sichtbaren Anstieg bei der Übernachtungsbuchung“, betont sie. In Zahlen: vergangenes Jahr hatte die Brauneckgemeinde 130.381 Gästeübernachtungen.

Mehr Touristen verortet auch Peter Lorenz, Geschäftsführer der Brauneckbahn, beim Betrieb der Bergbahn. Viele Besucher würden die kostenlose (Gästekarte-Plus) oder durch die Rabattkarte ermäßigte Bergfahrt auch bei „Nebel und Regen“ nutzen, die sonst nicht darauf zurückgreifen würden. Davon profitieren das Panoramarestaurant und die Hütten, so Lorenz. 15.000 Gästekarte-Plus-Bergbahnfahrten verzeichnete der Geschäftsführer im vergangenen Jahr.

Für Familien bedeute die Gästekarte-Plus „einen kalkulierbaren Urlaub“, so Brückl. Der Grund seien nicht Rabatte, sondern die Nutzung von „kostenlosen Freizeiteinrichtungen bei schlechtem Wetter“. Gebe es die Leistung, werde sie eher genutzt. So habe sich die Besucherzahl im Lenggrieser Heimatmuseum seit Einführung der Gästekarte-Plus verdreifacht, sagt die Tourismusleitern: „Plus bringt dem Gast unsere Kultur näher.“ Daniel Wegscheider

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