Musikalische Zeitreise

Liedermacher Willi Sommerwerk entführt in Gründerjahre der BRD

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Willi Sommerwerk entführte die Besucher seines Konzertes – in die Zeit von 1949 bis 1968.

Geretsried – Dass Nostalgie nicht nur reines Schwelgen sein muss, sondern durchaus auch eine Rückbesinnung auf die Geschichte, das machte das Konzert des Geretsrieder Liedermachers Willi Sommerwerk im voll gefüllten Ratsstubensaal deutlich. Das Motto: „Schön war die Zeit.“ Und das kam passend an dem Tag daher, wo die Bundesrepublik Deutschland ihren 70. Geburtstag feiern konnte.

Bürgermeister Michael Müller begrüßte rund 300 Gäste im Ratsstubensaal und würdigte Willi Sommerwerk: Er habe sich intensiv mit der Geschichte der BRD befasst aber auch mit der von Geretsried. Tatsächlich kredenzte der Liedermacher den Zuhörern einen bunten Strauß an Nostalgie. Und er versetzte sein Publikum in eine Zeit, als viele „Alltäglichkeiten“ noch wirkliche Ereignisse waren – und das freilich ganz ohne Facebook, Instagramm und Twitter. So etwa die Eröffnung des ersten Kinos 1952 am Hirschenweg.

Aus Sommerwerks Programm wurde eine emotional-packende Zeitreise. Die führte mit charmanten Liedern in die Jahre von 1949 bis 1968. Selbstredend, dass da eine politische Note in den Darbietungen nicht fehlen durfte. So ließ Sommerwerk die wichtigsten Ereignisse jener Zeit in der Welt, in Deutschland und in Geretsried Revue passieren – stets gewandt in den einst gespielten Musikstücken.

Liedermacher Willi Sommerwerk, den viele auch wegen seiner Reinhard-Mey-Interpretationen schätzen, bestritt den Abend so, wie er eben gekannt und gemocht wird. Als Liedermacher mit seiner Gitarre und seiner Stimme. Seinen Interpretationen richtete er zwar an den der Original-Interpreten aus, gab ihnen aber stets auch eine eigene musikalische Couleur. Da gab es den Sommerwerk à la Simon und Garfunkel, eines Harry Belafonte oder gar eines Elvis Presley.

Die Zuhörer fühlten sich an dem Abend wahrlich zu Hause – erlebte mit Sicherheit der Großteil von ihnen eben jene besungene Zeit der 1960er Jahre. Etwa beim Tangoschlager „Tanze mit mir in den Morgen“ von Gerhard Wendland oder später bei „Weine nicht, wenn der Regen fällt“ von Drafi Deutscher. Gerade hierfür erntete Sommerwerk ganz besonders viel Beifall.

Zwischen den 20 Liedern des Abends erzählte Sommerwerk aus der Nachkriegszeit, über das Wirtschaftswunder aber auch die heftigen Studentenunruhen, die nicht nur Deutschland packten. Erinnerungen an Adenauer, Kennedy und Breschnew wurden wach und Sommerwerk hob immer auch wieder Bonmots aus der Zeitgeschichte heraus.

Etwa, dass es noch 1955 einer Frau gerichtlich verboten war, etwas vom Haushaltsgeld für sich selbst zu verwenden. Oder dass im Jahr 1963 Joghurt erstmals im Wegwerfbecher verkauft wurde: „Und heute ersaufen wir im Plastikmüll“, kommentierte da Sommerwerk. Das Publikum dankte dem Künstler mit tosendem Applaus und nach einer letzten Zugabe aus Sommerwerks eigenem Repertoire gingen die Besucher beseelt nach Hause.

tka/mth

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