Löffelangriff in Asylunterkunft

Richter verurteilt Nigerianerin zur Zahlung von 900 Euro

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Das Amtsgericht hatte eine kuriosen Fall zu klären: Laut Anklage ging eine Asylbewerberin aus Wolfratshausen mit einem Löffel auf eine andere Mitbewohnerin in der gemeinsamen Unterkunft los. 

Wolfratshausen – Am 9. Januar geriet eine Nigerianerin mit einer Kongolesin in der Küche einer Asylbewerberunterkunft so sehr aneinander, dass Sicherheitskräfte die Polizei alarmierten (wir berichteten). Da am ersten Verhandlungstag eine wichtige Zeugin nicht erreichbar war, konnte das Urteil erst zwei Wochen später gesprochen werden. 

In der Anklageschrift wird der 24-Jährigen vorgeworfen, mit einem Löffelstiel auf ihre Kontrahentin losgegangen zu sein. Nur mit Mühe schaffte es eine Betreuerin, sie am Arm festzuhalten. In englischer Sprache äußerte sich die Angeklagte am ersten Verhandlungstag zu den Vorwürfen. Die Mutter von drei Kindern habe damals in hochschwangerem Zustand in der Gemeinschaftsküche gekocht und sei dann von einer Kongolesin aufgefordert worden, den Topf wegzustellen. „Sie sagte mir, ich koche nur Abfall und regte sich über den Gestank auf“, übersetzte die Dolmetscherin. Danach sei es zu einem Gerangel gekommen.

Die andere Beteiligte stellte die Vorgeschichte in französischer Sprache anders dar. Sie hatte damals den Auftrag, jeden Tag die Toiletten und die Küche zu reinigen. Als sie beobachtete, dass das Kind der Angeklagten das Waschbecken in der Küche als Toilette benutzte, habe sie die Mutter zur Rede gestellt. Daraufhin sei sie von der Angeklagten sogar ins Ohr gebissen geworden.

Ein Polizist, der in der Verhandlung ebenfalls in den Zeugenstand berufen wurde, widersprach dieser Darstellung. „Wir haben keine Verletzungen erkennen können“, versicherte er. Richter Helmut Berger erinnerte die 23-Jährige daran, dass sie in der polizeilichen Vernehmung keinen Biss ins Ohr erwähnt habe. „Wenn man mir einen solchen Schmarrn erzählt, möchte ich am liebsten sofort aufhören“, entfuhr es ihm.

„Eine der beiden Frauen hat einen Löffel umgedreht und wollte ihn in den Hals der anderen Frau rammen“

Zur Wahrheitsfindung benötigte Berger die Betreuerin, die die beiden streitenden Frauen getrennt hatte. Die 32-Jährige konnte ihrer Einladung in den Zeugenstand zwar auch am zweiten Verhandlungstag nicht nachkommen, war aber zumindest telefonisch erreichbar. „Eine der beiden Frauen hat einen Löffel umgedreht und wollte ihn in den Hals der anderen Frau rammen“, erinnerte sie sich. Die Betreuerin hat die beabsichtigte Körperverletzung danach verhindert, eine Bisswunde am Ohr der Kongolesin habe sie nicht gesehen.

Die Angeklagte versuchte, sich mit der Einladung einer weiteren Zeugin zu entlasten. Die mit ihr befreundete 23-jährige Frau verstrickte sich jedoch schnell in Widersprüche, sodass ihr nun eine Anzeige wegen Falschaussage droht. Richter Helmut Berger folgte schließlich der Empfehlung der Staatsanwältin und verurteilte die Angeklagte wegen versuchter Körperverletzung zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu 15 Euro – insgesamt 900 Euro.ph

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