Loipen-Streit im Sonnental

Dass der Traditions-Langlauf-Wettbewerb in der Jachenau heuer am westlichen Ortsrand von Niggeln gestartet wurde, löste große Verwunderung aus.

Mit dem Slogan „Sonnental Jachenau“ wird auch für die Langlauf-Loipe durch das Jachental geworben. Dabei soll mit dieser Werbeoffensive der Tourismus weiter angekurbelt werden. Doch die jüngsten Ereignisse sind da absolut kontraproduktiv: Hinter den Kulissen brodelt es gewaltig. Denn gerade die bekannt gute Loipenpflege sehen zahlreiche Jachenauer in Gefahr, seit sich Widerstand gegen das Spuren in der Nacht regt.

„Es gibt überhaupt keinen Ärger. Da erzählen einige nur Schmarrn am Stammtisch“, sagte Bürgermeister Georg Riesch anfänglich. Doch auf intensiveres Nachhaken gibt er zu: „Ich habe schon einige Beschwerden bekommen.“ Auch hat er jüngst den Gemeinderat in nicht-öffentlicher Sitzung über die Problematik informiert und das ganze zur Chefsache erklärt. Dazu hat er bestimmt: „In der Nacht wird jetzt nicht mehr gespurt, bis ich die ganze Sachlage geklärt habe. Ich bin gerade dabei, mich umfassend über die gesetzlichen Vorgaben zu informieren. Und dann werden wir sehen, wie es weiter geht.“ Offensichtlich wurde der Ärger, als jüngst Start- und Zielbereich des Toni-Danner-Gedächtnislaufs, ein Langlaufbewerb für Schüler und Jugendliche, zum westlichen Rand des Ortsteils Niggeln verlegt worden war. Mehr als ein Jahrzehnt begann und endete der Traditionslauf des SSC Jachenau am östlichen Ortsrand. „Es hat Ärger mit dem Bauern gegeben, der nicht wollte, dass wir sein Grundstück weiter benutzen“, lautete die Auskunft auf Fragen der Trainer und Betreuer zahlreicher Vereine, die sich über die Verlegung wunderten. Freilich der Sportveranstaltung hat dies kaum geschadet, hatte sogar den Vorteil, „dass wir keinen Parkplatz extra räumen mussten“, gab Jost Gudelius sen. zu. Auch wenn das gesamte Terrain nicht mehr so kompakt und einsehbar gewesen sei, wie früher. Anders sieht es allerdings mit der Pflege der großen Jachenau-Loipe von knapp 40 Kilometern Länge aus. Da nur ein Spurgerät zur Verfügung steht, werden bis zu sechs Stunden für die adäquate Pflege benötigt. „Untertags bringt es nichts, da da viel zu viele Langläufer unterwegs sind. Also bleiben nur die Zeiten vor zehn Uhr am Morgen und nach 17 Uhr am Abend“, erklärt ein Jachenauer nachvollziehbar, der aber namentlich nicht genannt werden wollte. Die Jachenau-Loipe führt zu 90 Prozent über Privatgrundstücke. Davon sind etwa 25 Grundeigentümer betroffen. „Das ist nicht einfach alle unter einen Hut zu bringen. Da war schon öfter der eine oder andere unzufrieden“, erklärt Riesch. So wurde die Loipe schon mehrfach verlegt, weiter weg von der Wohnbebauung. Vielleicht hat das Ganze ja auch einen finanziellen Hintergrund, denn schon in der Nachbargemeinde Lenggries werden die Landwirte für die Winternutzung ihrer Grundstücke mit einem Obolus entschädigt. In der Jachenau bekommen sie bislang nichts. „Die sind schon mehrfach gegen halb zwei in der Nacht mit dem Spurgerät rumgefahren. Das muss doch nicht sein“, führt Monika Gerg (Niggeln) allerdings andere Gründe auf: „Eigentlich habe ich nichts gegen den Sport, aber da ist schon zu viel vorgefallen. Da sich niemand an getroffene Absprachen hält, muss man doch irgendwann die Konsequenzen ziehen. Hat man denn als Grundeigentümer überhaupt keine Rechte mehr?“ „Die Beeinträchtigung schadet dem Sport, schadet den Kindern und schadet dem Tourismus, von dem hier fast jeder profitiert, da fast alle an Fremde Zimmer vermieten“, befürchtet hingegen ein anderer Jachenauer. Jedenfalls ist Bürgermeister Riesch überzeugt: „Ich sehe kein Problem, das unter vernünftigen Leuten nicht auszureden wäre. Jedenfalls wird es auch künftig in der Jachenau eine bestens gepflegte Loipe geben, das garantiere ich.“

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