Lorenz-Areal

Dem Baumarkt zuliebe

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Spätestens in sechs Monaten muss klar sein, wer auf dem Lorenz-Areal den Baumarkt betreibt.

Geretsried – Mit Zähneknirschen hat der Stadtrat mit großer Mehrheit für die beantragte Änderung des Bebauungsplans zum Lorenz-Areal votiert. Allerdings mit Auflagen.

Damit ist der Weg für Bauunternehmer und Grundstückseigentümer Reinhold Krämmel aus Wolfratshausen nun frei, auf dem Gelände neben dem zentralen (Garten-)Baumarkt auch einen Nahversorger, einen Drogeriemarkt und einen Discounter anzusiedeln. Die Bedingung: Krämmel muss innerhalb von sechs Monaten eine Verpflichtung zur Ansiedlung und Betrieb eines Bau- und Gartenmarktes vorlegen.

Mit dieser zentralen Forderung folgte der Stadtrat der Beschlussempfehlung des Entwicklungs- und Planungsausschusses. Der hatte ebenso den Baumarkt als Kernprojekt der Entwicklung gesehen. Erst dann soll der Weg frei sein für die weiteren Neubauten. Der Stadtrat willigte ebenfalls der Ansiedlung des Drogeriemarktes (statt dem ehemals geplanten Hotel) sowie der Umsiedlung von Aldi aufs Lorenz-Areal zu. Allerdings muss hier eine Grunddienstbarkeit oder ein städtebaulicher Vertrag mit Aldi als Eigentümer des jetzigen Grundstücks geschlossen werden. Denn der Stadtrat will hier verhindern, dass sich in unmittelbarer Nachbarschaft abermals ein weiterer Discounter als Konkurrent ansiedelt. Laut Baujurist Andreas Porer würden entsprechende Gespräche mit Aldi bereits laufen. Keine Bedenken gab es seitens der Regierung von Oberbayern. Sie erachtet es nicht notwendig, trotz der Planänderung ein ergänzendes Raumordnungsverfahren einzuleiten. Das Gremium zeigte sich unterschiedlicher Auffassung zu den Entwicklungen. Hans Ketelhut (CSU) betonte, dass wir eigentlich nur den Baumarkt brauchen. „Alles andere benötigen wir eigentlich nicht“, sagte er. Allerdings werden der Nahversorger, der Discounter und der Drogeriemarkt als Frequenzbringer fungieren. Es gilt die Annahme, dass ein Baumarkt nur in Verbindung mit entsprechenden Märkten funktionieren kann. Ketelhut jedenfalls will „wasserdicht abgeprüft“ haben, dass auch erst der Baumarkt realisiert wird. Volker Reeh (CSU) betonte, dass durch die Ansiedlung von einem Drogeriemarkt („der gehört in die Innenstadt“), dem Discounter sowie dem Nahversorger der Druck auf den Einzelhandel sehr wohl steige. Das eigens in Auftrag gegebene Einzelhandelskonzept werde zunehmen ausgehölt. „Zwar nicht heute und nicht morgen. Wohl aber in drei bis vier Jahren werden wir das spüren“, so Reehs Befürchtung. Sein Fraktionskollege Ewald Kailberth betonte, dass der Stadtrat geködert worden sei. Er erinnerte an die ersten Überlegungen von Krämmel auf dem Areal eine Bowlingbahn samt Kletterhalle anzusiedeln. „Wenn wir dann jetzt schauen, was davon übrig blieb, bin ich schon enttäuscht.“ Überhaupt komme er sich vor wie ein Esel, dem permanent eine Karotte an einer Angel vorgehalten würde. Volker Witte (Grüne) plagte sich mit „großen Bauchschmerzen“: „Wir haben dann einen Tengelmann, daneben das Kaufland – und Aldi.“ Man solle doch bei der ganzen Ansiedlung neuer Märkte nicht vergessen, dass auch die Böhmwiese noch entwickelt gehört – und dort sicher auch weitere Angebote entstehen sollen. „Konkurrenzschutz ist aber nicht unser Thema“, rechtfertigte Bürgermeisterin Cornelia Irmer (parteifrei). Wenn man sich als Einkaufsstadt positionieren wolle, „dann dürfen wir nicht immer Angst vor Neuansiedlungen haben“. Und Sonja Frank legte großen Wert darauf, dass man das, was auf dem Lorenz-Areal entstehe, auf der Böhmwiese gar nicht haben wolle. Hans Hopfner (SPD) warnte indes davor, dem Einzelhandelskonzept zu viel Bedeutung beizumessen. „Auch Gutachter können irren.“ In der Innenstadt gebe es nunmal keine größeren Flächen. Also würden sich dort auch keine Märkte ansiedeln können. Gerhard Meinl (CSU) vertraut indes auf die Selbstregulierungskräfte des Marktes. „Der Endverbraucher schützt am besten den Einzelhandel, wenn er dort nicht nur das vergessene Klopapier einkauft.“ Der Stadtrat stimmte den beantragten Änderungen zu, gegen Volker Witte und Gabriele Riegel (Grüne) sowie Volker Reeh (CSU). Thomas Kapfer-Arrington

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