Benefizaktion gegen Gewalt

Luise Kinseher und Musikerinnen setzen im Geltinger Hinterhalt kreative Ausrufezeichen

Die „Mama Bavaria“ Luise Kinseher liest aus den Werken von Lena Christ, Marieluise Fleißer und Liesl Karlstadt.
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Die „Mama Bavaria“ Luise Kinseher liest aus den Werken von Lena Christ, Marieluise Fleißer und Liesl Karlstadt.

Gelting – Um auf die häusliche Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen, riefen am Valentinstag zahlreiche Organisationen und Vereine zur Benefizveranstaltung „One Billion Rising“ in der Kulturbühne Hinterhalt auf.

Im Rahmen einer Livestream-Aufzeichnung las die Münchner Kabarettistin Luise Kinseher aus den Werken der bayerischen Schriftstellerinnen Lena Christ und Marieluise Fleißer sowie Texte der Komödiantin Liesl Karlstadt. Die Musikerinnen Maria Hafner und Theresa Loibl begleiteten den Auftritt mit Bratsche, Ukulele, Bassklarinette und ausdrucksstarkem Gesang. Vor der musikalischen Lesung betonte die Geretsrieder Altbürgermeisterin Cornelia Irmer zunächst die Notwendigkeit des Aktionstags.

„Jede dritte Frau erlebt Gewalt in ihrer Partnerschaft. Muss man dann noch erklären, warum es so wichtig ist, den betroffenen Frauen und Kindern mit allen Möglichkeiten zu helfen?“, fragte sie rhetorisch. Kein Mensch habe das Recht einem anderen Gewalt anzutun, „völlig egal aus welcher Kultur oder Religion er kommt“. Dass Misshandlungen, Unterdrückung und Missachtung auch das Werk von bayerischen Autorinnen maßgeblich prägten, zeigten die anschließend von Luise Kinseher gelesenen Textauszüge. So wurde die Ingolstädterin Marieluise Fleißer von ihrem Ehemann geschlagen und teilweise vom Schreiben abgehalten. Die Vielseitigkeit von Gewalt, die einem jungen Mädchen angetan wird, verdeutlichte die Erzählung „Ein Pfund Orangen“.

Noch drastischer wirkten die „Erinnerungen einer Überflüssigen“ von Lena Christ. Die bereits im Alter von 38 Jahren verstorbene Autorin schilderte eindringlich die Prügelstrafen, die sie in ihrer Kindheit erleiden musste. Nach diesen ergreifenden Darstellungen von Gewalt tat es gut, dass Kinseher abschließend amüsante Notizen und Dialoge von Liesl Karlstadt zum Besten gab. Die Soubrette und Schauspielerin bildete einst zusammen mit dem bayerischen Humoristen Karl Valentin eines der bekanntesten Komikerduos Deutschlands. „Ihr Einfluss und ihr Wirken wird aber leider oft unterschätzt“, glaubt Kinseher. Beim Vortrag des Karlstadt-Monologs „Die Frau Wirlberger“ konnte Luise Kinseher ihre Bühnenpräsenz, mit der sie schon als „Mama Bavaria“ beim Münchner Starkbierfest überzeugte, voll ausspielen.

Gestenreich und in bayerischer Mundart lesend dürfte sie nicht nur die in geringer Anzahl anwesenden Techniker und Vereinsvertreter in der Kulturbühne Hinterhalt, sondern auch die über 500 Zuseher der Livestream-Aufzeichnung zum Lachen gebracht haben.

Am Ende überreichten Dr. Helgard van Hüllen von der Opferorganisation „Weisser Ring“ und Claudia Harrasser vom Club Soroptimist Isartal-Bad Tölz im Namen aller beteiligten Vereine Blumensträuße und Bücher an die Protagonistinnen. Der Erlös der Benefizveranstaltung wird an Einrichtungen, die sich für Frauenrechte einsetzen, gespendet. Peter Herrmann

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