Wie ein fränkischer Rastaman nach Lenggries kam

Marco Schreiber alias „Radl Rasti“ feiert sein „20-Jähriges“ 

In der großen Halle seines Geschäfts an der Bretonenbrücke 9, gleich hinter dem „Kristallturm“ ist die Auswahl an Rädern jeder Art groß.
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In der großen Halle seines Geschäfts an der Bretonenbrücke 9, gleich hinter dem „Kristallturm“ ist die Auswahl an Rädern jeder Art groß.

Weit über die Radl-Szene hinaus ist das Gesicht von Marco Schreiber, allgemein nur „Radl Rasti“ genannt, nicht nur im Isarwinkel bestens bekannt. Dabei ist der gebürtige Franke eine markante Erscheinung mit seinen Rasta-Locken, die ihm mittlerweile fast bis in die Knie-Kehlen reichen. 

Dabei kann der Radl-Enthusiast auf einen bewegten Lebenslauf zurückblicken, bis er jetzt mit seinem Radlgeschäft, im Lenggrieser Gewerbegebiet an der Bretonenbrücke 9 das 20-jährige Jubiläum feiern kann.

„Es war der Radsport, der mich ursprünglich in den Isarwinkel verschlagen hat“, berichtet Radl Rasti. Aufgewachsen im idyllischen Rothenburg ob der Tauber hat der gelernte Kfz-Mechaniker viele Berufe ausgeübt, eher er an den Radln hängen geblieben ist. Vom Bierfahrer, über Entwicklungshelfer in Afrika, bis hin zum Betreuer für behinderte Menschen hat er sich in vielen Jobs versucht. Anfang der 90ger Jahre ist er dann im Radl-Geschäft hängengeblieben: „Über die Radrennen bin ich zum Radschrauber geworden.“ Dabei ist er seit jeher gerne Mountainbike-Marathons gefahren. „Bergab war ich auch ganz gut, aber bergauf haben mich die Leute aus den Bergen dann wieder geschluckt“, erinnert er sich: „So sagte ich mir, wenn du da mithalten willst, dann musst du eben wegen der besseren Trainingsmöglichkeiten auch in die Berge ziehen.“

Gesagt, getan. Über einen guten Freund kam er 1999 nach Bad Tölz und hat da anfangs bei den Isarwinkler Werkstätten gearbeitet. Dann erfuhr er, dass Mike Raphelt sein Radlgeschäft im Lenggrieser Bahnhof verkaufen will. „Niederschmetternd“ war da sein erster Versuch dafür an einen Kredit zu kommen: „Ein Rastaman und ein Bankkredit, das geht gar nicht zusammen.“ Also besorgte er sich das Geld über einen Finanzmakler „und seit dem Jahr 2001 bin ich stolzer Besitzer eines Radlgeschäfts.“

Eigentlich war das Ladenlokal im Bahnhof von Beginn an viel zu klein. Und als sich 2015 die Gelegenheit ergab neue Räumlichkeiten im Gewerbegebiet an der Bretonenbrücke anzumieten, schlug er zu. Die Entscheidung fiel ihm umso leichter, weil er seit dieser Zeit auch noch halbtags bei der Tölzer Lebenshilfe angestellt ist, wo er im Wohnheim eine Gruppe mit acht behinderten Menschen betreut. „Für den Kopf ein sehr guter Ausgleich zum manchmal stressigen Radlgeschäft.“

Mit seinem „Einsatzfahrzeug“ ist der Radl Rasti bei Radl-Langstrecken-Rennen und hilft den Aktiven bei Problemen.

Mit seinem neuen Mitarbeiter Andreas Pscheidl geht alles viel schneller

„Ich kenne natürlich den Ruf meines Ladens: Er arbeitet gut. Aber man wartet bei einer Reparatur ewig“, lächelt der Lenggrieser Radl Rasti. Doch gerade auf letzteren, berechtigten Vorwurf hat er bereits reagiert. „Seit Anfang des Jahres hilft mir in der Werkstatt nun Andreas Pscheidl. Jetzt geht alles viel schneller.“ Pscheidl ist ein Radl-Schrauber mit langjähriger Erfahrung als Mechaniker bei Elite-Fahrern. Derzeit arbeitet er auch noch als Chefschrauber für den Rennstall „Santa Cruz“. Gerade dessen wahnsinnig großes rennmäßiges Know-how, kommt jetzt auch der Lenggrieser Radl-Werkstatt zu Gute. „In Sachen Federgabeln, Dämpfer und absenkbaren Sattelstützen ist der Andreas topfit. Das hilft hier enorm weiter. Ich hoffe so, dass mein schlechter Ruf in Sachen Wartezeiten bald der Geschichte angehört.“

Insgesamt verfolgt der Radl Rasti nicht nur wegen der aktuellen Knappheit auf dem Markt für Ersatzteile einen nachhaltigen Ansatz: „Wir versuchen stets, so lange es irgend möglich ist, Teile zu reparieren. Erst wenn wirklich nichts mehr geht, greifen wir zum Ersatzteil. Außerdem – wir können es halt auch.“ Dabei kommt der Werkstatt derzeit das riesige Ersatzteillager zu Gute, oder auch viele noch tadellos funktionierende gebrauchte Teile von ausgeschlachteten Fahrrädern. „Auch wenn es mit Neubestellungen von Ersatzteilen Corona-bedingt derzeit hapert, meistens können wir bei Problemen irgendwie weiterhelfen.

Geöffnet ist die Werkstatt Montag und Freitag jeweils von 13 bis 18 Uhr durchgehend, an den Samstagen von 9 bis 13 Uhr. In der übrigen Zeit wird fleißig in der Werkstatt gearbeitet. Nach Terminvereinbarung ist der Radl Rasti auch darüber hinaus für seine Kunden da, oder bei Notfällen: „Ich bring es einfach nicht übers Herz, etwa einen Radtouristen mit einer Panne weiter zu schicken. Ich denke mir da immer, ich bin auch immer froh wenn mit auf einer Reise mit Radl-Problemen geholfen wird. Es ist wohl diese Einstellung, die zu dem Geschäftsslogan führte: „Wir sind die Guten.“

Jede Menge Spezialwerkzeug hängt für „nachhaltige“ Reparaturen hier an der Wand.

Verkauf von Rädern aller Art – Zahlreiche namhafte Marken vertreten

Etwas versteckt ganz hinten im Lenggrieser Gewerbegebiet an der Bretonenbrücke liegt das Geschäft von Radl Rasti schon: „Aber das ist offensichtlich kein Problem für meine Kunden. Vom ersten Tag an nach dem Umzug aus dem Bahnhofsgebäude ist es hier gut angelaufen.“ Auch wenn Service und Reparaturen hier im Vordergrund stehen, bietet der Radl Rasti alles rund ums Radl zum Verkauf an.

„Bei mit gibt’s alle Arten von Fahrrädern. Vom Kinderrad mit 16 Zoll großen Rädern, über die Omaräder, die so genannten Tiefeinsteiger und City-Bikes bis hin zu MTB’s und E-Bikes.“ In erster Linie sind hier dabei die Marken Orbea, Raymon, Husqvarna, MyBoo (Bambusräder), Feldmeier und Hohe Acht vertreten. Ganz aktuell sind hier derzeit die Gravel-Bikes. So etwas habe ich selbst auf einer Neuseeland-Tour getestet und demnächst will ich mit so einem Radl vom italienischen Stiefel aus heim in den Isarwinkel radeln.

Natürlich hat der Radl Rasti auch an eine große Party zum 20. Geburtstag gedacht: „Aber in Folge der aktuellen Corona-Beschränkungen werden wir den runden Geburtstag meines Geschäfts zu einem späteren Zeitpunkt feiern.“

Und auch das Thema Radrennen drückt den Radl Rasti, der etwa zusammen mit Dominik Scherer etliche Tandem-Wettbewerbe weltweit bestritten hat, „aus Leidenschaft immer noch. So ein 24 Stunden-Rennen wäre schon schön.“ Letztlich bedankt er sich bei allen Isarwinkler Radfahrern dafür, „dass sie immer noch zum mir als Zuagroastem kommen. Und sorry, wenn es wieder einmal ein wenig länger gedauert hat.“

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