Mehrheit will Mauerbau

MARO darf Mehrgenerationenhaus mit hohem Schallschutzwall errichten

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Verteidigte die Wandhöhe: Maro-Projektleiter Ralf Schmid (r.).

Wolfratshausen – Mit 16 zu 8 Stimmen befürwortete der Stadtrat, dass die Maro Genossenschaft an der Sauerlacher Straße 15 ein Mehrgenerationenhaus mit einer 3,50 Meter hohen und etwa 25 Meter langen Mauer errichten darf. Und auch in der Bevölkerung gibt es mittlerweile viel Zustimmung für das Projekt – wie sich bei einer öffentlichen Informationsveranstaltung im evangelischen Gemeindesaal der Kirche St. Michael zeigte.

MARO-Projektleiter Ralf Schmid und Architekt Florian Nagler stellten die Pläne fünf Tage vor der Stadtratssitzung den rund 60 Bürgern vor. Demnach ist neben der Sanierung des denkmalgeschützten alten Krankenhauses an der Sauerlacher Straße 15 ein Neubau mit 22 genossenschaftlichen Mietwohnungen mit Größen zwischen 50 und 122 Quadratmetern Wohnfläche geplant. Mehr als die Hälfte der Wohnungen werden im Fördermodell „Einkommensorientierte Förderung“ des Freistaat Bayern erstellt.

Die von Florian Nagler entworfene Architektur ist ausgelegt auf Kommunikation und Begegnung. So gibt es einen Gemeinschaftsraum, ein Gästeappartement und einen Gemeinschaftsgarten. Alle Wohnungen sind barrierefrei. Gegen dieses Konzept hatten die Stadträte nichts einzuwenden. Umstritten bleibt indes nach wie vor die Höhe der Mauer.

Denn um den Außenraum für die Bewohner nutzbar zu machen, soll der Garten durch eine Hofmauer vom Verkehrslärm der Sauerlacher Straße abgeschirmt werden. Ohne diese Schallschutzmaßnahme sind die errechneten Außenlärmpegel so hoch, dass ein dauerhafter Aufenthalt im Garten baurechtlich nicht zulässig wäre. „Ein Mehrgenerationenhaus funktioniert nur mit einem Außenbereich, der Aufenthaltsqualität hat – und die gibt es nur mit Schallschutz“, erklärte Schmid.

Architekt Florian Nagler verwies darauf, dass Messungen an der stark befahrenen Kreuzung höhere Werte als die zulässigen 70 Dezibel ergeben hätten. Eine gläserne Wand würde den Schall im Hof zwar ebenfalls reduzieren, komme für Nagler aus ästhetischen Gründen aber nicht infrage. Und eine Begrünung würde den Lärmpegel seiner Ansicht nach nur unwesentlich reduzieren. Stattdessen soll eine Mauer aus Ziegeln und absorbierendem Material errichtet und in den Nischen mit wildem Wein oder Efeu begrünt werden. „Die Mauer wird sich harmonisch in das Gesamtensemble einfügen“, versprach Nagler.

In der anschließenden Diskussionsrunde sprach sich der Wolfratshauser Eberhard Hahn sogar für eine Erhöhung der Mauer aus. „Um die Lebensqualität der Bewohner zu sichern, wären 3,85 Meter angebracht“, glaubt Hahn. Diese Höhe entspricht der ursprünglichen Vorlage der MARO, die sie jedoch später auf 3,50 Meter reduzierte. CSU-Stadtrat Alfred Fraas, der auf der gegenüberliegenden Straßenseite wohnt, bleibt jedoch nach wie skeptisch.

Ebenso wie seine CSU-Fraktionskollegen und die Mitglieder der neu gegründeten Wolfratshauser Liste, befürchtet er die Schaffung eines Präzedenzfalls und die Errichtung weiterer Mauern in Wolfratshausen. In der Stadtratssitzung enthielt sich Fraas wegen Befangenheit seiner Stimme. Vor der Abstimmung überreichte CSU-Fraktionssprecher Günther Eibl an Bürgermeister Klaus Heilinglechner insgesamt 530 Unterschriften von Mauergegnern. Die Initiative blieb erfolglos, sodass der Bau des Mehrgenerationenhauses wahrscheinlich im Herbst 2020 beginnen wird.Peter Herrmann

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