Mehrheit für Planetarium

Die Mehrheit im Stadtrat votierte für Abriss und Neubau des Schütt-Hauses am Tölzer Schlossplatz (im Bild links), obwohl der Neubau nur die Zinsen, nicht aber die Tilgung des benötigten Darlehens erwirtschaften kann.

Es war eine schwere Geburt. Doch nach rund 1,5-stündiger Debatte hat dann doch eine große Mehrheit von 18 zu 6 Stimmen im Stadtrat für den Abriss des „Schütt/Judenhoferhauses“ am Schlossplatz und für den Wiederaufbau, in dem ein Planetarium Platz finden soll, votiert.

Tatsache ist, dass das der Stadt gehörende Gebäude direkt neben dem Marionettentheater einsturzgefährdet ist und aus Sicherheitsgründen Handlungsbedarf besteht. Aber auch, dass sich die Baukosten auf rund 1,2 Millionen Euro belaufen und dass mit der künftigen Nutzung als Planetarium und als Wohnhaus mit Büroräumen nur die laufende Zinsbelastung, nicht aber die Tilgung des Darlehens erwirtschaften lässt. Somit muss die Stadt in den nächsten acht Jahren jeweils ein paar 100.000 Euro an die Greiner-Stiftung überweisen, aus deren Vermögen das Darlehen aufgenommen werden soll. Das waren genug Argumente für die Gegner dieser Variante, zu denen die vier Grünen-Stadträte, sowie die beiden CSU-Mandatsträger Anton Mayer und Robert Paintinger zählten. Bürgermeister Josef Janker (CSU) erklärte, von dem Planetarium von Anfang an begeistert gewesen zu sein. Er bezeichnete es, wie auch Wolfgang Buchner (FW), als eine Attraktion. Auch von der SPD kam Zustimmung: Georg Eberl sprach von einer guten Werbung für die Kurgäste und Camilla Plöckl schwärmte gar von einem neuen Pauschalangebot „Heiraten in Bad Tölz unterm Sternenhimmel“. Anton Heufelder (CSU) zeigte sich überzeugt, andere Kommunen wären froh, so ein Planetarium zu haben. Kämmerer Hermann Forster hatte dem Stadtrat mehrere Nutzungsmöglichkeiten für das neue Gebäude vorgestellt, ferner Finanzierungsvarianten, die alle mit einem Minus endeten – selbst diejenigen, die einen teilweisen Verkauf der Wohnungen und der Büroräume vorsahen.Für Andrea Grundhuber (Grüne) war dies Anlass für die Aussage, die Stadt habe viele Defizite im Schul- und Kinderbereich. In der Vergangenheit habe der Stadtrat wegen knapper Kassen notwendige Investitionen immer wieder zurückgestellt, „und für ein Planetarium ist plötzlich Geld da“. Sie forderte eine Bürgerbefragung, ob die Bevölkerung das Planetarium überhaupt wolle. Janker lehnte dies ab. Grünen-Sprecher Franz Mayer-Schwendner („bei dem Finanzierungsplan steigt bei mir der Puls“) schlug vor, das Grundstück einem Bauträger anzubieten. Denn vielleicht könne dieser eine finanziell bessere Lösung erarbeiten. Buchner bezeichnete dies als indiskutabel. Anton Mayer (CSU) hingegen bezweifelte mit Hinweis auf andere städtische Bauten in jüngster Zeit, dass man wohl auch hier die veranschlagten Baukosten nicht einhalten könne und das Defizit noch größer werde. Fraktionskollege Paintinger sprach sich für einen Verkauf des Geländes aus und kritisierte Forsters Kalkulation als „bewusst runtergerechnet“, um das Planetarium zu rechtfertigten. Laut Forster stammen die Zahlen vom Bauamt selbst und auch von einem privaten Architekten. Sie würden übereinstimmen. Jetzt muss die Verwaltung Finanzierungsverträge erarbeiten und sie dem Hauptausschuss zur Beschlussfassung vorlegen.

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