„Mit Spätfolgen ist zu rechnen“

Landratsamt zieht Bilanz über die Jugendsozialarbeit in den Corona-Monaten

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Jugendamtsleiter Ulrich Reiner machte klar: In der Folge der Corona-Pandemie werde das Landratsamt verstärkt ein Auge auf die betreuten Kinder und Familien werfen.

Bad Tölz/Landkreis – Die coronabedinge Schließung von Schulen und Kindergärten hatte nicht nur negative Auswirkungen auf die Familien im Landkreis. Zu diesem Schluss kam Jugendamtsleiter Ulrich Reiner in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Jugend und Familie im Tölzer Landratsamt, als er über den Einsatz der Jugendsozialarbeit (JAS) in den vergangenen Monaten berichtete.

Der Vater von zwei Kindern räumte ein, dass es „in normalen Zeiten“ für die Eltern nicht immer leicht sei, die Kinder rechtzeitig für den frühen Schulbeginn um 8 Uhr fertig zu machen und bereit für den Beruf zu sein. Hier brachte das „Home-Schooling“, seiner Meinung nach sogar Erleichterung, die Kinder konnten ausschlafen und ihre Aufgaben im Laufe des Tages erledigen. Manche Väter, die ansonsten frühmorgens außer Haus gegangen waren, hätten „mehr Verantwortung übernommen“, natürlich nicht überall. Meist sei doch die Betreuungstätigkeit während des Lockdowns auf die Mütter entfallen.

Im Jugendamt blieb man dennoch nicht untätig, 72 Kinder im Landkreis wurden der Notbetreuung in den Schulen und Kindergärten zugewiesen. Auch Polizei, Angehörige und Nachbarn sowie Ärzte hätten weiterhin viele Kinder im Auge gehabt, um im Notfall Alarm geben zu können. Eine Zunahme an Gewalt vorwiegend durch Väter habe man nicht feststellen können. Dennoch wollte sich Reiner mit Prognosen zurückhalten, es könnte ja sein, dass man nicht alles erfahren habe und „mit Spätfolgen zu rechnen ist.“ Eine schwierige Zeit war die erste Corona-Phase für die 70 vom Tölzer Jugendamt betreuten Kinder, die in Heimen untergebracht sind. Aufgrund der Staatlichen Vorgaben duften sie nicht, wie sonst üblich, an den Wochenenden nach Hause. Probleme gab es auch bei Scheidungskindern, bei denen der Ex-Partner den Umgang des Kindes mit dem anderen Elternteil einschränken wollte. Hier habe die Politik aber entschieden, dass beide Elternteile weiterhin den üblichen Umgang mit den Kindern haben dürfen. Auf die Frage von Susanne Merk (FW), ob die Krise auch Auswirkungen auf die Belegung des Frauenhauses gehabt habe, meinte Reiner, ihm sei darüber nichts bekannt. Allerdings könnte es beim Thema Gewalt natürlich eine Dunkelziffer gegeben. Die Freien Träger hätten sich trotz der Einschränkungen um 130 Familien gekümmert, „sie wurden trotz anfänglicher Probleme nicht allein gelassen.“ Insgesamt wurde aber deutlich, dass es viele unbekannte Faktoren gibt, man werde also in nächster Zeit „extrem achtsam sein“, so Reiner. bo

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