Mittelschule läuft gut an

Zufrieden: Verbundkoordinator Peter Altstidl (l.), Schulrätin Marianne Konrad und Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel. Foto: Kapfer-Arrington

Wo einst das Staatliche Schulamt diktierte, können die Kommunen mittlerweile selbst bestimmen. So umschreibt Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel den größten Vorteil, den er in der Mittelschule erkennt. Seit einem Jahr ist der Mittelschulverbund Isar-Loisach in Kraft – und ein erster „Kassensturz“ zeigt: Die Rechnung geht auf. Vor allem, weil die Symbiose mit regionalen Unternehmen gut funktioniert.

Seit gut einer Woche sind Ferien. Nicht aber für Schulrätin Marianne Konrad. Sie trug in den zurückliegenden Tagen jede Menge Daten zusammen und konnte gegenüber Demmel und Verbandskoordinator Peter Altstidl vermelden: „Die Mittelschule, ein echter Erfolg.“ Konrad verwies etwa auf die Regelklasse 9 im Verbund, zu denen die Gemeinden Dietramszell, Geretsried, Wolfratshausen und Königsdorf gehören. Von 162 Schülern im Jahr 2011/12 hätten 119 den Hauptschulabschluss mit Qualifikation („Quali“) erreicht, 40 Schüler einen Hauptschulabschluss. Nur drei Schüler blieben ohne Abschluss, wobei es sich hier hauptsächlich um Neuzuzüge aus dem Ausland handelte, die etwa ohnehin eine Wiederholung planten. 111 von den 162 Mittelschülern verfügen bereits über einen Ausbildungsplatz, 26 besuchen weiterführende Schulen. „Unversorgt“ bleiben 16, wovon acht eigentlich nicht unversorgt sind, wie die Schulrätin feststellte. Sie besuchen nämlich das „Berufsvorbereitende Jahr“. Konrads Fazit: „Die Quote der tatsächlich Unversorgten ist bei uns gegenüber dem bayernweiten Schnitt gering.“ Als großen Erfolg verbuchte sie ferner die „Ganztagsklasse 9“, die in Wolfratshausen und Geretsried angeboten wurde. Von den 39 Schülern hätten 30 einen Quali geschafft, sieben den Hauptschulabschluss. Zwei Jugendliche blieben ohne Abschluss, müssen aber aufgrund ihres Migrationshintergrunds eine weitere sprachliche Förderung erhalten. 23 Jugendliche verfügen bereits über eine Lehrstelle, elf besuchen weiterführende Schulen. Nur ein Schüler ist unversorgt, zwei wiederholen die Ganztagsklasse. Einen wichtigen Stellenwert für die Mittelschule nimmt die Praxisklasse ein, die an der Geretsrieder Karl-Lederer-Mittelschule angesiedelt ist (Lesen Sie hierfür einen separaten Bericht auf Seite 4). Die mittlere Reife erreichten laut Schulrätin Marianne Konrad über die „M 10“ 56 von 58 Schülern. Ein Schüler wiederholt, einer ist noch unversorgt. 32 der M10-Schüler haben eine Lehrstelle gefunden, 23 gehen auf weiterführende Schulen. Königsdorfs Bürgermeister Anton Demmel lobte die Mittelschule vor allem deshalb, weil jetzt die Kommunen die Möglichkeit hätten, die Strukturen der Mittelschule mit zu regeln. „Das ist eine Chance, kein Nachteil“, sagte er. Schließlich könnten sich in den Schulverbundsversammlungen auch Elternbeiratsvorsitzende und Schülersprecher einbringen. Noch bis vor einem Jahr sei viel zu viel vom Schulamt diktiert worden. Das könne sich nun auf die fachliche Begleitung und die Zuweisung von Personal konzentrieren, wie Konrad einräumte. Demmel zeigte sich angesichts der vorgestellten Ein-Jahres-Bilanz derart zufrieden, dass er sagte: „So viele Kinder in einen Beruf zu bringen, das schafft kein Gymnasium.“ Wie Konrad sieht auch Demmel den Vorteil in der Mittelschule, dass die wohnortnahe Beschulung bestehen bleibt. Ein nicht zu unterschätzendes Argument, wie auch Verbundkoordinator Peter Altstidl unterstrich. Er berichtete von einer Fünftklasslerin, die mit jeweils der Note zwei in den Fächern Deutsch und Mathe locker hätte auf die Realschule wechseln können, „aber lieber auf der Mittelschule bleiben wollte“. Das Elternhaus habe hier erkannt, dass es nach Abschluss dieser Schule eben praktikable Wege bis hin zum Studium gebe, etwa über die Berufsoberschule. „Manche Kinder sind eben mehr der Praxis zugeneigt“, sagte er. Und genau hier setzt die Mittelschule ganz kräftig an. Denn bereits in der fünften Klasse würden Schüler ans Thema „Beruf“ herangeführt. Was sich in den Folgejahren freilich verstärkt, etwa über den „Tölzer Trichter“, einer intensiven Zusammenarbeit mit der Berufsschule: Ein Berufsschullehrer stellt seine Schule an der Mittelschule vor. In der achten Klasse folgt dann ein Schnuppertag, wo die Kinder mindestens eine, maximal drei Berufsfelder an Nachmittagen kennen lernen. Oder dann in der neunten Klasse gezielt in die Berufsschule gehen. Praktika gehen ohnehin einher, würden ähnlich wie der Praxistag und Betriebserkundungen längst zu einer engen Verzahnung mit ortsansässigen Unternehmen führen, wie Altstidl, selbst Rektor an der Wolfratshauser Hammerschmied-Mittelschule, festhielt. Für Bürgermeister Demmel ist der praxisnahe Ansatz der Schlüssel zum Erfolg. Er plädiert dafür, Eltern von Viertklasslern die Angst vor dem Übertritt an die Mittelschule zu nehmen. Als Bürgermeister kenne er schließlich die Gewerbesteuerbescheide der örtlichen Firmen. „Und mit Verlierern hat das nichts zu tun“, sagte er. Er will bei künftigen Informationsabenden zum Übertritt jeweils Gewerbetreibende hinzuziehen, die dann aus ihrer Sicht der Dinge erzählen können, wie sie es vom Handwerker zum erfolgreichen Unternehmer geschafft hätten. Damit will Demmel die Mittelschule stärken. Wie viele Kinder im kommenden Schuljahr die Mittelschule besuchen, steht laut Schulrätin Konrad noch nicht abschließend fest. Sie ist sich aber sicher, dass es konstant bleiben wird. „Und das ist für uns auch schon ein Erfolg.“ Thomas Kapfer-Arrington

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