Amtsgericht: Morddrohungen nicht nachweisbar

Richter spricht 42-jährigen Lageristen frei, der seinen Chef (67) geohrfeigt haben soll

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Kein Attest, keine Augenzeugen, keine Anzeige: Richter spricht Angeklagten frei, der seinen Chef von einem Geltinger Unternehmen bedroht haben soll. 

Gelting/Wolfratshausen – Mit stark voneinander abweichenden Aussagen eines Lageristen und seines Vorgesetzten musste sich vor kurzem das Amtsgericht auseinandersetzen. Am Ende wurde der Angeklagte aus Mangel an Beweisen von den Vorwürfen der vorsätzlichen Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung freigesprochen.

Am 7. November 2019 soll der 42-Jährige im Lager eines im Geltinger Gewerbegebiet ansässigen Unternehmens zunächst mit einer leeren Plastikflasche auf den Kopf seines Chefs gehauen und ihn danach etwa eine halbe Stunde lang geohrfeigt haben. Weil der Lagerist zudem gedroht haben soll, seinen Vorgesetzten umzubringen, verständigte dieser aus Angst vor Sanktionen erst drei Wochen später die Polizei. Ein Fehler, wie sich nun bei der Verhandlung am Amtsgericht zeigte.

„Wir haben nur geredet, sonst war nichts“, behauptete der Angeklagte. Weil er sich zuvor oft krankgemeldet hatte und die ihm aufgetragenen Aufgaben nach Auffassung des Geschäftsführers unzuverlässig ausführte, sei es schon früher zu Auseinandersetzungen gekommen. „Er hat den Chef einmal sogar am Kragen gepackt“, berichtete eine Mitarbeiterin. Eine Abmahnung gab es nach diesem Vorfall nicht.

Noch dramatischer soll sich der Nachmittag des 7. Novembers gestaltet haben: Zu diesem Zeitpunkt waren der 67-jährige Arbeitgeber und der Lagerist für eine halbe Stunde alleine in der Lagerhalle. Bei der Darstellung der Ereignisse rang der Münchner im Gerichtssaal um Worte: „Er schlug mir zunächst mit der Flasche auf den Kopf und verpasste mir dann zwei Watschen, sodass ich auf den Boden fiel“, berichtete er. Danach sei von ihm verlangt worden sich wie bei einem Verhör auf einen Stuhl zu setzen. „Er sagte mir, er sei Soldat gewesen und wisse, wie man Leute umbringt, ohne Spuren zu hinterlassen“, so der Inhaber weiter. Danach habe er weitere Ohrfeigen erlitten.

Kurz bevor eine in Teilzeit beschäftigte Mitarbeiterin eintraf, soll der Lagerist von seinem Opfer abgelassen haben. „Er drohte mir, mich umzubringen, falls ich die Polizei verständige“, beendete der 67-Jährige seine Ausführungen. Unter Schock stehend sei er dann zu seiner Frau nachhause gefahren und habe die nächsten Wochen Psychopharmaka eingenommen, um seine Nerven zu beruhigen. Zudem schrieb er eine fristlose Kündigung an seinen Mitarbeiter und ließ die Schlösser seines Unternehmens in Gelting auswechseln.

Auf Anraten seines Anwaltes erstattete er drei Wochen nach dem Vorfall eine Strafanzeige. Auf eine ärztliche Untersuchung verzichtete der Unternehmer. „Ich hatte nur leichte Schwellungen und eine Einblutung im Auge, die psychischen Folgen waren viel schlimmer“, behauptete er. Da kein Attest vorlag, es außer den Beteiligten keine Augenzeugen gab und der Vorfall nicht umgehend bei der Polizei gemeldet wurde, gestaltete sich die Beweisführung in der Verhandlung schwierig.

„Ich bin der Auffassung, dass sicher etwas passiert ist, aber ich kann es nicht nachweisen“, bedauerte Richter Helmut Berger. In Übereinstimmung mit dem Staatsanwalt und Rechtsanwältin Carlota Hagemeyer, sprach er den Angeklagten frei. ph

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