Von Damenbinden bis Wodkas

Müllsammler Nikolaus Schöfmann (71) räumt an der Isar und Loisach auf

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Engagiert sich als ehrenamtlicher Müllsammler: Nikolaus Schöfmann ist Aufräum-Aktivist und lebt in Geretsried. Bewaffnet mit stabilen Gummistiefeln und einer Müllzange streift er durch Wälder und Auen und entsorgt dort teilweise gefährliche Gegenstände wie Glasscherben.

Geretsried – Seit rund sechs Jahrzehnten sammelt Nikolaus Schöfmann an den Ufern von Isar und Loisach sowie in Waldstücken und an Straßenrändern Müll. Selbst die Corona-Krise kann den 71-jährigen Geretsrieder in seinem ehrenamtlichen Engagement nicht stoppen.

Ausgerüstet mit Neoprenhandschuhen, Gummistiefeln und einem mechanischen Müllgreifer, befördert der Rentner zum Beispiel Damenbinden, Glasflaschen, Spraydosen, Babywindeln und Kronkorken in große Plastiksäcke und lässt sie dann beim Bauhof entsorgen. „Durch die Ausgangsbeschränkungen sind während der Corona-Krise zwar etwas weniger Ausflügler als sonst unterwegs“, berichtet Nikolaus Schöfmann als er durchs Unterholz stapft. Dennoch reicht eine Fläche von etwa 100 Quadratmetern an dem Parkplatz vor der Tattenkofener Brücke aus, um binnen einer Stunde zwei Säcke zu füllen.

„Gehirnamputierte Idioten“

Im Rahmen seiner im April durchgeführten Aufräum-Aktionen war der ehrenamtliche Müllsammler zudem an drei Tagen in Geretsried und Wolfratshausen unterwegs und entdeckte allerlei Unrat. „Von einer großen Styroporplatte über Plastiktüten bis zu rund 80 kleinen Wodkaflaschen war alles dabei“, nannte er Beispiele. Für die Umweltsünder fehlt Schöfmann jegliches Verständnis: „Das sind gehirnamputierte Idioten, die überhaupt nicht nachdenken“, ärgert er sich. Denn viele vergessen, dass die vollständige Zersetzung von Plastik in manchen Fällen sogar über 400 Jahre dauern kann.

Goldene Müllzange

Besonders mühsam sei es zudem, im Waldboden eingetretene Zigarettenstummel zu beseitigen. Beim Aufheben von Glasscherben oder scharfen Metallteilen erweist sich eine Müllzange als hilfreich. „Die ist Gold wert“, weiß Schöfmann. Dass er sich noch nie Schnittverletzungen zugezogen hat, liegt auch an seinen Neoprenhandschuhen und seinen robusten Gummistiefeln.

Sisyphus von Geretsried

Als Mitglied des Bezirksfischereivereins Wolfratshausen war es ihm auch ein Anliegen, die Fischaufstiegshilfe am Kastenmühlwehr zu reinigen. Dort hat er vor vielen Jahren auch mal einen schweren Tresor in der Loisach entdeckt. „Der konnte nur mit einem Bagger aus dem Fluss gehoben werden“, erinnert sich Schöfmann.

Den in Geretsried gesammelten Müll bringt er meist zum Bauhof. Dort stehen Container bereit. Oft kommt sich Schöfmann dabei vor wie Sisyphus – eine griechische Sagenfigur, die einen Felsbrocken immer wieder auf einen steilen Hang rollen muss. „Das Müllsammeln ist eine unendliche Geschichte“, räumt Schöfmann ein. „Aber wenn ich und andere Helfer gar nichts machen würden, würde es schlimm aussehen!“, ist sich der 71-Jährige sicher. Peter Herrmann

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