Illusorische Performance

Münchner Band Liliath nutzt Hinterhalt-Livestream für extravaganten Auftritt

Setzen auf schillerndes Outfit und pathetische Texte: Liliath aus München.
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Setzen auf schillerndes Outfit und pathetische Texte: Liliath aus München.

Gelting – Im Dezember musste das im Rahmen der Geretsrieder PiPaPo-Kulturtage eingeplante Konzert von Liliath aufgrund der Erkrankung eines Technikers kurzfristig abgesagt werden. Nun holte die Band das Konzert in der Kulturbühne Hinterhalt nach.

Der Anfang klang wie der Beginn eines Märchens der Gebrüder Grimm. „Es war einmal oder war auch nicht ein Menschlein namens Zweigesicht, das sang und rang nach Worten an Orten voller Nacht und Licht“, war aus den Lautsprecherboxen zu hören. Gemeint war das Alter Ego von Miriam Arens, die kurz darauf grell geschminkt und in schillerndem Rock gekleidet zusammen mit vier weiteren Mitgliedern der Band Liliath den ersten Song eines in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen Konzertabends anstimmte.

Dabei klang schon das Eröffnungsstück „Of White Bubbles“ wie die Hintergrundmusik zu einer Zirkusaufführung, die alle Sinne herausforderte. Sängerin Miriam Arens nannte es eine „illusorische Performance“, strich einmal kurz über ihre langen Zöpfe und bedankte sich schon vor dem zweiten Stück bei den Veranstaltern. Denn der Auftritt der seit 2016 in dieser Besetzung spielenden Band hätte eigentlich schon am 22. Dezember im Rahmen der Geretsrieder Kulturtage PiPaPo Pinsel, Pauke und Poesie stattfinden sollen, musste aber dann aufgrund der Erkrankung eines Technikers kurzfristig um einen Monat verschoben werden.

Wer den Youtube-Kanal des Hinterhalts anklickte, staunte zunächst über die Bühnenpräsenz und die variantenreiche Stimme der ausgebildeten Jazzsängerin. Das Klavierspiel von Max Oswald, die Violine von Niki Kampa, der Bass von Boris Boskovic und das Schlagzeug von Rainer Huber blieben meist dezent im Hintergrund. Ausufernde Solo-Einlagen gab es nicht.

Sängerin mit Sozialneurose

Stattdessen erzählte Arens über ihre „kleine Sozialneurose“, gescheiterte Beziehungen und innere Erleuchtungen. Diese esoterisch angehauchten Bekenntnisse erinnerten in einigen Momenten an die therapeutischen Stuhlkreise von Selbsthilfegruppen. Da tat es gut, wenn die Musik oder visuelle Reize wieder die Oberhand gewannen. So präsentierte Arens beim Stücken „Klingen aus blankem Stahl“ ihre um fast 20 Zentimeter verlängerten Fingernägel, die wie die gefährlichen Krallen einer mittelalterlichen Hexe aussahen. Mit den eingespielten Geräuschen einer knarzenden Tür und eines Gewitters endete die abwechslungsreiche Bühnenshow der Band Liliath, die in Zukunft vielleicht noch mehr auf ihre musikalischen Qualitäten und visuellen Showelemente setzen sollte. Die mit Pathos überladenen Texte sowie die ausgedehnten Einblicke in seelische Abgründe waren dagegen gewöhnungsbedürftig. Peter Herrmann

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