Spielwiese für den Ernstfall

Münchner Berufsfeuerwehr probt in Geretsried realistische Einsatzabläufe

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Verschiedenste Einsätze spielten Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr München für drei Tage an der Feuerwehrschule Geretsried durch
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Verschiedenste Einsätze spielten Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr München für drei Tage an der Feuerwehrschule Geretsried durch

Geretsried – Ein kleines Schild, das da an einem Transporter klebt, der gerade auf einen Lkw mit Heizöl aufgefahren ist – und Feuerwehrmann Theo Keilhan muss auf einmal gleich mit viel größerer Sorgfalt vorgehen, wenn er seine Einsatzkräfte zum Unfallort schickt. Denn: Der Van hat radioaktives Material geladen. Glücklicherweise nur Teil einer Übung in der Staatlichen Feuerwehrschule Geretsried. Die stellte der Berufsfeuerwehr (BF) München nämlich für drei Tage ihr Gelände zur Verfügung. Und die „Spielwiese“ in Freistadt, wie sich die nachgebaute Übungsstadt nennt, kam bei den Feuerwehrlern gut an.

Die Münchner Berufsfeuerwehr hat selbst auch eine Feuerwehrschule. „Aber mit der Zeit kennt man als Feuerwehrmann dort jeden Winkel“, sagt Stefan Kießkalt, Pressesprecher der Münchner Berufsfeuerwehr. Nicht so in Freistadt. Das Areal bietet unzählige Möglichkeiten, Unfall-Szenarien nachzustellen und Einsatzkräfte zu fordern. So auch bei dem vermeintlich harmlos aussehenden Auffahrunfall. Nach einer ersten Lagesichtung durch den Gruppenführer Theo Keilhan, gibt er weitere Anweisungen. Personen – darunter ein Gaffer, der Handyfotos schießt – aus dem Gefahrenbereich entfernen, diesen erst einmal mit Flatterband kennzeichnen. Parallel legen Einsatzkräfte Atemschutzgeräte an, ziehen sich spezielle Kontaminationsschutzhauben an. Mit einem Messgerät nähern sie sich dann dem Lieferwagen. Mittlerweile weiß der 24-Jährige Einsatzleiter auch vom Fahrer, dass er radioaktives, medizinisches Kontrastmittel im Fahrzeug hat. Die Messungen ergeben keine Leckage, die aufgebaute Dekontaminationswanne für die beiden Feuerwehrleute im Gefahrenbereich braucht es nicht. Übungsende. Und Nachbesprechung. Denn das Vorgehen wurde genau beobachtet von den BF-Ausbildern. Nun gibt es fast nur Lob. Der 27-Jährige hat mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln alles richtig gemacht. Professionell beantwortet er schließlich die Fragen der Journalisten – auch das könnte ihm im Ernstfall so geschehen. Und so werden die Medienvertreter gleich selbst zu Statisten.

Keilhans Mannschaft räumt derweil wieder das Material ins Fahrzeug – und stöhnt ein bisschen, als die Ausbilder Tempo machen: „Die nächste Übung beginnt bald.“ Zeit, sich zu erholen, bleibt da nicht, wäre aber durchaus nötig: Denn der nächste Einsatz soll die Feuerwehrleute, die sich im Grundlehrgang oder in Fortbildung zum Gruppenführer befinden, ordentlich fordern. Pkw-Brand in einer Tiefgarage eines Wohn- und Geschäftshauses, mehrere Personen im verrauchten Gebäude.

Ein Großaufgebot der insgesamt 130 BF-Kräfte rückt an und findet ein durchaus realistisches Lagebild: Das mehrstöckige Gebäude ist verraucht, Qualm dringt aus Fenstern, an denen mehrere Personen um Hilfe rufen. Die Führungskräfte des Einsatzzuges sind voll gefordert, die richtigen Entscheidungen zu treffen: Wo soll sich die Drehleiter positionieren, wo die Löschfahrzeuge, welche Trupps gehen ins Gebäude, um Personen zu retten, welche Trupps übernehmen die Brandbekämpfung. Und überhaupt: Wo brennt es? Eine zu Übungszwecken ausgelöste Brandmeldeanlage gab Auskunft: In der Tiefgarage war ein Lieferwagen in Brand geraten. Der Fahrer hat zum Ausladen der Waren sämtliche Brandschutztüren verkeilt. Fatal: Denn der Rauch steigt nun ungehindert bis ins Obergeschoss des Gebäudes. Nach der sogenannten Chaosphase wird zügig abgearbeitet – Personen mittels Fluchthauben ins Freie geführt, Schlauchleitungen gelegt, per Drehleiter weitere Bewohner gerettet. Bei zwei eingesetzten Löschzügen die Übersicht zu bewahren ist eine Herausforderung. Und so kommt es, dass es in der Nachbesprechung auch Kritik hagelt: Einige Feuerwehrleute hatten auf Befehl eines anderen Zugführers Personen gerettet, obwohl sie den Brand in der Tiefgarage hätten löschen sollen. Ein Kommunikationsproblem. Doch genau das gilt es in Freistadt heute zu üben, damit der Fehler im echten Einsatz so nicht mehr Auftritt. Andreas Eppli, Ausbilder im Führungsbereich: „Fehler dürfen gemacht werden, wir sind zum Üben da.“ Die Fehler würden dann als „Lernpunkte“ wieder mitgenommen.

Feuerwehrschulleiter Dr. René Mühlberger beobachtet das Geschehen zusammen mit Oberbranddirektor Wolfgang Schäuble, dem Leiter der Münchner Berufsfeuerwehr: Mühlberger hat eigens drei Tage für die BF geblockt, nachdem es im vergangenen Jahr – als die Münchner Kameraden erstmals in Geretsried bei einem Lehrgang übten – nur positive Rückmeldungen gegeben habe. Hier könne man sehr realitätsnah üben, lobte denn auch Schäuble. Er erkannte einen derart guten „Simulatoreffekt“, so dass die Übenden gar nicht mehr mitbekommen würden, dass sie sich eigentlich nur in einer Übung befänden.

Das Angebot, drei Tage unterschiedlichste Szenarien üben zu können, kam gut an. Die Brandbekämpfer liefen jeweils zur Höchstleistung auf. So wie sie es gelernt haben. Und nachvollziehbar erschien dann der Hinweis von BF-Pressesprecher Klaus Heimlich: Die Kameraden werden heute allesamt um 17 Uhr völlig erschöpft ins Bett fallen. Die Einsatzkräfte widersprachen nicht. Und da wussten sie noch nicht einmal vom nächsten Übungseinsatz, zu dem gleich alarmiert wurde: Einem Unfall zweier Pkw mit einem Regionalzug. Thomas Kapfer-Arrington

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