Uferlose Skandale und Geschichten

Musikgeschichte um den Starnberger See – Buch „Blauer Himmel Blaue Wogen“

Mozart soll den Mönchen am Starnberger See ein Ave Maria gewidmet haben. Eine Tafel an der Seekapelle Bernried erinnert daran.
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Mozart soll den Mönchen am Starnberger See ein Ave Maria gewidmet haben. Eine Tafel an der Seekapelle Bernried erinnert daran.

Münsing/Starnberg – Der Starnberger See hat Musikgeschichte geschrieben. Zahlreiche berühmte Komponisten fanden an seinen Ufern Inspiration. So kannte Johannes Brahms nichts Schöneres, als im Sommer um fünf Uhr morgens für ein Bad ins Wasser zu steigen. Unter dem Eindruck des intensiven Naturerlebnisses entstanden bewunderte Kompositionen, wie sein vertontes Gedicht „Blauer Himmel, blaue Wogen“. So heißt auch das neue Buch des Musikwissenschaftlers und Unidozenten Dr. Christian Lehmann aus Starnberg, der eine Vielzahl von Beispielen in einer Art „musikalischem Wanderführer“ zusammengetragen hat.

Mit zum Teil überraschenden Ergebnissen. „Für viele Komponisten fiel ihr Aufenthalt mit einer entscheidenden Lebensphase zusammen“, so Lehmann. Prominentestes Beispiel ist wahrscheinlich Richard Wagner, der im Sommer 1864 in Kempfenhausen eine der skandalösesten Liebesgeschichten aller Zeiten anfing, und zwar mit der verheirateten Cosima von Bülow. Neun Monate später kam das erste Kind zur Welt. Fruchtbar war auch die musikalische Tätigkeit Wagners, denn seinerzeit entstand das berühmte „Siegfried-Idyll“. Am liebsten würde man sich die Melodie beim Lesen gleich nochmal anhören. Das dachte sich auch der Autor und hat deshalb eine Spotify-Liste mit den vom Starnberger See geprägten Komposition erstellt, über die der Leser über einen QR-Code im Buch gelangt.

Auch in der klassischen Musik ansonsten sattelfeste Leser erfahren Neues. So sind sich etwa die beiden Avantgarde-Künstler Arnold Schönberg und Wassily Kandinsky zum ersten Mal auf dem Dampfersteg in Berg begegnet. „Ich kam mit dem Dampfer und kurzer Lederhose an“, schrieb Maler Kandinsky Jahre später dem Freund. „Und sah eine schwarz-weiße Grafik: Sie waren ganz weiß angezogen und nur das Gesicht war tief schwarz.“

In der Musikwelt gibt es die Legende, nach der sich Mozart bei einer Stippvisite im Kloster Bernried mit einem Ave Maria ins Gästebuch der Mönche eingetragen haben soll. Ob das nun stimmt oder nicht, weiß auch Lehmann nicht. Aber er weist schlüssig nach, dass die Geschichte nicht die Erfindung eines Journalisten um 1900 war, sondern schon Jahrzehnte früher kursierte. „Es bleibt also weiter offen“, so Lehmann.

Über das grausige und schon weitem vernehmbare Trappeln der Holzschuhe beim Dachauer Todesmarsch 1945 ist viel geschrieben worden. Den Eindruck verarbeitete auch der Münchner Komponist Karl Amadeus Hartmann in seiner Komposition. Als Augenzeuge beobachtete er den Elendszug vom Garten seiner Schwiegereltern im Kempfenhausener Lüderitzweg.

zu kaufen

Das Buch „Blauer Himmel Blaue Wogen“ ist im Starnberger Apelles-Verlag erschienen und ist für knapp 13 Euro im Buchhandel bestellbar.

Das letzte Kapitel widmet sich dem 2002 verstorbenen Filmkomponisten Hans Posegga, der Ende der 1960er-Jahre nach Assenhausen bei Berg zog. In seinem Haus entstanden die weltberühmten Titel zu legendären ZDF-Vierteiler wie „Der Seewolf“. Es war aber eine ganz kleine Melodie, die den Tonkünstler unsterblich machte: „Die Sendung mit der Maus“. Die wohl bekannteste deutsche Kindersendung feiert nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag. ha

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