Oskar Pöhnl bleibt unvergessenMusiker gedenken dem verstorbenen Blues-Drummer der Stimulators

Oskar Pöhnl bleibt unvergessen

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Der Platz auf der Kulturbühne im Geltinger Hinterhalt musste für die Stimulators erweitert werden. 

Gelting – Zum zwölften Mal organisierte der Kulturverein Isar-Loisach (KIL) eine Livestream-Übertragung aus der Kulturbühne Hinterhalt. Diesmal versammelten sich rund 20 Musiker, um in Form von verschiedenen Auftritten ihrem im Mai verstorbenen Weggefährten Oskar Pöhnl zu gedenken und Geld für sein Begräbnis zu sammeln.

Der 1951 in der Oberpfalz als zwölftes Kind einer Arbeiterfamilie aufgewachsene Blues-Drummer erwarb sich schon in jungen Jahren den Ruf eines „Shuffle-Königs“. Später begleitete er unter anderem Blues-Größen wie Louisiana Red, Champion Jack Dupree und Tommy Tucker. Seit den 1990er-Jahren führten ihn Auftritte mit den Stimulators regelmäßig in die Kulturbühne Hinterhalt. „Er war der einzige, der immer mit Anzug und Hemd bei uns sein Schlagzeug aufgebaut hat“, erinnert sich Hinterhalt-Betreiberin Assunta Tammelleo.

Ihr ehemaliger Lebensgefährte Wolf Steinberger erhob zu Beginn der Aufzeichnung ein Stamperl Schnaps auf Pöhnl. Denn der verstorbene Musiker war – wie Stimulators-Bassist Uli Lehmann später im Gespräch mit dem Gelben Blatt erzählte – ein „charmanter Alkoholiker“. Auf langen nächtlichen Autofahrten zu weit entfernten Auftrittsorten besorgte er sich an Tankstellen immer wieder Weinbrand-Fläschchen und unterhielt die Bandmitglieder im Tourbus mit philosophisch geprägten Erzählungen. „Er konnte über alles Mögliche referieren und war der beste Beifahrer der Welt“, ergänzte Bandleader Peter Schneider. Passend zu seinem überraschenden Tod spielten die Stimulators den Song „Man Overboard“.

Bereits seit seiner Jugendzeit kannte Al Jones den Verstorbenen. Der Sohn eines schwarzen GIs und einer Deutschen trat mit Pöhnl später in ganz Europa auf. „Wir haben schon mit 16 Jahren unsere erst Band gegründet und dann einfach weitergemacht“, berichtete Jones vor seinem Auftritt. Bald verfeinerte der Drummer seine Shuffle-Technik und überraschte bei einem Auftritt der Stimulators in der amerikanische Blues-Metropole Chicago sogar alteingesessene Spitzenkönner. „Die haben alle gestutzt: Da kommen Typen aus Deutschland, die den Chicago-Blues mindestens so gut wie die Einheimischen spielen“, erinnerte sich Lehmann.

Nach einem Kurzauftritt von Williams Wetsox, deren Sänger und Gitarrist Williams Fändrich rund 40 Mal mit Pöhnl musizierte, kam sogar das alte Hinterhalt-Klavier zum Einsatz. „Es musste am Nachmittag noch gestimmt werden, damit Christian Willisohn darauf spielen konnte“, verriet Tammelleo. Die über zweistündige Aufzeichnung endete mit einem von Peter Schneider zusammengestellten Dokumentarfilm, der noch einmal die besten Fotos und Musikaufnahmen von Oskar Pöhnl präsentierte.

Die Resonanz war bereits während der Live-Übertragung groß: Über 1.600 Aufrufe verzeichnete der Kulturverein – so viele wie noch bei keiner anderen der bisher zwölf Livestream-Veranstaltungen. Zudem gingen zahlreiche Spenden – teilweise im dreistelligen Bereich – ein. „Damit können wir eine würdige Beerdigung des Musikers finanzieren“, freute sich Tammelleo. Alle Künstler traten unentgeltlich auf. ph

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Der nächste Hinterhalt-Livestream findet am Freitag, 12. Juni, um 20 Uhr Online auf www.kulturverein-isar-loisach.de sowie www.hinterhalt.de statt – dann ist die Musikerfamilie Vollmer zu hören und sehen.

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