Ewiger Revolutionär

Musiker Hans Söllner spielt und stichelt im Tölzer Kurhaus

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Der Mann und seine Gitarre: Hans Söllner bei seinem Solo-Konzert im Tölzer Kurhaus.

Bad Tölz – Oberbürgermeister seiner Heimatstadt Bad Reichenhall will er bei den bevorstehenden Kommunalwahlen werden, so vermelden es seit Wochen verschiedene Medien. Leider kamen seine politischen Ambitionen jüngst beim Konzert im vollbesetzten Tölzer Kurhaus nicht zur Sprache. Dafür andere Themen, wie man sie von Hans Söllner Hans erwartet, der allein mit seiner Gitarre Konversation mit dem Publikum betrieb. Als er vor sieben Jahren hier schon einmal spielte, hatte er sich noch von seiner Reggae-Band Bayermen`Sissdem begleiten lassen.

Die Besucher jeden Alters bekamen dann im zweieinhalbstündigen Konzert ohne Pause all das geboten, was sie von einem Söllner-Konzert erwarten: Humor und Tiefsinniges, Kritik an der Obrigkeit und einfühlsame Liebeslieder, dazu Erlebnisse aus dem bewegten Leben des 64-jährigen Familienvaters, der seit Jahrzehnten wegen seiner Vorliebe für Hanf-Produkte mit den Vertretern der Gesetze auf Kriegsfuß steht.

Dass dies auch weiter so bleibt, daran ließ er gleich am Anfang einen Zweifel, als er mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn abrechnete. Keineswegs ging es da um die Organspende, sondern um die allgemeine Impfpflicht, mit der einer, der stets auf seine Individualität pocht, natürlich nicht konform geht. Und gegen die Befehlsempfänger, die ihren eigenen Verstand nicht gebrauchen, wetterte der Liedermacher in gewohnter Weise den ganzen Abend über, wobei seine humorvoll vorgetragenen Erlebnisse mit Polizisten, Staatsanwälten und bei der nach der Führerscheinentzug notwendig gewordenen Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung beim TÜV in Rosenheim den Saal toben ließen. Doch der Hans ist natürlich nicht nur ein Spaßmacher, so forderte er seine Zuhörer – vielleicht einmal zu oft – auf, die nächsten 365 Tage kein Hendl zu essen, um der Tierquälerei in den Mastbetrieben Einhalt zu gebieten. Überhaupt ließ Söllner an großen Teilen der Landwirtschaft kein gutes Haar, die Gift auf die Felder ausbringt, „nur weil`s erlaubt ist und auch noch Geld dafür gibt“.

Angesichts der Tatsache, dass es Paare gibt, „die in getrennten Schlafzimmern schlafen“, empfahl Hans Söllner den männlichen Zuhörern, einen der vielen Obdachlosen mit nach Hause zu nehmen und selbst wieder bei der Ehefrau „anzuklopfen“, ebenso wie er die Konzertbesucher dazu animierte, beim Anblick eines Streifenwagens der Polizei auszutesten, was man sich im realen Leben noch zutraut. Wer gegen die Obrigkeit aufbegehre, der „muss sich noch blöder stellen als die“, so seine Empfehlung, ehe er den begeistert aufgenommenen Abend mit seinem vielleicht schönsten Lied beendete, der seiner Enkeltochter Lotta gewidmete Hymne auf liebevolle Kindererziehung ohne Verbote, Zwänge und Vorschriften.

Politiker waren bislang Söllner beliebtesten Feindbild, die Konzertbesucher seiner aktuellen Konzerttournee zwischen Oberbayern und Wien können deshalb nur hoffen, dass ihm am 15. März der Sprung ins Reichenhaller Rathaus nicht gelingt. Karl Bock

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