Nach Umbau wiedereröffnet: Ausbildungsanlage für unterschiedliche Einsatzszenarien

Update fürs Bergwacht-Zentrum

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Eine neue Hubschrauberzelle und das Wasserbecken – zwei von mehreren Neuerungen am Bergwacht-Zentrum für Sicherheit und Ausbildung.

Gaißach – Ein Getöse startet, Wind bläst und ein Flackern durchbricht das Raumlicht. Beim Blick nach oben zeigt sich das neue Kernstück des Bergwacht-Zentrums: Eine neue Hubschrauberkabine, die sämtliche gängigen Helikoptermodelle nachbilden kann. Doch ist das nur eine Neuerung.

Zwei Jahre haben die Umbauarbeiten in dem Ausbildungszentrum der Bergwacht auf der Flinthöhe gedauert. Am vergangenen Freitag wurde die Anlage nun ihrer Bestimmung übergeben. Der Einsatz zur Zugkatastrophe bei Bad Aibling ist erst wenige Wochen her – ist aber schon jetzt ein Musterbeispiel dafür, wie wichtig es ist, dass die Rettungskette im Notfall wie geschmiert laufen muss. 17 Hubschrauber waren bei dem Unglück im Einsatz. Die Piloten mussten schwer Verletzte mit Seilwinden bergen und ausfliegen. Für Innenminister Joachim Herrmann zeigte dieser Einsatz, dass die Investition in die neue Technik am Bergwacht-Zentrum richtig war. „Der Einsatz mit fast 700 Einsatzkräften hat gezeigt: Die Übungen haben sich bewährt“, hob Innenminister Joachim Herrmann hervor. Und geübt wird eben im Bergwacht-Zentrum in Gaißach. Dort haben sich am vergangenen Freitag zahlreiche Vertreter von Behörden und Blaulichtorganisationen zur Freigabe des zweiten Abschnitts eingefunden. Sie sollten in einer beeindruckenden Vorführung selbst erleben, wie breit aufgestellt man im Ausbildungsportfolio nun ist. Das, so machte Alois Glück, als langjähriger Vorsitzender der Bergwacht Bayern deutlich, steht allen Rettungsorganisationen zur Verfügung. Dass sich in der Halle keine großen Bergwacht-Banner finden, „ist eben gewolltes Symbol“, so Glück. Er gilt als Vorreiter der Anlage und beschrieb nun nochmals, weshalb es die Hubschrauber-Simulationen braucht. Nicht nur, dass Übungsflüge mit echten Hubschraubern viel teurer sind als in der Halle. Die Bundeswehr als langjähriger Partner der Bergwacht habe inzwischen durch internationale Einsätze nicht mehr so viele Kapazitäten für Übungen, so Glück. Dabei nehme der Hubschrauber aber eine immer bedeutendere Rolle in der Rettung ein. So seien alleine im vergangenen Jahr von 12.000 Einsätzen im alpinen Gelände rund 1.500 mithilfe eines Hubschraubers durchgeführt worden. Norbert Heiland, Vorsitzender der Bergwacht Bayern, sieht in der Erweiterung des Zentrums eine konsequente Optimierung der Anlage. „Endlich können wir unterschiedliche Einsatzszenarien üben.“ Dadurch sei die Sicherheit der Einsatzkräfte erhöht worden. Die neue Anlage simuliert tatsächlich sehr unterschiedliche Bedingungen. Neben dem zweiten Flugsimulator gibt es nun auch ein Trainingshaus, ein flutbares Becken sowie Trainingswände und Trainingsschächte für verschiedene Szenarien beim Hubschraubereinsatz. Selbst Höhleneinsätze sind so simulierbar. Ferner findet sich ein Funktionsanbau mit Bergwetterraum und Entwicklungsumgebung sowie ein Notfallmedizinischer Raum, in dem die gesamte Rettungskette von der Versorgung des Patienten und vom Transport bis zur Übergabe im Krankenhaus simuliert werden kann. Nachdem der katholische Dekan Ludwig Scheiel und der evangelische Pfarrer Urs Espeel der neuen Anlage den kirchlichen Segen verliehen, konnten sich die Ehrengäste davon bei verschiedenen Demonstrationen schließlich selbst ein Bild machen. So wurden eine Wasserrettung, die Bergung eines Alpinisten aus einer Gondel oder eine Höhenrettung der Feuerwehr ebenso vorgeführt wie eine Abseilübung zweier Spezialeinsatzkräfte der Polizei. Seit 2003 wurden ins Bergwacht-Zentrum rund 11,4 Millionen Euro investiert, die Bayerische Staatsregierung unterstützte dies mit mehr als 6,5 Millionen Euro. Für den zweiten Projektabschnitt schoss der Freistaat 3,6 Millionen Euro zu.    tka

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