Den Nachbarn reicht‘s

Im idyllischen Irschenhausen gerät ein Neubau zum Zankapfel

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Nachbarn kritisieren den geplanten Bau am Neufahrner Weg als unerträglich hoch. Ein Phantomgerüst verdeutlicht die Situation.

Icking – Wer Irschenhausen kennt, versteht, warum sich die Anwohner ärgern. Der Ortsteil von Icking ist ein idyllisches Fleckchen Erde irgendwo zwischen Bauerndorf und Künstlerateliers. Neuerdings aber geschieht es immer öfter, dass Zuzügler mit ihren Neubauplänen das historisch gewachsene Dorfgefüge durcheinanderbringen. „Überdimensioniert“ und „Fremdkörper“, so lauten die Meinungen zu einem Bauvorhaben mit Haus, Swimmingpool und Garagen am Neufahrner Weg.

Bis jetzt stand ein altes Häuschen mitten auf dem Grundstück, das nicht weiter störte, nun soll vorn an der Straße gebaut werden. Die Gemeinde Icking ringt um einen ortsbildverträglichen Kompromiss zwischen dem Bauherrn, der im Besitz einer rechtsgültigen Baugenehmigung vom Landratsamt ist, und den Anwohnern, die wegen der Höhe des Gebäudes und der Verschattung bereits Klage eingereicht haben, wie die Kommune übrigens auch. Sie beauftragte deshalb eine Planerin, die sich das Ganze noch einmal anschauen sollte. „Das Problem ist der Buckel“, erklärte Vera Winzinger dem Gemeinderat. 

Das besonders hügelige Grundstück und das enge Sträßchen davor seien daran schuld, dass das Gebäude für die Nachbarn gegenüber so hoch aussehe: „Der Buckel und das Haus drauf, das wirkt wie eine Schlucht.“ Der Bauherr würde sich auf den Vorschlag einlassen, das Gebäude kleiner wirken zu lassen, indem es etwas weiter ins Grundstück hinein verschoben würde. Auch wenn da nicht viel mehr als 1,50 Meter geht, denn „sonst wird der Garten zum Loch“. Der Gemeinderat war der Meinung, dass damit nicht viel gewonnen sei. „Die Höhe tut noch weh“, sagte Bürgermeisterin Margit Menrads Nachfolgerin Verena Reithmann (UBI). „Ich habe bei allem guten Willen immer noch das Gefühl, dass das Haus überpräsent ist und sich nicht einfügt.“ 

Guter Rat war da teuer, denn Architektin Winzinger warnte mit Verweis auf die bestehende Baugenehmigung davor, dass die Gemeinde vor Gericht auf 300.000 Euro Kosten sitzen bleiben könnte. Schließlich war es Claudia Roederstein (UBI), die einen Vorschlag vorbrachte, für den sich alle erwärmen konnten: das Haus durch eine Abgrabung tiefer zu legen und dafür eine Ausnahme von der Ortsgestaltungssatzung zu machen. Der in der Sitzung anwesende Bauherr wurde aufgefordert, sich dazu äußern. Mit einer Absenkung um den gewünschten ganzen Meter konnte der sich aber nicht anfreunden und gab den immensen technischen Aufwand und die hohen Änderungskosten bei einer eigentlich schon fertigen Planung zu bedenken. „ Meine absolute Schmerzgrenze sind 25 Zentimeter.“

Es war nicht gerade das, was der Gemeinderat hören wollte, der dann auch anders abstimmte. Weniger als 50 Zentimeter Abgrabung sollten es nicht sein, gab er dem Bauherrn mit auf den Weg, sowie die von der Planerin vorgeschlagene Verschiebung ins Grundstück. Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. ha

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