Half tausenden Patienten

Nachruf: Tölzer Thomas Rest im Alter von 77 Jahren gestorben

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Anteilnahme der Tölzer Bevölkerung am Tölzer Waldfriedhof: Dort wurde der Heilpraktiker Thomas Rest (77) am Donnerstag beerdigt.

Bad Tölz – Mehrere hundert Menschen, darunter überwiegend Tölzer, nahmen am Donnerstag auf dem Waldfriedhof Abschied von Thomas Rest, der am 29. März im Alter von 77 Jahren verstorben war. Die hohe Zahl an Trauergästen war nicht verwunderlich, war Rest doch als Heilpraktiker weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt und im örtlichen Vereinsleben verwurzelt. So war er jahrzehntelang regelmäßiger Besucher des Donnerstags-Trainings beim Turnverein, passionierter Eishockeyspieler, Langläufer und Skifahrer, Mitglied bei der Kolpingfamilie, bei den Veteranen und vor allem der Katholischen Pfarrgemeinde tief verbunden.

Aus einfachen Verhältnissen stammend, absolvierte er nach dem Sanitätsdienst bei der Bundeswehr eine dreijährige Heilpraktiker-Ausbildung, konnte dann 1968 seine eigene Praxis eröffnen, zunächst in der Bockschützstraße. Später zog er in die obere Marktstraße. Die wurde in den letzten Jahrzehnten zum Anlaufpunkt Tausender, die bei ihm Heilung suchten. Begann für ihn der Tag meist schon morgens um 5 Uhr, warten da schon zahlreiche Patienten, die oft auch eine lange Anfahrt auf sich genommen und eine „Nummer“ gezogen hatten. Dabei waren die Hilfesuchenden bei ihm nie eine Nummer, er nahm sich Zeit für jeden, und zu einigen kam er auch abends noch ins Haus, hatte immer ein offenes Ohr für Nöte und Sorgen.

Doch auch die große Welt blieb dem tief gläubigen Christen, der älteren Tölzer noch als Himmelsträger bei den Fronleichnamsprozession in Erinnerung ist, nicht verschlossen. So konnte er den schwer erkrankten Sohn des größten Bau- und Immobilienunternehmens in St. Moritz, Markus Testa, der von seinen Angehörigen schon aufgegeben worden war, heilen. Daraus entwickelte sich eine lange Freundschaft, die dazu führte, dass Rest mit seiner Eishockey-Hobbymannschaft alljährlich in den Nobelort im Engadin zu einem Turnier eingeladen wurde. Auch den bekannten Jet-Set-Dirigenten Herbert von Karajan, der in späten Jahren unter starken Rückenbeschwerden litt, konnte Rest, wie er stolz erzählte, für einen Auftritt fit machen. Seine Frau Monika, mit der zusammen er vier Kinder hatte, war die Tochter des damaligen Landtagspräsidenten Franz Heubl. Hochzeit wurde am schönen Kochelsee gefeiert.

Seine Patienten brachte ihm tiefe Verehrung entgegen, von vielen wurde er gar als eine Art Wunderheiler betrachtet. Selbst als er in den letzten Jahren gesundheitlich angeschlagen war, sah man ihn tapfer mit seinen Stöcken in der Nähe seines Hauses am Kalvarienberg wandern und der Kirchenbesuch war immer Pflicht. Seine Praxis wird von seiner Tochter Johanna Vogel weitergeführt werden. bo

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