Naturschutzplan für Moore, Wiesen und Wälder / Einige Eigentümer bekunden misstrauen

Die letzten Biotope schützen

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Zwischen Natur und Schutzwald: Thomas Eberherr steht für die Artenerhaltung.

Landkreis – Im Rahmen der „Natura 2000“ möchte die Regierung von Oberbayern dieses „Naturerbe sichern“. Dafür soll ein Plan für die 23 Schutzgebiete zwischen Bad Heilbrunn, Bad Tölz und Geretsried erarbeitet werden – nicht alle Grundbesitzer im und an den Schutzgebieten sind damit zufrieden.

Über der Sumpf-Gladiole summt die Helm-Azurjungfer, daneben im Quelltümpel planscht die Gelbauchunke. Die seltenen artengeschützten Tiere und Pflanzen fühlen sich in den hiesigen Wäldern, Auen und Mooren wohl: Lebensraum, der ein Relikt der letzten Eiszeit im Voralpenland ist. Im Rahmen der „Natura 2000“ soll ein Plan für die 23 Schutzgebiete zwischen Bad Heilbrunn, Bad Tölz und Geretsried erarbeitet werden – nicht alle Grundbesitzer im und an den Schutzgebieten sind damit zufrieden.

Der sogenannte Managementplan umfasst das Moor südlich von Königsdorf, die Rothenrainer Moore sowie die Buckelwiesen an der Königsdorfer Alm. „Ein Gebiet das 1.072 Hektar groß ist“, erklärte Thomas Eberherr bei einer Informationsveranstaltung im Tölzer Landratsamt. Anstoß für die Notwendigkeit sei die zunehmende Besiedlung durch den Menschen, berichtet der Teamleiter „Natura 2000“ von der Regierung Oberbayern weiter. „Sieben Millionen Menschen kämpfen ums Überleben, da zieht die Natur den Kürzeren.“

Für Bayern nennt Eberherr weitere Zahlen. „Dort gehen täglich rund 13 Hektar Land für Siedlungs- und Verkehrsbebauung verloren“, berichtet er. Die Größenverhältnisse lassen sich mit einer Fläche von 19 Fußballfeldern vergleichen. Darum sei es wichtig, die noch schützenswerten Naturgebiete, zu erhalten. Naturschutz- und Forstbehörden dokumentieren dazu im Managementplan die Lebensräume und Arten und formulieren darin Vorschläge für Erhaltungsmaßnamen.

Ulrich Müller von der Regierung von Oberbayern stellte allgemeine und rechtliche Grundlagen vor. Dabei betonte er besonders die Unverbindlichkeit der Grundstückseigentümer. „Eigentümer dürfen den Managementplan wohl wissend aufnehmen, auf freiwilliger Basis.“ Aber als Richtlinie für Grundbesitzer gilt das sogenannte Verschlechterungsverbot. Heißt: Schutzgebiet verpflichtet. Dr. Martin Bachmann vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Ebersberg vergleicht es mit dem TÜV, der dem Straßenverkehrsgesetz unterliegt. So unterliegt das Verschlechterungsverbot eben dem EU-Bundesnaturschutzgesetz.

Die Umsetzung von Natura 2000 ist Staatsaufgabe. Die Experten sind nun aufgefordert ins Gelände zu gehen, dort eine Bestandsaufnahme über Vorkommen und Zustand der Lebensräume zu kartieren sowie die Artenvielfalt verzeichnen. Danach wird der Bestand bewertet und der Grundbesitzer bekommt dementsprechend Maßnahmenvorschläge, die gegebenenfalls vom Staat gefördert werden, erklärt Müller. Wichtig sei dabei ein Miteinander. „Nur durch gemeinsames Handeln können wir für künftige Generationen unsere Natur- und Kulturlandschaft bewahren.“

Diese bestehen aus: Hoch- Nieder- und Übergangsmoore sowie Trockenstandorte, wie Kalkmager- und Borstgrasrasen. Björn Eller vom AELF Ebersberg, stellte noch die schützenswerten Waldmeister-Buchenwälder vor, in deren Schatten eben Waldmeister, Efeu und Leberblümchen wachsen. Und: „Genauso vielfältig wie die Moore sind auch die Moorwälder“, berichtete Eller. Im Rahmen der Begutachtung werden Baumarten und Totholzbestände begutachtet. Aber auch Beeinträchtigungen durch Müll oder Neophyten werden für den Managementplan dokumentiert.

Nach dem Vortrag sprachen Eigentümer und Landwirte. Dabei wurde ein Misstrauen gegenüber der Erfassung der Naturschutzräume auf dem eigenen Grundstück deutlich: „Mit uns wird nicht gesprochen, wir fühlen uns übergangen“, monierte ein Eigner. Ein anderer sprach von „schleichender Enteignung“, und verglich die Kartierung mit dem Denkmalschutz. Habe ein Gebäude erst mal das Prädikat „Denkmalschutz“ erhalten, entscheidet danach das Amt. „Was man machen darf oder nicht, unterliegt dann deren Handhabe“, erklärte der Grundbesitzer.

Bachmann bemerkte das „fehlende Vertrauen“ und versuchte zu schlichten: „Daran müssen wir etwas ändern“, sagte er. Zusammenfassend plädierten die Referenten vom AELF und der Regierung von Oberbayern für einen gemeinsamen Dialog zwischen Grundbesitzern und den Förstern sowie Naturexperten, die zur Kartierung ins Gelände gehen. In zwei Jahren sollen alle zum Runden Tisch wieder zusammenkommen. Dort werden die Entwürfe für den Managementplan vorgestellt und naturschutzfachliche, sozial und ökonomische Belange diskutiert. „Wenn der Mensch die Naturzonen nicht pflegt, verschwinden dort die seltenen Pflanzen und Tiere“, betonte Müller. Die Gelbbauchunke und Helm-Azurjungfer-Libelle wird es dann nicht mehr geben – sie stehen bereits auf der Roten Liste.Daniel Wegscheider

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