Viele Wege zum Tourismus

Neuaufstellung Nahverkehrsplan: erste Zwischenbilanz im Umweltausschuss

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Tourismusgaranten wie die hiesigen Bergbahnen sollen in der Saison besser erreichbar sein.

Bad Tölz/Landkreis– Auf der Agenda des Umwelt- und Infrastrukturausschusses stand die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV): Neben dem ersten Zwischenbericht über die Neuaufstellung des Nahverkehrsplanes für den Landkreis, berichtete Landrat Josef Niedermaier auch über den Sachstand der MVV-Verbundraumerweiterung und über die Zukunft zur Elektrifizierung der Bayerischen Oberlandbahn (BOB).

Landrat Josef Niedermaier sprach sein Anliegen klar aus: „Wir brauchen gerechte Preis im ÖPNV, gerade für Vielnutzer.“ Niedermaier weiß um das Finanzierungsproblem – „Qualität kostet Geld“, betonte er weiter. Da Busse und deren Fahrer freilich bezahlt werden müssen, „sonst zahlt ein Dritter“, ergo „der Steuerzahler“. Deshalb sei das Konzept einen Stadtbus umsonst fahren zu lassen, „totale Utopie“. Niedermaier bezog sich dabei auf die immer wieder aufkeimende Diskussion innerhalb diverser Gremien.

Im Rahmen der Neuaufstellung des Nähverkehrsplanes für den Landkreis stellte Matthias Breuel von der MVV-Consulting GmbH aus München jüngst die ersten Zwischenergebnisse gegenüber den Kreisräten des Umweltausschusses vor: Auch wenn in der Hauptverkehrszeit an Schultagen die sogenannten Mittelzentren wie Bad Tölz, Lenggries und Wolfratshausen gut erreichbar seien, so zeigen sich „größere Defizite in den Flächengemeinden Dietramszell, Egling sowie Sachsenkam“. Insbesondere zeigt die Analyse auch schwankende Schwachstellen bei der Erreichbarkeit stark frequentierter Tourismus- und Freizeitziele: Laut Breuel betreffe dies in den Sommermonaten angesichts einer hohen Nachfrage gerade die Blomberg- und Herzogstandbahn und die Badeseen. „Das Walchensee-Südufer ist nicht und der Starnberger See nur ungenügend an den ÖPNV angebunden.“

Der Nahverkehrsplan (NVP) soll nun in weiteren Schritten im Rahmen von Workshops erarbeitet werden, bevor „jede Maßnahme einzeln beschlossen wird“, betont Breuel. Die Rahmenbedingungen wird dann wohl die nächste Generation des Kreistages beschließen, da bis zum endgültigen NVP-Beschluss bis hin zur kompletten Umstellung von einem Zeitraum von bis zu acht Jahren zu rechnen sei. Kreisrat Achim Rücker (Bündnis90/Grüne) merkte an: Bei Busverbindungen darauf zu achten einen Expressbus einzuplanen, „der nicht durch jedes kleine Dorf rumpelt“. Und CSU-Kreisrat Michael Häsch betonte noch einmal die „besondere Landkreissituation, bezogen auf die jeweilige Saison“. So müssten im Winter die Skigebiete und im Sommer die Badeseen über den ÖPNV entsprechend getaktet sein. 

Strom statt Wasserstoff: Umweltausschuss fordert Elektrifizierung auf den BOB-Strecken

In der Februarsitzung des Kreistages wurde Josef Niedermaier dazu beauftragt und bevollmächtigt, die MVV-Verbundraumerweiterung auf den gesamten Landkreis vorzubereiten. Dafür soll der Landrat ein entsprechendes Konzept für die Verbundraumerweiterung den Kreisgremien zur weiteren Beratung vorlegen. In der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Infrastrukturausschusses berichtete er nun über den aktuellen Sachstand.

Auch hier steht und fällt das Projekt mit den Kosten. Daher fordert der Freistaat Bayern „die verkehrliche Sinnhaftigkeit und die durch die MVV-Verbundintegration dauerhaft entstehenden Kosten“ im Rahmen einer Grundlagenstudie darzustellen. „Neun Landkreise haben Interesse an einer Beteiligung gezeigt“, berichtete Niedermaier. Diese sind neben Bad Tölz-Wolfratshausen: Garmisch-Partenkirchen, Landsberg am Lech, Landshut, Miesbach, Mühldorf, Rosenheim, Weilheim-Schongau sowie Pfaffenhofen an der Ilm. Auch die beiden Städte Rosenheim und Landshut sind mit dabei.

Der Freistaat habe zudem angekündigt, an einer Verbundintegration interessierte Kommunen zu unterstützen. Dafür gebe es eine Fördersumme von 85 Prozent. „Eine Studie kostet“, betonte Niedermaier und sprach davon, dass der Rest der Summe im siebenstelligen Bereich sein wird. Dieser werde dann auf den elf erwähnten Gebietskörperschaften aufgeteilt.

Aber Niedermaier stoßen ganz andere Kosten sauer auf: Der Landrat spricht dabei ein sogenanntes 365-Euro-Ticket an. Damit fahren unter 18-Jährige frei im MVV. Als „Schnapsidee“ bezeichnet er die Einführung des Tickets. Kosten von 30 Millionen Euro, die zu zwei Dritteln der Staat fördert, der Restanteil aber beim Landkreis aufschlägt, treibt den Landrat um: „Ohne Steuererhöhung können wir uns das nicht leisten.“ Vize-Landrat Thomas Holz appellierte derweil an die Landkreise gemeinsam mit auf die geplante Verbunderweiterung aufzuspringen: „Die BOB und Kochelseebahn müssen mit dem MVV-Tarif fahren können. Nur Busse bringen nichts.“

Politisch fordern wollen die Kreisräte indes die Elektrifizierung der BOB. „Sie ist zwingend erforderlich“, betonte Niedermaier. Daher sprach sich der Ausschuss bis auf die Gegenstimme von Gabriele Skiba (SPD) laut Beschluss „mit größter Dringlichkeit“ für die Elektrifizierung der Strecken aus. In Zeiten von Naturschutz sei dies Standard, „um vom Diesel wegzukommen“, so der Landrat, der gegenüber neuer Technik nicht abgeneigt ist. Aber eins deutlich betont: Wasserstoff-betriebene Züge kommen nicht infrage. „Wir wollen unserer Bürger nicht als Versuchskaninchen verbraten.“

Weniger abgeneigt von der Wasserstofftechnik ist Skiba, die sich darüber informiert hat: „Ich denke, wir sollten das Thema nicht ganz auf die Seite schieben“, sagte sie. Denn ihrer Meinung dauere einer Elektrifizierung der Strecke, die auf 2032 angesetzt ist, zu lange. „Mit Wasserstoff konnten wir bereits in fünf Jahren mehr erreichen.“

Niedermaier will diese Technik „nicht verteufeln“, aber es gelte jetzt auf den E-Zug in Hinblick auf „eine saubere Planung“ aufzuspringen. „Wir müssen jetzt den Antrag stellen, sonst zapft uns irgendein anderer Landkreis den Strom.“ Michael Häsch (CSU) ergänzte: „Das Geld für die Elektrotechnik ist jetzt da.“ Diese soll deshalb „so schnell wie möglich die Schiene“ gebracht werden, „damit wir schnell damit fahren können“.

Alois Bauer befand, „nicht gegen alles zu sein, was neu ist“. Sonst dürfe man auch kein Handy mehr benutzen, so der FW-Kreisrat. Nichtsdestotrotz hoffe er in Bezug auf die Elektrifizierung, „dass es nicht ein Volksbegehren gegen die Elektrifizierung gibt.“ Daniel Wegscheider

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