„Heimat ist nicht homogen“

Neue Ausstellung im Kloster Beuerberg beleuchtet seinen Ort und die Bewohner

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Christoph Kürzeder und Johanna Eder, Direktor und Kunstvermittlerin des Diözesanmuseums Freising, erläutern die Ausstellung im Kloster Beuerberg. Die Exponate beleuchten den Begriff „Heimat“ aus religiöser, kultureller und politischer Perspektive.
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Christoph Kürzeder und Johanna Eder, Direktor und Kunstvermittlerin des Diözesanmuseums Freising, erläutern die Ausstellung im Kloster Beuerberg. Die Exponate beleuchten den Begriff „Heimat“ aus religiöser, kultureller und politischer Perspektive.
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Christoph Kürzeder und Johanna Eder, Direktor und Kunstvermittlerin des Diözesanmuseums Freising, erläutern die Ausstellung im Kloster Beuerberg. Die Exponate beleuchten den Begriff „Heimat“ aus religiöser, kultureller und politischer Perspektive.
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Christoph Kürzeder und Johanna Eder, Direktor und Kunstvermittlerin des Diözesanmuseums Freising, erläutern die Ausstellung im Kloster Beuerberg. Die Exponate beleuchten den Begriff „Heimat“ aus religiöser, kultureller und politischer Perspektive.
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Christoph Kürzeder und Johanna Eder, Direktor und Kunstvermittlerin des Diözesanmuseums Freising, erläutern die Ausstellung im Kloster Beuerberg. Die Exponate beleuchten den Begriff „Heimat“ aus religiöser, kultureller und politischer Perspektive.
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Christoph Kürzeder und Johanna Eder, Direktor und Kunstvermittlerin des Diözesanmuseums Freising, erläutern die Ausstellung im Kloster Beuerberg. Die Exponate beleuchten den Begriff „Heimat“ aus religiöser, kultureller und politischer Perspektive.

Eurasburg – Die vierte Ausstellung im Kloster Beuerberg thematisiert heuer die „Heimat“ vom Ursprung bis heute. Dabei blickt das Diözesanmuseum Freising über die Klostermauern hinaus und bezieht erstmals auch den Ort und seine Bürger mit ein. Exponate und interaktive Stationen vermitteln dabei gelebte Geschichte. Neben der Ausstellung bietet das Kloster zusammen mit dem Landesverein für Heimatpflege auch Spaziergänge zu Denkmälern und Gärten an. Ebenso stehen thematische Workshops auf dem Programm.

Innerhalb der Klostermauern wird nochmal fleißig durch gewischt: Besen und Staubsauger lehnen neben einem Matrikelbuch aus dem Jahr 1705, das von der Sendlinger Mordweihnacht erzählt. Handwerker und Restauratoren schleifen, hämmern und tupfen noch an einigen Exponaten herum. Und dazwischen wuselt Christoph Kürzeder durch die Gänge und Gewölbe des Klosters Beuerberg. Der Direktor des Diözesanmuseums ist im Vorbereitungsstress. Denn zum 1. Mai hat die Ausstellung „Heimat: Gesucht.Geliebt. Verloren“ eröffnet und wie sich vorab beim Pressetermin zeigte, wurde daran auch bis zum Eröffnungstag gearbeitet.

Bei der diesjährigen Ausstellung im Kloster Beuerberg – ist Heimat das Thema. „Es ist ein riesiges und abstraktes Thema“, fasst Kürzeder zusammen. Das vom Diesseits bis in Jenseits hineinreicht und dabei kulturelle, religiöse und politische Facetten beleuchtet. Die Stoßrichtung heuer ist klar: „Unter dem Brennglas steht Beuerberg“, erklärt er. Die Ausstellung beleuchtet den Begriff „Heimat“ eben aus dem Blickfeld des oberbayerischen Dorfs, „jenseits der Klostermauern“, erklärt Kürzeder weiter. „Die Antworten darauf, warum wir die Heimat suchen, lieben und wieder verlieren, finden wir alle in Beuerberg.“ Hier seien die Menschen verwurzelt, durch ihre Vereine und der Landschaft, aber auch „heimatlos“. Dem stimmt auch Kunstvermittlerin Johanna Eder bei: „Heimat ist vielseitig, nicht nur homogen.“

Löwenzahn aus den 1950er-Jahren

Um dies zu demonstrieren wählten die Veranstalter den Löwenzahn als Sinnbild, der auch das diesjährige Motiv der Ausstellung „Heimat“ ziert. Auf dem Programmheft zu sehen ist der Ort Beuerberg, zwischen den Bergwipfeln blitzt der Kirchturm des Klosters hervor und davor ist eine blühende Löwenzahnwiese abgebildet. Der Druck soll an ein farbige Postkartenmotive aus den 1950er-Jahre erinnern, erklärt Eder.

„Heimat ist auch was künstliches“, sagt Eder und bezieht sich damit auf die Wortherkunft. Diese habe sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder gewandelt: vom verklärten Heimatmotiv in Alpenidylle bis hin zur Ideologisierung durch das Nationalistische Regime. Diesem Wandel waren die Menschen immer wieder unterlegen. Und der Löwenzahn unterliegt einem ähnlichen Wandel: Er ist verwurzelt und blüht, bis er verblüht und dann die Samen vom Wind weitergetragen werden. „Die Blume ist selbst ein Reisender.“ Dieses Gefühl soll die Ausstellung „Heimat“ vermitteln.

Für die Salesianerinnen, die bis 2014 hier lebten, bedeutete der Eintritt ins Klausurkloster auch eine Reise. Sie verließen damit ihre weltliche Heimat und das Kloster war für sie die Durchreise zur ewigen Heimat, dem Himmel. „Die christliche Vorstellung von Heimat ist der Himmel“, erklärt Kürzeder. Deshalb findet sich auch ein eben solcher ausgestellt im Kloster: Und zwar einer für Fronleichnamsprozessionen. Ein Hauptwerk der Ausstellung sind deshalb das Festornat und der Fronleichnamshimmel aus Kloster Zangberg mit Stoffen aus eigener Seidenraupenproduktion.

Das Telefon spricht bairisch

Zudem zeigt die Ausstellung Landschafts- und Porträtgemälde, sakrale Gegenstände, Statuen, Figuren sowie historische Trachten, Manuskripte, Post- und Landkarten. Auf den Gängen erwartet die Besucher auch ein Dialekttelefon, das „beliebte“ Mundartworte aus dem Ort auf Hochdeutsch übersetzt. Historisch daran ist laut Kürzeder auch die Tatsache, dass Beuerberg in den 1980er-Jahren sogar für den Bayerischen Sprachatlas ausgewählt wurde.

Aus alten Tagen berichtet zudem eine Dokumentation: Der Film zeigt alte Beuerberger Bürger, die über ihre Flucht berichten. Sie schildern dabei ihre Erfahrungen aus der Kindheitsperspektive; eben wie sie es damals erlebt haben, als sie etwa aus Böhmen nach Oberbayern flohen. „Heimat ist auch Ausgrenzung“, sagt Kurzeder. „Viele der Heimatvertriebenen haben bis heute nie darüber gesprochen.“

Knödel-Kneten und „O‘gricht is“

Als Höhepunkte der Veranstaltungsreihe hebt Kunstvermittlerin Eder besonders die kulinarischen Workshops hervor, die Heimat über den Magen erleben lassen. Bei der „Knödelküche“ (Sonntag, 14. Juli) verbindet etwa die Künstlerin Gülcan Turna beim gemeinsamen Kneten deutsche und türkische Esskultur. Beim Themenwochenende „O`gricht is“ (14. und 15. September) tischen ehemals heimatvertriebene Ungarn-Deutsche Landesspezialitäten auf. Die nach Beuerberg kamen, brachten eben auch ihre kulinarischen Gewohnheiten mit. Besonders sei auch das „biografische Erzählbuffet“.

Wie vielseitig Heimat sein kann, versuchen Eder und Kürzeder zu zeigen. Heimat ist ständig im Wandel, durch die Menschen, die dort leben“, so Eder.

Zudem gibt es Führungen und Workshops: So kann etwa in der Klosterbackstube zusammen mit Bäckermeister Michael Matschuk einem traditionellen Handwerk nachgespürt werden. Oder mit Irmgard Ludwig eine jahrhundertealte Kunst wiederbelebt werden: Beim Kalligraphie-Workshop lernen die Teilnehmer die Kunst der schönen Handschrift mit Federkiel und Griffelschwung.

Geheimnisse der Bienenvölker enthüllt dagegen Imker Othmar Winterling beim Themenspaziergang „Honigsüß“, wobei die Teilnehmer zu Beuerberger Bienenstöcken wandern. Weitere Wanderungen beleuchten „Kloster, Kriege, Katastrophen“, „Denkmäler rund um Beuerberg“, den „Gartenbau“ oder „Märchen und Sagen“.

Am Ende der Führung steht Kürzeder wieder bei der „Sendlinger Mordweihnacht“: Besen und Staubsauger sind mittlerweile verschwunden, eine Staffelei vor den historischen Exponaten räumt der Leiter des Diözesanmuseums Freising selbst weg und erinnert an die grausame Schlacht: Der damalige Pfarrer aus Beuerberg schrieb ins 1705 ins Kirchenbuch: „Es war ein sinnloses Sterben.“ Die damaligen Landwirte wurden nämlich gezwungen, in den Krieg gegen die kaiserliche Übermacht zu ziehen. 24 junge Männer aus Beuerberg starben dabei. „Das ist eine unglaublich hohe Zahl für so ein Dorf. Dadurch wurde eine ganze Generation fast ausgelöscht“, berichtet Kürzeder. Heute ist das alte Buch wieder aktuell: Der Grund der Niederschrift des damaligen Geistlichen: die Nachwelt soll lernen, damit so etwas nicht mehr passieren kann.Daniel Wegscheider

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„Heimat. Gesucht. Geliebt. Verloren“; Eröffnung am 1. Mai um 11 Uhr, zu sehen bis 3. November. Im Gartenpavillon zeigt Gabriele von Habsburg bis 30. Juni Skulpturen unter dem Titel „Reflexionen“. Geöffnet von mittwochs bis sonntags sowie an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr. Erwachsene zahlen sechs Euro, Kinder und Jugendliche sind frei. Weitere Informationen unter www.dimu-freising.de.

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