Neue Tölzer Hotelkultur

Zwei Standorte im Gespräch

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Präsentierten die neue Tölzer Hotelkultur: (v.l.) Bauamtschef Christian Fürstberger, Bürgermeister Josef Janker, Brita Hohenreiter (Tourist Info), Stadtkämmerer Hermann Forster und Berater Michel D. Maas.

Bad Tölz – „Der Vorteil von Bad Tölz gegenüber Davos ist, dass Sie in einer Stunde vom Flughafen da sind – in der Schweiz brauchen Sie bei Schnee eineinhalb Stunden.“ Nun sind in der Isarstadt zwei Standorte konkret im Gespräch.

Matthias Lowin, Projekt-Entwickler für First-Class-Hotels, muss es wissen, denn er war als Geschäftsführer der Feuring Hotelconsulting GmbH schon überall auf der Welt und prüfte Standorte für neue Projekte. Am Donnerstag kam er nach Bad Tölz, um im Rahmen der Jahrespressekonferenz „Neue Tölzer Hotelkultur und Renaissance des Bäderviertels“ zu sprechen. Weitere Standortvorteile der Isarstadt ließ er sich aber auch auf Nachfrage von Journalisten nicht entlocken. Vor einem Jahr hatte man bei der Stadt Bad Tölz den Startschuss gegeben für eine Initiative zum Bau neuer, zeitgemäßer Hotels im und in unmittelbarer Nachbarschaft des Bäderviertels. Zudem galt es, Konzepte zu entwickeln, um diese Hotels auch mit Tagungsgästen zu füllen. Im Weißen Salettl des Tölzer Kurhauses zogen nun Bürgermeister Josef Janker, Kämmerer Hermann Forster und Bauamtsleiter Christian Fürstberger, Brita Hohenreiter von der Tourist Info und Michel D. Maass (ehemals Vorstand der Kempinski Hotel AG) unter der Moderation von Albert Wasl eine Zwischenbilanz. Konkret werden derzeit zwei Standorte für Hotelprojekte untersucht, nämlich der Kolbergarten und der Bereich an der Bockschützstraße zwischen Sportstudio Hirsch und Reifen Pascher. Außerdem könnte das ehemalige Haus Otto abgebrochen werden und in Zusammenarbeit mit der Jodquellen AG auf deren umfangreichen Liegenschaften im Badeteil ein mehr auf Wellness ausgerichtetes Alpamare 2.0 („Tölzer Quellen & Spa“) und ein „außergewöhnliches Arrangement mit Hotel und Gesundheit“ – so der Prospekt – als Pendant zum Vichyplatz entstehen. Konkret wurden während der einstündigen Pressekonferenz aber nur die Projekte Kolbergarten und Bockschützstraße angesprochen. Wie Matthias Lowin ausführte, sei ein Hotelbau eine „komplizierte Angelegenheit“, die „unglaublich viele Fragen“ aufwerfe. Da heutzutage kein namhafter Betreiber wie Hilton, Kempinski oder Steigenberger zugleich als Investor auftrete, sei es zunächst einmal wichtig, einen solchen zu finden. Hotelbauten für internationale Ketten würden sich heute nur mit mindestens 100 Betten rechnen – zudem benötige man ein Gesamtprojekt und den „politischen Willen“ zur Umsetzung. Mit letzterem waren wohl die baurechtlichen Voraussetzungen gemeint, die offenbar trotz Denkmal- und Naturschutz kein Problem sein sollten, wie Christian Fürstberger ausführte. „Grundsätzliche Gespräche mit der Genehmigungsbehörde im Landratsamt sind geführt“, so der Tölzer Bauamtschef. Als Einzelheiten auf dem 15.000 Quadratmeter großen Grundstück nannte er neben den eigentlichen Bettentrakt des 4- bis 5-Sterne-Hotels noch ein Restaurant, Foyer, Lobby, Rezeption, Seminar- und Nebenräume sowie ein Spa-Bereich, 200 unterirdische Stellplätze und 21 so genannte Serviced-Apartments in drei einzelnen Baukörpern. Eine reine Wohnbebauung des Areals wäre wegen der Städtischen Vorstellungen für die Grundeigentümer, eine Erbengemeinschaft, künftig nicht mehr möglich. Auch beim zweiten Projekt an der Bockschützstraße hat man inzwischen einen Partner gefunden, die Louvre Hotels Group überprüft derzeit nach eigenen Angaben „exklusiv den Standort Bad Tölz“. Auch hier eine erfreuliche Nachricht: Im Gegensatz zu einem häßlichen Stelzenbau mit Parkmöglichkeiten im unteren Bereich soll eins der bisher vorgesehenen vier Geschosse wegfallen und das im Eigentum der Stadt stehende ehemalige Hallenbad (Sportstudio Hirsch) mit integriert werden. Für die Flächen der Jodquellen AG nördlich und südlich der Fußgängerzone Ludwigstraße sollen in Abstimmung mit dem Vorstand der Jodquellen AG die Weichen sowohl für eine touristische Nutzung wie auch für weitere Hotel- und Wohnresidenzen geschaffen werden. Außerdem sind eine Erweiterung des Hotels Jodquellenhof, Spa-, Sauna- und Therapiebereiche sowie ein Meditationszentrum zwischen Herder- und Wilhelmstraße vorgesehen. Dies alles sind nur die baulichen Maßnahmen, daneben möchte sich Bad Tölz auch „innerlich“ neu positionieren. Aus dem Haus des Gastes wird vorläufig ein Haus der Gesundheit und schon heute ist – so zumindest die Meinung der Beratungsgesellschaft „balleywasl“ – eine „von Motivation und Begeisterung geprägte Aufbruchstimmung“ erkennbar, die „dem Ort neue Energie gibt und Lebensfreude zum Ausdruck“ bringt. Wenig Freude bei den Beteiligten dürften allerdings die vom Stadtrat inzwischen erlassenen Veränderungssperren auslösen. Sie betreffen die Grundstücke nordwestlich des Kurhauses (25.000 Quadratmeter zwischen Ludwig- und Breumayerstraße), Am Zollhausweg bei der Stefanie-von-Strechine-Straße und beim Tölzer Hof (10.000 Quadratmeter, ehemaliges Gesundheitsamt). Wohnnutzungen, wie sonst fast überall im Badeteil, sind damit nicht mehr möglich. bo

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Man könnte es sich leicht machen und die Vorstellungen zur Tölzer Zukunft als reine Vision betrachten. Ein Hilton, ein Steigenberger Hotel mit Zimmerpreisen um 250 Euro, hochpreisige Restaurants mit Sterneköchen wie im Nachbar-Tal Tegernsee? Wirtschafts- und Wintertouristen aus aller Welt sollen kommen – wie in Davos. Und das in einer Stadt, die es nicht einmal schafft, im Winter die Wanderwege zu räumen und zu streuen, in der man nachts eine Taschenlampe braucht, weil die Nebenstraßen dunkel sind? Das den Bürgern viel Geld kostende Projekt „Neue Tölzer Hotelkultur und Renaissance des Bäderviertels“ sieht neben vielen schönen Worten auf dem Papier zwei neue Hotels, Tagungsräume, Spabereiche, Residenzen und Serviced Apartments im ganzen Stadtgebiet vor. Da werden sich die hiesigen Bauunternehmer sicher freuen. Doch warum Bad Tölz ein neues 5-Sterne-Hotel im Bereich Kolbergarten (mit eigenem Spa) braucht, wenn die Jod AG ihr bestehendes Hotel Jodquellenhof neben dem Alpamare erweitern will, das muss erst noch erklärt werden.   Karl Bock

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