„Zum baulichen Wohl des Landkreises“

Neuer Kreisheimatpfleger für Tölzer Land vorgestellt

Thomas Lauer (r.) und Martin Englert (l.) zusammen mit Landrat Josef Niedermaier.
+
Bewahrer der Kultur und Tradition: Thomas Lauer (r.) und Martin Englert (l.) zusammen mit Landrat Josef Niedermaier.
  • Daniel Wegscheider
    VonDaniel Wegscheider
    schließen

Landkreis – Jüngst wurde im Tölzer Landratsamt der neue Kreisheimatpfleger für den Landkreis vorgestellt.

„Wer nicht weiß wo er herkommt, kann die Moderne nicht gestalten“: Diesen Satz betonte Landrat Josef Niedermaier jüngst bei der Vorstellung des neuen Kreisheimatpflegers für Denkmalschutz im Tölzer Landratsamt. Der Gaißacher Thomas Lauer folgt damit auf Maria Mannes. Zudem berichtete Martin Englert von seiner Tätigkeit als Bewahrer der Tradition.

Im Landratsamt gibt es ein eigenes Team, das sich um Denkmal-Bauanträge aus der Region kümmert. Sie stehen in enger Zusammenarbeit mit dem Landesamt für Denkmalschutz. „Das Ehrenamt des Kreisheimatpflegers ist die Schnittstelle zur Region und den Leuten“, berichtete Landrat Josef Niedermaier.

Seine Aufgaben: besichtigen und beraten. Er solle auch Verständnis für den Denkmalschutz im Landkreis schaffen, „mit einer Denkmaldichte wie sie nur wenige andere haben“.

Diese Eigenschaften erkannte der Kreistag in Person bei Thomas Lauer aus Gaißach. In ihrer Sitzung im Juli bestellte das Gremium daher den 68-jährigen Gaißacher zum neuen Kreisheimatpfleger, der nun für fünf Jahre das Amt antritt. Aufgrund der Corona-Situation hat sich die offizielle Vorstellung verschoben, fand nun aber im Landratsamt statt.

„Appetitmacher“ für hiesige Denkmäler

Lauer stellte sich nun beim Pressetermin im Landratsamt vor: „Der Landkreis lebt nicht nur von der wunderschönen Landschaft, sondern auch von seinen Gebäuden.“ Als eine seiner Aufgaben sehe er sich als Sprecher und „Appetitmacher“ für die Nutzung der hiesigen Denkmäler. „Es sind Gebäude, die mit Leben erfüllt sind. Ein Denkmal ohne Inhalt ist zum Tode verurteilt.“

Insbesondere, „weil die historischen Gebäude keinen Anwalt haben, deshalb muss man sich dafür einsetzten“, so Lauer, der an der TU München Architektur studiert hatte. Und später von 1988 bis 2016 Leiter der Bauabteilung beim Bayerischen Landesverein für Heimatpflege gewesen war. „Was ich fast 30 Jahre für ganz Bayern gemacht habe, möchte ich jetzt zum baulichen Wohl des Landkreises machen.“

Zusammen mit Kreisbaumeister Andreas Hainz und Gebietsreferenten Christoph Scholter vom Landesamt für Denkmalpflege. Lauer nannte es ein kollegiales Triumvirat, „das sich sehr bewährt hat, seit es das Denkmalschutzgesetz gibt“.

Dialekt, Rituale, Brauchtum

Zur Seite wird Lauer ebenso Martin Englert stehen. Auch ihn hat der Kreistag für weitere fünf Jahre berufen. Der Tölzer Kreisheimatpfleger ist seit 2008 für den Bereich Tradition tätig. Die Aufgaben des 73-Jährigen sind vielfältig: So hält er Vorträge zu verschiedenen Themen wie den Dialekt sowie über Rituale und Brauchtum im bayerischen Oberland.

Schreibt dazu Buchbeiträge und Zeitungsartikel oder er erstellt Hof-Chroniken und organisiert Musiktreffen sowie Führungen in Städten, Kirchen und im Naturschutzgebiet. Englert beantwortet aber auch persönliche Anfragen. So habe etwa einmal ein Verein vor dem Maibaumaufstellen nachgefragt, ob sich die Spirale nach rechts oder links den Mast nach oben schlängelt.

Die Palette der beiden Kreisheimatpfleger im Landkreis ist groß. Daher ist Landrat Josef Niedermaier auch froh, „dafür zwei Persönlichkeiten“ wie den alteingesessenen Martin Englert und jetzt neu, Thomas Lauer dafür in Amt und Würden zu wissen. „Die von ihrer fachlichen Autorität und ihrem Wissen von keinem in Zweifel gestellt werden müssen.“

Daher bittet der Landrat die Bürger bei Fragen und Unsicherheiten, das Angebot der beiden Kreisheimatpfleger auch zu nutzen. Insbesondere im Bau- und im traditionellen Bereich. „Gehen Sie auf die Kreisheimatpfleger zu.“

Tradition und Moderne zusammenzubringen „ist der tagtägliche Spagat für die Kreisheimatpfleger“, so Niedermaier weiter. Da „der Weg in die Zukunft unausweichlich ist, sonst haben wir ein Problem.“ Das sei die größte Herausforderung – „die Wurzeln sichtbar zu machen“.

Denkmalschutz: oftmals ein „heikles Thema“

Lauer betonte, was sein Amt als Denkmalpfleger von ihm in der heutigen Zeit erfordert: „Eine Brücke schlagen zwischen Vergangenheit erhalten und die Zukunft gestalten.“ Und das „mit neuer Qualität.“ Gerade im Baubereich sei dies seit jeher ein „heikles Thema“, ergänzte Niedermaier. Dennoch habe sich über Jahrhunderte im Voralpenraum hinweg, „bei uns eine gewisse Qualität durchgesetzt.“

Das bestätigte auch Kreisbaumeister Andreas Hain: Das größte Anliegen der Denkmalpflege sei es, etwas zu erhalten, was für seine Entstehungszeit typisch und schützenswert sei. „Es geht darum, den typischen Baustil originalgetreu zu erhalten.“

In Zeiten von Wohnraummangel oftmals eine schwierige Angelegenheit, weiß Niedermaier. Daher habe er Verständnis, wenn Bauherren auch denkmalgeschützte Gebäude dafür anpassen wollen.

Dennoch müssten „die wesentlichen Elemente erhalten bleiben, können aber weiterentwickelt werden“. Und genau dafür sind die regionalen Kreisheimatpfleger da – um zu helfen und eine gemeinsame Lösung zu finden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weltpremiere in Wolfratshausen: Walter Steffens neuer Film
Bad Tölz - Wolfratshausen
Weltpremiere in Wolfratshausen: Walter Steffens neuer Film
Weltpremiere in Wolfratshausen: Walter Steffens neuer Film
Schlagabtausch um ehemalige Metzgerei Sieber in Geretsried
Bad Tölz - Wolfratshausen
Schlagabtausch um ehemalige Metzgerei Sieber in Geretsried
Schlagabtausch um ehemalige Metzgerei Sieber in Geretsried
59-jähriger Geretsrieder schlägt mit Faust und Holzlatte auf Passanten ein
Bad Tölz - Wolfratshausen
59-jähriger Geretsrieder schlägt mit Faust und Holzlatte auf Passanten ein
59-jähriger Geretsrieder schlägt mit Faust und Holzlatte auf Passanten ein
Verhängnisvolle Haschkekse: Drei Jugendliche müssen ins Krankenhaus
Bad Tölz - Wolfratshausen
Verhängnisvolle Haschkekse: Drei Jugendliche müssen ins Krankenhaus
Verhängnisvolle Haschkekse: Drei Jugendliche müssen ins Krankenhaus

Kommentare