„Europa ist ein Mythos“

Neujahrsempfang des Städtepartnerschaftsverein Bad Tölz-Vichy-San Giuliano Terme

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Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Bayerischen Landtag, hielt den Festvortrag und wünscht sich ein Europa der Menschenrechte und der Weitsicht.

Bad Tölz – Das neue Jahr fängt gut an für den Städtepartnerschaftsverein Bad Tölz-Vichy-San Giuliano Terme – zum alljährlichen Neujahrsempfang jüngst im kleinen Kursaal von Bad Tölz kamen so viele Besucher und Mitglieder, dass noch zusätzliche Stühle aufgestellt wurden, um allen einen Sitzplatz zu ermöglichen. Für die musikalische Untermalung des Abends sorgte das Ensemble um Rita Reiter.

Nach den Weihnachtsfeiertagen, dem Jahreswechsel und dem Schneechaos hatten sich die Mitglieder viel zu erzählen. Erst als der Erste Vorsitzende des Vereins Martin Englert zum Rednerpult ging, kehrte langsam Ruhe in den Saal ein und die Gäste suchten sich einen Platz. Martin Englert begrüßte alle geladenen Gäste, darunter Christof Botzenhart, den Dritten Bürgermeister von Bad Tölz und Vertreter der Stadt sowie zahlreiche Mitglieder des Stadtrats und der ortsansässigen Vereine und natürlich die anwesenden Mitglieder des Städtepartnerschaftsvereins.

Ehrengast an diesem Abend war Florian Streibl, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im bayerischen Landtag. Englert betonte in seiner Rede die Wichtigkeit der Städtepartnerschaften gerade in Zeiten des zunehmenden Populismus, Chauvinismus und Nationalismus. Die Idee zu den Städtepartnerschaften entstand 1963 im Rahmen der Unterzeichnung des Elysee-Vertrages. Dadurch sollten sich die Menschen in Europa nach den Grausamkeiten den Zweiten Weltkriegs auf friedliche und freundschaftliche Weise besser kennenlernen und wieder annähern.

Das Modell der Städtepartnerschaften wurde ein Erfolgsmodell, wie die guten Beziehungen zu den Partnerstädten Vichy (seit 52 Jahren) und San Giuliano Terme in der Toskana (seit 15 Jahren) beweisen. Und so will der Verein auch dieses Jahr wieder eine Bürgerfahrt nach Vichy organisieren. Diese ist geplant vom 24. April bis 1. Mai. Zum Ende seiner Rede appellierte Englert: „Der Humanismus muss wieder mehr zur Maxime der Menschheit werden.“

Christof Botzenhart punktete mit seiner knappen und treffenden Rede zur aktuellen kritischen politischen Lage in den Ländern der Partnerstädte und wie wertvoll in diesen Zeiten die Arbeit des Städtepartnerschaftsverein ist. Dafür erntete er berechtigten Applaus. Auch Florian Streibl lenkte den Blick in seinem Festvortrag auf die Geschichte Europas sowie auf die aktuelle politische Situation, speziell auf die unvorhersehbaren Konsequenzen aus dem Brexit. „Europa ist ein Mythos“, bemerkte Streibl. Und dabei bezog er sich nicht nur auf die Figur der Europa in der griechischen Mythologie, sondern auch auf die Idee von einem geeinten Europa. „Wir brauchen ein Europa, das von gemeinsamen Werten getragen wird“, betont Streibl. „Europa muss mehr sein, als nur eine Wirtschaftsunion.“ „Europa muss zu einer Wertegemeinschaft zusammenwachsen, die auf den Menschenrechten basiert.“ Er wünsche sich „ein Europa der Menschen und der Menschlichkeit.“ Streibl beschloss seinen Festvortrag mit den symbolträchtigen Namen Europas, der übersetzt soviel heißt wie „die Weitsichtige“. Eben diese Weitsicht wünscht sich Streibl für Europa in diesem Jahr und für die Zukunft. Marion Bürkner

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