Abwarten unter Bedingungen im Norden

Hallenbad: Die Beschlüsse der Kommunen

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Wollen erst einmal abwarten, bis offene Fragen geklärt sind: Bürgermeister Helmut Forster (l.) und BVW-Rat Josef Praller.

Nordlandkreis – Die Beschlüsse der Stadt Wolfratshausen, der Gemeinde Eurasburg und Münsing stehen. Während die Flößerstadt auf die Klärung der offenen Fragen bis 2013 wartet, geben Münsing und Eurasburg positive Signale. Unter Bedingungen.

Wolfratshausen wartet ab

Zu viele Fragen sind offen, außerdem hat der Kreistag noch kein Votum gefällt: Wolfratshausens Stadträte vertagten am Dienstag nach anderthalb Stunden Debatte ihre Entscheidung über eine Beteiligung an einem interkommunalen Hallenbad in Geretsried. Zuvor überreichten am Nachmittag Stephanie Hanna-Necker und Thomas Martin Bürgermeister Helmut Forster (BVW) 1.218 Unterschriften – davon 1.148 aus Wolfratshausen – für eine Beteiligung. Erst im nächsten Jahr will der Stadtrat das Thema erneut beraten, so lautete Forsters Kompromissvorschlag. Bis dahin sollen eine Reihe von Fragen zur Finanzierung, der Beteiligung Wolfratshausens an den Unterhalts- und Reperaturkosten, wie auch zur Auslastung durch den Schulsport und die zu erwartenden Besucherzahlen geklärt werden. Grünen-Stadträtin Gaby Reith verlangt darüber hinaus ein Energiekonzept und will den Standort – für den Bau müsste ein Waldstück gerodet werden – so nicht akzeptieren. Alfred Fraas und Manfred Fleischer (beide CSU) sehen zudem den Landkreis in der Pflicht, seiner Aufgabe nach ausreichenden Sportflächen – darunter fällt auch das Hallenbad – nach zu kommen. Und Josef Praller (Bürgervereinigung) will gar mittelfristig ein eigenes Hallenbad bauen: in Wolfratshausen. Die Zahlen, die vor 14 Monaten zu einer einstimmigen Ablehnung des Stadtrates führten (1,6 Millionen Euro Investitions- und ein sechsstelliger Betrag an Betriebskosten), wurden laut Forster diesen Oktober aktualisiert und würden für Wolfratshausen heute deutlich günstiger ausfallen. Die heutige Variante würde rund elf Millionen Euro kosten, auf Wolfratshausen käme somit eine Investitionssumme von etwas mehr als 277.000 Euro und jährliche Betriebskosten von 59.000 Euro zu. Letztere für eine Laufzeit von 30 Jahren. „Ich bin nicht gegen den Neubau eines Bades, unsere Bürger können aber auch ohne eine Beteiligung der Stadt in Geretsried schwimmen gehen“, machte das Stadtoberhaupt vor allem den Unterschriftensammlern deutlich. Bei einem Gespräch mit den Schulrektoren hätten ihm diese außerdem erklärt, „dass sie mit ihren Klassen das Bad nicht nutzen werden“. Zu weit weg, zu wenig Zeit im Stundenplan, lautete das Fazit. Die kleineren Klassen würden vielmehr das Weidacher Bad nutzen (für das die Stadt jährlich 27.000 Euro ausgibt; d.Red.). Vor allem Fleischer ärgerte sich über das Vorgehen von Landrat Josef Niedermaier (FW) und verschiedenen Kommunalpolitikern: „Es gibt nur einen Landkreis, keinen Nord- und keinen Südlandkreis.“ Die Rhetorik sei irreführend, zumal das Schwimmbad an der Tölzer Realschule „schön von allen Gemeinden über die Kreisumlage bezahlt wird“. Die nördlichen Gemeinden würden bei Niedermaiers Variante laut Fleischer gleich dreimal zur Kasse gebeten werden: „Einmal zahlen wir für die Investition, dann für den Betrieb und zum Schluss nochmal, wenn die Kinder zum Schwimmen fahren.“ Der Landkreis soll sich zu seiner Aufgabe bekennen und das Bad bauen, betonte der CSU-Sprecher. Außerdem dürfe niemand auf die Mär hereinfallen, „dass die Kinder im Schulsport das Schwimmen lernen“. Was auch Veronika Daffner (Bürgervereinigung) unterstrich: „Das ist Aufgabe der Eltern.“ Dagegen warb Fritz Schnaller (SPD) in der Sitzung, das Gremium möge sich – nach der Beantwortung aller noch offenen Fragen – auch einmal die Vorteile dieser Kooperation überlegen. „Wir müssen lernen, zusammen zu arbeiten, weil wir uns alleine nicht mehr alles leisten können“, sagte Schnaller. Das Bad könnte ein „Startschuss“ für weitere gemeinsame Projekte sein. SPD-Fraktionschef Renato Wittstadt stellte am Ende fest, „hätten wir uns vor 14 Monaten an der Planungsgruppe beteiligt, wüssten wir heute mehr“. Der Stadtrat stimmte schließlich ohne Gegenstimme einer Vertagung zu. Oliver Puls

Ein "Ja" unter Auflagen aus Münsing

Münsing wird sich finanziell am geplanten Bau eines Nordlandkreisbades in Geretsried beteiligen. Die in der jüngsten Gemeinderatssitzung erteilte Zusage ist aber an die Bedingung geknüpft, dass sich auch der Landkreis und alle in der Kostenaufstellung aufgeführten Kommunen beteiligen. Münsing ist bereit, einen einmaligen Investitionskostenbeitrag von voraussichtlich 46.450 Euro sowie einen jährliche Betriebskostenanteil von 8.000 Euro zu übernehmen. „So billig bekommen wir das nie wieder. Vor allem die Wasserrettungskräfte des Starnberger Sees, aber auch die Schulklassen benötigen Trainings- und Sportmöglichkeiten“, warb Bürgermeister Michael Grasl (Freie Wähler) für das Bad. Gemeinderat Christoph Bühring-Uhle (SPD) störte indes, dass das Bad nach derzeitigen Planungen an Gebäude aus den 60er-Jahren erinnern würde. „Die Priorität sollte bei der Schul- und Sportnutzung liegen. In modernen Spaßbädern hüpfen und springen die Kinder nur herum, lernen aber nicht das Schwimmen“, entgegnete Jugendreferentin Regina Reitenhardt (Wählergruppe Münsing). Sie bezog sich auf ein Gespräch mit Grundschulrektorin Angelika Banner, die von einer „erschreckend hohen“ Nichtschwimmerquote an der Münsinger Schule berichtete. Als Gegner der derzeitigen Planungsentwürfe positionierte sich Prof. Dr. Matthias Richter-Turtur (Wählergruppe Ammerland). „Die Kosten sind unüberschaubar. Außerdem halte ich einen Standort, der im geometrischen Mittelpunkt der einzelnen Gemeinden liegt, für geeigneter als den in Geretsried“, so Richter-Turtur. Er kam zu dem Schluss, dass das Geld an anderer Stelle sinnvoller angelegt sei: „Die Schließung des Schwimmbads im Krankenhaus war ein Fehler. Warum wird nicht dort ein neues Bad eröffnet?“ Thomas Sebald (Wählergruppe Ammerland) befürchtet hingegen, dass die derzeit veranschlagten Betriebskosten im Laufe der Jahre durch notwendige Reparaturkosten in die Höhe schnellen könnten. „Dann wird es wohl schwierig wieder auszusteigen“, kritisierte Sebald. Grasl verwies darauf, dass die Beteiligungszusage nur bei einer maximalen Kostensteigerung von 15 Prozent aufrechterhalten wird. Die Einzelheiten einer Beteiligung und die Mitsprache über die Belegung sollen in einer Zweckvereinigung geregelt werden. Bis auf Matthias Richter-Turtur stimmten alle Gemeinderäte dem Beschlussvorschlag Grasls zu. Nun gilt es abzuwarten, ob der Kreistag im Februar 2013 eine Landkreisbeteiligung bewilligt. „Diese Zeit müssen wir dem Kreis geben. In jedem Fall hat Münsing ein Zeichen gesetzt“, so Grasl. Peter Herrmann
Eurasburgs Zusage steht unter Bedingungen
Eurasburgs Zusage steht unter Bedingungen Eurasburg – Eurasburg sagt „Ja“ zur Beteiligung an den Investitions- und jährlichen Betriebskosten eines Nordlandkreis-Hallenbades in Geretsried. Das beschloss der Gemeinderat – einstimmig. Die Zusage ist wie auch in Münsing (siehe links) an Bedingungen geknüpft. So wird Eurasburg nur mitzahlen, wenn auch der Kreis mitmacht und alle Gemeinden des Nordlandkreises. Bürgermeister Michael Bromberger stellt nochmals die aktuellen Kostenschätzungen vor. Diskutiert wurde über ein Für und Wider nicht. Auch brauchte man keine weitere Bedenkzeit. „Wir sollten jetzt ein Zeichen setzen, dass eine Beteiligung eine hervorragende Sache ist“, sagte er. Mit dem einstimmigen „Ja“ bestätigten die Räte auch ihren bereits in 2011 gefassten Beschluss. „Alle oder gar nicht“, betonte Bromberger und wies darauf hin, dass man nur neu beraten müsste, falls dem Eurasburger Beispiel nicht alle Gemeinden des Nordlandkreises folgen sollten. Das würde laut Beschluss auch dann der Fall sein, wenn die Kostenschätzung von den tatsächlichen Kosten um mehr als 15 Prozent abweichen würde. Dass man in Bezug auf die vorgelegten Zahlen den Fachbüros und der Verwaltungen vertrauen müsste, betonte Bromberger. „Zu sagen, die anderen legen uns nur die Rechnung vor und wir dürfen zahlen, ist keine Basis für eine interkommunale Zusammenarbeit.“ dae

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