Nordlandkreishallenbad mutiert endgültig zur politischen Zerreißprobe

Attacke auf Wolfratshausen

+
Während das Thema interkommunales Hallenbad zur politischen Zerreißprobe mutiert, haben es die Besucher vom noch offenen Hallenbad in Geretsried einfacher: sie können einfach abtauchen.

Geretsried – Eine Nachfrage von CSU-Stadtrat Hans Ketelhut zum Interkommunalen Hallenbad entwickelte sich im Stadtrat zu einer polemischen Schlammschlacht.

Beschmutzt wurde vor allem der Nachbar aus Wolfratshausen. Während Ketelhut vorschlug, einen „Plan B“ auszuarbeiten, war es vor allem Dritter Bürgermeister Robert Lug (FW), der die sachliche Diskussion verließ und gegen Wolfratshausen wetterte. Zunächst warnte Ketelhut davor, das Projekt „Nordlandkreishallenbad“ zum Wahlkampfthema zu machen. „Viele im Kreistag wissen gar nicht, wie notwendig das Schwimmbad in Geretsried ist.“ Und Ketelhut konnte sich einen Seitenhieb auf seinen Parteifreund, den Vize-Landrat und Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl, der zuletzt deutliche Kritik am Projekt äußerte, nicht verkneifen: „Es kann doch nicht sein, dass die Lenggrieser Ansprüche anmelden.“ Sein Fazit: „Ich habe Angst, dass wir am Ende in Sachen Hallenbad am schlechtesten fahren.“ Deshalb sollte ein „Plan B“ entwickelt werden, „falls die Nachbarn nicht mitziehen“. Und die Wolfratshauser Politiker warnte er, denn „sie befinden sich gegenüber ihren Bürgern im freien Fall“. Was Robert Lug, Bürgermeisterkandidat der Freien Wähler, zum Anlass nahm, um sich über Wolfratshausen zu echauffieren. Für ihn war der Sündenbock schnell gefunden: Wolfratshausens Bürgermeister Helmut Forster und CSU-Fraktionssprecher Manfred Fleischer. „Deren Verhalten ist auf dem Niveau einer dritten Klasse.“ Bei der Infoveranstaltung im Geretsrieder Rathaus „waren beide anwesend und sagten nichts, kein Muh und kein Mäh“. Stattdessen hätten sie Wolfratshausens BVW-Stadtrat Josef Praller Zettel zugeschoben, damit er Fragen stellt, behauptete Lug. Der Freie Wähler schob auch einen Kommentar in Sachen geplantes Bürgerbegehren in Wolfratshausen nach: „Forster läuft jetzt schon Amok, weil er Angst hat, dass es in seine Haushaltshoheit eingreift.“ Lug freut sich schon auf ein Bürgerbegehren in Wolfratshausen. Denn: „Vielleicht kriegen sie dann eine riesige Watschn“, sagte er in Richtung Wolfratshauser Bürgermeister Forster, Fleischer und Praller. „Das würde mich freuen.“ Am Ende nahm Lug noch einen Ausspruch von Bürgermeisterin Cornelia Irmer („Mir sind alle Bürger im Landkreis lieb“) auf, um ihn zu ergänzen: „Außer die Stadträte der Bürgervereinigung und der CSU Wolfratshausen.“ Zweiter Bürgermeister Gerhard Meinl (CSU) stellte klar: „Wir bauen ein Geretsrieder Bad, es ist unser Bad und wird immer unser Bad bleiben.“ Seiner Meinung nach gebe es eine Fehleinschätzung. Die Berechnung der Beteiligung erfolge ausschließlich über die Schüler. „Hier kauft sich keiner einen Anteil.“ Denn sonst müsste auch das Grundstück berechnet werden, so Meinl. Auch wenn sich Wolfratshausen nicht beteiligt, könnten deren Bürger in Geretsried baden gehen. „Sie müssen auch keine Kapperl mit einem Kreuz aufsetzen“, sagte Meinl. Bürgermeisterin Irmer (parteifrei) wies am Ende darauf hin, dass die Verwaltung alles mögliche tue, um offene Fragen zu beantworten. Dennoch: „Gewöhnungsbedürftig und grenzwertig ist der Ton, mit dem mit uns geredet wird.“ Das Angebot von Geretsried sei fair und offen, „da müssen wir uns nicht anreden lassen als hätten wir ein unsittliches Angebot gemacht“. Ralf Fastner

Kommentar

Es ist wie mit einem Kind, dem man nicht sofort gibt, was es will: Dann fängt es an zu trotzen. So auch beim Interkommunalen Hallenbad. Angesichts der nun im Stadtrat aufgefahrenen Polemik befinden sich die Geretsrieder Politik-Akteure weit entfernt von einem Schulterschluss. Fatal, wenn man bedenkt, dass Bürgermeisterin Cornelia Irmer kürzlich im Gemeindetag-Kreisverband ein flammendes Plädoyer für generelle interkommunale Projekte hielt. Wenn dann schon die Premiere schief läuft, wird es wohl keinen zweiten oder gar dritten Akt geben. Gerade Dritter Bürgermeister Robert Lug schießt nun völlig quer. Seine Polemik zeigt ganz deutlich: Er fährt eine Politik der „Interkommunalen Kälte“. Dabei ist absolut berechtigt, dass Wolfratshausen und alle anderen offene Fragen klären wollen. Vor allem was die Folgekosten angeht. Da will eine Entscheidung wohl durchdacht sein. Wenn Geretsried aufgrund seines Zeitdrucks mit 180 Sachen auf der Überholspur versucht, die Nachbarn einsteigen zu lassen, muss klar sein: Das funktioniert nicht. Wenn nicht endlich Tempo aus der Debatte rausgenommen wird, steht Geretsried am Ende allein da. Ralf Fastner

Auch interessant

Kommentare