Gemeindetag: Unstimmigkeiten bei Bürgermeistern

Hallenbad versus Turnhalle

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Antworten auf viele offene Fragen zum neuen Hallenbad forderte der Lenggrieser Bürgermeister Werner Weindl ein.

Landkreis/Geretsried – Ein hitziger Schlagabtausch entwickelte sich im Kreise der Landkreisbürgermeister zur „Causa Nordlandkreishallenbad“, als sie zur Kreisverbandsversammlung des Bayerischen Gemeindetages zusammen kamen.

Spätestens jetzt ist klar: Einen schnellen Beschluss zu einer finanziellen Beteiligung des Landkreises wird es nicht geben. Im Gegenteil: Diskutiert werden nun komplett neue Varianten. Etwa, dass der Kreis eine Turnhalle in Geretsried errichtet, anstatt sich an dem Schwimmbad zu beteiligen. Oder dass der Landkreis zwar einen Einmalzuschuss zahlt, sich aber nicht an den laufenden Kosten beteiligt. Geretsrieds Bürgermeisterin Cornelia Irmer hatte wohl nicht mit einer derart impulsiven und ausgedehnten Diskussion gerechnet. Sie bot ihren Kollegen zunächst an, offene Fragen per Email an sie zu schicken. Ein Angebot, das CSU-Kreisrat und Lenggrieser Rathauschef Werner Weindl prompt ausschlug. Er wünschte sich eine offene Aussprache. Und er lieferte sogleich einen kritischen Prolog. Viele Bürgermeister würden Informationen zum Nordlandkreis-Hallenbad heute zum ersten Mal hören. Auch die Kreisräte hätten erst am 24. Oktober in der Sitzung des Kreistags Details erfahren. „Nun wird es so dargestellt, dass es ausgerechnet an dem Gremium hakt, das als letztes von allem erfahren hat: dem Kreistag“, ärgerte sich der Vize-Landrat. Er kritisierte ferner, dass Landrat Josef Niedermaier (FW) das Hallenbad auch nur auf Nachdruck auf die Tagesordnung gesetzt habe, „das Hallenbad kam später drauf“. Wenn seit über einem Jahr schon an der Idee des interkommunalen Zusammenschlusses getüftelt werde, „warum sollen wir innerhalb weniger Wochen einen Beschluss liefern“, machte sich Weindl Luft. Schützenhilfe erhielt er von CSU-Kreisrat Thomas Holz, Bürgermeister von Kochel. Der erkennt keine originäre Pflichtaufgabe des Landkreises, sich überhaupt finanziell an einem Hallenbad zu beteiligen. Eher sollte er die längst überfällige Turnhalle in Geretsried errichten.

Laut CSU-Kreisrat Holz wären die Folgekosten bei einer Turnhalle besser vorhersehbar, vor allem bei einer Laufzeit von 30 Jahren, über die das Schwimmbad abgeschrieben wird. „Geretsried baut ja sowieso ein Hallenbad.“ Was Geretsrieds Bürgermeisterin Irmer nicht hinterfragte. „Dann aber nur für den städtischen Bedarf.“ Überhaupt sei die Stadt in der Vergangenheit gegenüber dem Landkreis immer wieder in Vorleistung gegangen. So stelle Geretsried 70 Prozent seiner Turnhallenkapazitäten dem Landkreis zur Verfügung, „zu sehr niedrigen Nutzungsgebühren“. Was zudem auch für das Isaraustadion und das Eisstadion gelte. Zudem betreibe der Landkreis das Bad in der Tölzer Realschule. Ein Angebot, das es für die Nordlandkreis-Kommunen nicht gebe. Doch sei es für sie kein Problem, „wenn der Landkreis alternativ eigene Schwimmbäder für seine Realschulen in Wolfratshausen und Geretsried sowie für die Gymnasien in Geretsried und Icking errichtet“, so Irmer. Geretsried jedenfalls habe „kein unsittliches Angebot gemacht“, als es die Idee eines interkommunalen Hallenbades auf den Weg brachte, „was übrigens die Idee von mir und Bürgermeisterin Gröbmaier gewesen ist und nicht die von Landrat Niedermaier alleine.“ Bürgermeistersprecher Michael Bromberger erinnerte daran, dass das neue Hallenbad 76.000 Einwohnern aus acht Kommunen zur Verfügung gestellt würde. Angesichts der jetzigen Situation mit maroden Bädern in Ascholding und Geretsried sprach Bromberger von einem großen Bedarf an einer neuen Schwimmstätte: „Es ist einfach zu billig, zu sagen, dass man das Bad nicht braucht.“ Beteilige sich der Landkreis nicht an dem Projekt, entfallen rund zwei Millionen Euro Fördergeld – „dann gibt es kein interkommunales Hallenbad“. Eine Schlussfolgerung, die Thomas Holz und Werner Weindl nicht nachvollziehen konnten. „Wenn das Bad schon so wichtig ist für die Einwohner der Nordlandkreiskommunen, „dann muss das Bad doch auch ohne Landkreis gestemmt werden können“. Und Holz brachte eine ganz andere Option ins Spiel: Dass der Landkreis zwar einen einmaligen Investitionskostenzuschuss gewährt, sich aber nicht an den laufenden Kosten beteiligt. Was theoretisch möglich wäre, wie Bromberger und Irmer mit Bezug auf Gespräche mit der Regierung von Oberbayern bestätigten. Doch stieß dieses Prozedere bei Irmer nicht auf Gefallen. „Denn die laufenden Kosten sind das Entscheidende“, sagte sie. Dietramszells Bürgermeisterin Leni Gröbmaier sieht den Landkreis ebenfalls in der Pflicht. Zumal ihre Gemeinde seit fast 40 Jahren trotz misslicher finanzieller Lage ein Bad unterhalte. Sie sagte zu, wenn möglich, das Hallenbad in Ascholding so lange zu betreiben, „bis das neue in Geretsried öffnet“. Anstelle das Ascholdinger Bad zu sanieren (Kostenaufwand rund eine Million Euro) „kaufe ich mich lieber in Geretsried ein“. Auch wenn sich Wolfratshausen nicht am Bündnis beteilige (Gröbmaier: „Die Wolfratshauser werden nicht mitmachen“), der Gemeinschaft tue das keinen Abbruch. Doch realisieren lasse sich das Bad nur mit dem Landkreis im Boot, befand sie. Wackersbergs Bürgermeister Alois Bauer sprach sich für eine Kreisbeteiligung aus, um sich die zwei Millionen Euro Förderung nicht entgehen zu lassen. Doch seien es teure zwei Millionen Euro, würde man sich im Gegenzug zu 30 Jahren Unterhaltszuzahlung (jährlich 264.000 Euro) verpflichten, konterte Holz. Sitzungsleiter Bromberger versuchte, etwas Schärfe aus der Debatte zu nehmen. „Die Diskussion zu den Details geht doch erst los“, sagte er und ebnete den Weg zum Kompromiss einer „bloßen Einmalzahlung“ des Landkreises: „Es findet sich schon ein Finanzierungsschlüssel, darüber können wir reden.“ Was Werner Weindl nicht beeindruckte. Er bezeichnete angesichts der vielen Unklarheiten die Beschlüsse der Geretsrieder Nachbarkommunen zur Beteiligung als reine „Persilscheine“. Thomas Kapfer-Arrington

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