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Nostalgische Fahne symbolisiert Flößerwurzeln

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Fahne von großem historischen Wert (v.l.): Christian Steeb (Leiter Heimatmuseum), Historiker Hubert Lüttich, Bürgermeister Helmut Forster und Kurt Grad bei der Übergabe der Flößerfahne
Fahne von großem historischen Wert (v.l.): Christian Steeb (Leiter Heimatmuseum), Historiker Hubert Lüttich, Bürgermeister Helmut Forster und Kurt Grad bei der Übergabe der Flößerfahne

Ihrer Bestimmung übergeben worden ist die Flößerfahne aus dem Jahr 1631: Die Familie Grad überlässt sie der Stadt Wolfratshausen für 20 Jahre als Leihgabe. Nun wird die ´Fahne restauriert und dann im Heimatmuseum aufgestellt – dort hängt bereits eine Flößerfahne aus dem Jahr 1858.

„Die Fahne ist ein außergewöhnliches Dokument und symbolisiert die historischen Wurzeln Wolfratshausens“, sagte Bürgermeister Helmut Forster mit Stolz bei der Übergabe der Fahne. 20 Jahre lang galt die nostalgisch anmutende Flößerfahne als verschollen. „Meine Großmutter hat sie mir ein paar mal gezeigt, als ich noch ein Kind war“, erinnerte sich Kurt Grad. Er stammt aus einer alteingesessenen Wolfratshauser Flößerfamilie. Grads Ahnen waren allesamt Flößer. „Mein Urgroßvater ist beim Flößen in der Isar ertrunken“, merkte er an. In den Besitz der Fahne kam die Familie Grad höchstwahrscheinlich, weil sie ein wichtiges Wegerecht besaß. Mit dem Anwesen der Grads an der Berggasse 8 war das Recht verbunden, am alten Floßkanal Zoll zu erheben. Dieser existiert heute nicht mehr in dieser Form, da er zugeschüttet wurde und nur noch partiell als Straße am Floßkanal erhalten blieb. Wirklich verschollen war die alte Fahne, die einer Standarte gleicht, jedoch nicht. Kurt Grads Mutter arbeitete in den 80er-Jahren im Isar-Kaufhaus. Und der Flößerstube lieh sie die Fahne aus. Als das Wirtshaus jedoch die Pforten schloss, verschwand damit auch die Fahne – offiziell. Tatsächlich aber war sie wieder im Besitztum der Grads: „Wir haben es von Seiten der Familie nie breitgetreten, dass wir im Besitz der Fahne sind.“ Dort entdeckte sie der Wolfratshauser Historiker Christian Steeb. Und setzte sich energisch bei den Grads dafür ein, dass das zeitgeschichtliche Dokument ins Heimatmuseum der Stadt gelangt. Was mit Museumsleiter Hubert Lüttich und Bürgermeister Helmut Forster prompt gelang. Ohne zu zögern erklärte sich Kurt Grad dazu bereit. „Wir wollten immer , dass die Fahne in der Flößerstadt Wolfratshausen bleibt“, sagte der Wahl-Eurasburger. Nach dem Tod seines Vaters im vergangenen Jahr, lebe nur noch die Mutter lebe in Wolfratshausen. Der Rest der Familie ist weit verstreut. In den kommenden 20 Jahren nimmt die Flößerstadt also die Fahne in ihre Obhut. Dafür muss sich die Stadt um die Restaurierung der Fahne kümmern. Was nicht ganz billig sein wird, denn die Fahne weist erhebliche Mängel auf. So ist sie an einigen Stellen gerissen – dort müssen die Fäden freigelegt und neu zusammengenäht werden. Außerdem müsse die Bemalung mit Öl ausgebessert werden, machte Lüttich den Stand der Dinge deutlich. Und weiter: „Man kann bestimmt mit einer Summe von über 5.000 Euro rechnen.“ Einen exakten Kostenvoranschlag erhält die Flößerstadt aber erst im September. Eine Idee wie die Fahne im Heimatmuseum platziert werden soll, hat Lüttich ebenso. Und zwar „am liebsten zwischen zwei Glasscheiben“. So könne der Besucher die Motive auf der Vorder- und der Rückseite betrachten. Was die Zeichnung anbelangt, so sind auf der Vorderseite zwei Flößer zu sehen inmitten einer Gebirgslandschaft. Über ihnen thront der Schutzheilige der Flößer: der heilige Nikolaus. Auf der Rückseite eine Madonna mit Kind. Ihre Füße hat sie auf einem Halbmond abgelegt. „Das erinnert an die ‘Türkenkriege’“, gab Lüttich zu verstehen. An diesen Motivkomplexen orientierte sich augenscheinlich auch die Standarte aus dem Jahr 1858.

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