Landrat schiebt Busfahren an

Öffentlicher Nahverkehr wird ausgebaut: Linie 379 verkehrt nun stündlich zwischen den Städten

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Einsteigen für die Zukunft des Öffentlichen Nahverkehrs: Busfahrer Senad Causevic kutschierte (v.l.) Landrat Josef Niedermaier und Fachbereichsleiter Matthias Schmid durch den Landkreis, um fürs Busfahren zu werben. Foto: dwe

Bad Tölz – Eine Busfahrt, die ist lustig und informativ: Jüngst lud Landrat Josef Niedermaier zur gemeinsamen Fahrt ein und zwar mit der Linie 379 vom Tölzer Isarkai Richtung Wolfratshausen. Seit dem Tarifwechsel Anfang Dezember verkehrt nun die Linie zwischen Bad Tölz, Geretsried und Wolfratshausen stündlich. Bei der Fahrt plauderte Niedermaier über die Linie, über Visionen und die Zukunft des MVV im Landkreis.

Es bläst ein frischer Wind über den Tölzer Isarkai, als Landrat Josef Niedermaier um 10.40 Uhr am Dienstagvormittag in die Linie 379 einsteigt. Dabei hat er einen Rucksack und darin sind seine Unterlagen, die er an der nächsten Haltestelle Königsdorf gleich brauchen wird. Dort trifft sich Niedermaier nämlich im Posthotel zum Wirtschaftsforum – vorbildlich lässt er sein Auto stehen und fährt Öffentlich.

Die Dienstfahrt ist freilich symbolisch und für die Pressevertreter bestimmt. Dennoch: Sie bringt frischen Wind in die Kreispolitik, die sich im Fahrtwind von Niedermaier bemüht den Öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) im Landkreis und darüber hinaus attraktiver und moderner zu gestalten. „Die Taktverdichtung ist ein guter Schritt dahin, dass der Landkreis zusammenwächst“, erklärt Niedermaier.

Neben Niedermaier steigen auch ÖPNV-Fachbereichsleiter Matthias Schmid, Behörden-Sprecherin Marlis Peischer sowie sieben weitere Fahrgäste in den Bus ein. Neben Senioren finden sich dort auch Pendler, die auf dem Weg zur Arbeit sind. Nun können sie flexibler sein, da von Montag bis Samstag neun Fahrten zusätzlich im Fahrplan stehen. Am Sonntag sind es sechs Fahrten mehr. Der erste Bus startet am Isarkai übrigens um 6.28 Uhr, der letzte um 22.35 Uhr. Und die Fahrt über Geretsried nach Wolfratshausen dauert rund 40 Minuten.

Niedermaier zieht sein Handy aus dem Janker: Er versucht sich in das kostenlose WLAN, das vom Freistaat Bayern gefördert wird, einzuloggen. 20 von insgesamt 55 Busen bieten das sogenannte Bayern-WLAN an. Auf der Linie 379 ist der Regionalverkehr Oberbayern (RVO) für den MVV unterwegs und setzt dort eigene Busse ein. An diesem Tag klappt es nicht so richtig mit dem Internet. „Vorführ­effekt“, murmelt Niedermaier und steckt sein Mobiltelefon wieder in die Tasche seines Jankers.

Kosten lässt sich dagegen der Landkreis die Taktverdichtung: „390.000 Euro jährlich beträgt das reine Betriebsdefizit“, berichtet Peischer. Die Buslinie 379 – eine der meistgenutzten im Landkreis – trage sich zu 90 Prozent. „Das ist wahnsinnig gut für eine Buslinie“, betont Schmid weiter. Durch den Fahrkartenverkauf komme allerdings wieder Geld zurück, ergänzt der ÖPNV-Fachbereichsleiter.

Aktuell kostet eine IsarCard für einen Monat 79,10 Euro, das Wochenticket ist für 22,10 Euro zu haben. Zum Vergleich: eine Einzelfahrt von Tölz nach Wolfratshausen kostet 5,80 Euro. Das Ziel der Tarifreform sei, so Schmid, „wer öfter öffentlich fährt, fährt günstiger“. Für die Zukunft wünscht sich Niedermaier auch das digitale Ticket, wie es beim MVV schon üblich ist. „Das muss auch hier schnell zum Standard werden.“ Der Weg sei, „weg von der Papierfahrkarte“, ergänzt Schmid. Im nächsten Schritt sei eine automatisierte Fahrkarte denkbar, bei der immer der beste Tarif abgebucht werde. Das System erkennt, wo ich ein- und aussteige. Aber dies seien noch Visionen, so Niedermaier.

Ein weiteres Zukunftsprojekt ist der „Alpenbus“: Als Querverbindung zwischen Weilheim, Penzberg, Tölz und Rosenheim. Ebenso schwebt Niedermaier eine Ringverbindung vor: Angefahren werden sollen dabei die S-Bahnhof-Äste von Wolfratshausen, Egling und Deisenhofen. „Beide Projekte bringen unserem Landkreis enorm viel“, betonte Niedermaier. Für ihn steht fest: „Wir können die Verkehrswende nur schaffen, wenn der Öffentliche Nahverkehr attraktiver wird“. Und: „Wenn wir jetzt nicht anfangen, wird es uns nie gelingen.“Daniel Wegscheider

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